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Archiv der Artikel die mit zdf getagged sind.

Das ZDF, Karl Marx und die böse Oma

Den Sounddesignern vom ZDF muss ihr Job großen Spaß machen. Anders kann ich mir nicht erklären, wieso sie für eine Folge der Doku-Reihe „Die Deutschen II“, die derzeit sonntags im ZDF läuft, auf einen Audio-Ausschnitt aus einem YouTube-Video zurückgegriffen haben.

Schauen Sie selbst:

Die Folge lief am 5. Dezember 2010 um 19.30 Uhr und befasste sich mit Karl Marx und seinem Werk „Das Kapital“. Zu einem Schwarzweiß-Film, der das Hinterhof-Treiben in einer Arbeitersiedlung um die Jahrhundertwende zeigt (Minute 36:40, Mediathek-Link), setzten die Sounddesigner unter anderem einen kurzen Ausschnitt aus dem populären YouTube-Video einer wütenden Seniorin (Link) ein.

Aus urheberrechtlicher Sicht dürfte das nicht ganz unproblematisch sein. Auf der anderen Seite beweist es, dass das ZDF ein paar kreative Köpfe mit dem Sounddesign beauftragt hat, die mit sehr viel Liebe fürs Detail vorgehen.

Jugendliche Medien in Mainz – und der Blogger mittendrin!

Im ZDF wird gearbeitet: Die Redaktion der "politikorange" hat sich hier breit gemacht.

Im ZDF wird gearbeitet: Die Redaktion der "politikorange" hat sich hier breit gemacht.

Werte Leser, ich grüße euch. Und zwar von den Jugendmedientagen in Mainz, genauer gesagt aus dem Newsroom der Messezeitung politikorange, die in den Räumlichkeiten des ZDF Quartier bezogen hat. Es geht um Fernsehen und bewegte Bilder.

Was geht? Voll Medien, ey!

Mein Schreibstil dürfte euch befremden. Er ist ja jetzt auch fruchtig, frisch, jugendlich. Frische Presse braucht frischen Stil. Hier arbeite ich in der Redaktion eines Periodikums, das eine erstaunliche Tradition hat. Weil mir eine Teilnahme am normalen Programm zu unspektakulär und passiv war, bin ich jetzt Teil eines Team von ambitionierten Ehrenamt-Redakteuren. Darunter Politik- und Publizistik-Studenten. Das ZDF lässt uns alle erdenkllichen Freiräume, sodass sich dieses Medium wirklich unabhängig nennen darf.

Danksagung

Einziges Manko: Die reguläre Unterbringung ist katastrophal. An dieser Stelle möchte ich einem Dortmunder Journalistik-Studentenpärchen danken, das mir auf sehr freundliche Art und Weise Asyl gewährt hat. Ansonsten hätte ich nämlich in einer kalten Turnhalle auf einer millimeterdünnen Isomatte in einem überaus schlecht gefütterten Schlafsack übernachten müssen. Und wieder einmal zeigt sich: Das Dortmunder Journalisten-Netzwerk funktioniert. Freunde in der Not finden sich über den Institutsverteiler. Vielen Dank – ich habe sehr gut auf eurer Couch geschlafen und freue mich schon auf zwei weitere geruhsame Nächte.

P.S.: Meine überaus freundliche Sitznachbarin sowie Redaktionskollegin Susanne möchte an dieser Stelle gegrüßt werden. Gerne komme ich dieser Bitte nach. Liebe Susi, ich grüße dich und danke dir für abwechslungsreiche Kurzkonversationen während der gefürchteten Mittagsdurchhänger!

Oliver Pocher mit Negativ-Preis ausgezeichnet: Dreiste Verhöhnung des Fußball-Europameisters

Fernseh-Komödiant Oliver Pocher erhält die diesjährige Trophäe des “Watchdog” – allerdings nicht, weil er besonders gut aufgepasst, sondern weil er sich während einer Fanfeier mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft vorbildlich daneben benommen hat. Mit primitiven Fan-Gesängen habe er die spanischen Europameister verhöhnt, sagt das “netzwerk kritischer fernsehzuschauer” (NKF) in seiner Begründung für die Verleihung des “Preises der beleidigten Zuschauer”. Die fernsehkritische Organisation vergibt den Negativ-Preis seit 1989. Welche Verhöhung gemeinst ist, lässt sich anhand eines Video-Mitschnitts der besagten ZDF-Übertragung vom 30. Juni erkennen – sogar Bundestrainer Joachim Löw äußerte sich später kritisch dazu:

Kein Ausrutscher: Entgleisungen haben bei Pocher Tradition

Es war nicht Pochers erster Ausrutscher. 2005 verklagte eine Zuschauerin den TV-Entertainer, weil er sie während einer Live-Schaltung für die Sendung “Wetten, dass…” beleidigt hatte. Die Frau erstritt 6.000 Euro Schmerzensgeld. Im April dieses Jahres sorgte dann eine öffentliche Schelte Harald Schmidts für Aufsehen. Pocher wurde am Ende der Sendung “Schmidt und Pocher” von Schmidt heftig kritisiert (“kleine, miese Type”), weil er sich einer Gast-Künstlerin gegenüber unhöflich verhalten hatte (ARD, 24. April 2008):

In die Reihe der Entgleisungen gehört auch ein Kommentar von Pocher anlässlich der Comet-Verleihung an den Musiker Mark Medlock, in dem er auf dessen Homosexualität anspielt. Viele Fernsehkritiker stufen die Blödeleien von Oliver Pocher als grenzwertig bis geschmacklos ein. Der Fernsehkritiker Holger Kreymeier führt in seiner Sendung “Fernsehkritik.TV” eine eigene Rubrik namens “Pocher klein mit Hut“, in der er die Fehltritte des TV-Entertainers dokumentiert.

Mehr zu diesem Thema im Internet:

Streit um HDTV eskaliert: BITKOM spricht von “Körperverletzung”

Quelle: EICTA.org

Quelle: EICTA.org

Das sei “fast schon Körperverletzung”, sagt Achim Berg im Bild-Interview – gemeint ist das analoge Fernsehsignal. Berg ist Vizepräsident des Verbandes BITKOM und hauptberuflich Geschäftsführer von Microsoft Deutschland. Er kann nicht begreifen, warum die Deutschen so zögerlich auf den neuen Standard “High Definition” (HD) reagieren, der den TV-Zuschauern doch exzellente Bildqualität bietet.

Im Ringen um die Etablierung dieses neuen Sendestandards wird der Ton rauer: Denn auch drei Jahre nach der Markteinführung gibt es kaum TV-Programme, die in HD-Qualität ausgestrahlt werden. Pünktlich zur Internationalen Funkausstellung in Berlin reden sich die Interessenvertreter in Schwung. Und wo sachliche Argumente nicht mehr reichen, da muss eben rhetorisch nachgeholfen werden. Interessant ist allerdings, dass während des Interviews nicht klar wird, in welcher Funktion Achim Berg hier spricht: Denn er redet nicht nur von HDTV, sondern auch von dem Internet-Fernsehen IPTV. Wohl nicht rein zufällig, denn Microsoft liefert unter anderem die Software für das Internet-Fernsehen von T-Home und dürfte an Umsatzsteigerungen in diesem Bereich kräftig mitverdienen.

Von wegen Revolution: Die Geräte sind “HD ready” – das Programm noch nicht

Neues Gerät, schlechtes Bild: Nach dem Kauf kommt daheim die große Ernüchterung. Quelle: andresr, STOCKXPERT

Neues Gerät, schlechtes Bild: Nach dem Kauf kommt daheim die große Ernüchterung. Quelle: andresr, STOCKXPERT

“20 Prozent der Haushalte haben heute schon Flachbildschirme, die das hochauflösende Fernsehen HDTV darstellen können”, sagt Berg in dem Interview. Selbst wenn diese Zahl stimmt, bleibt es dabei: Bis auf Weiteres müssen deutsche TV-Konsumenten auf High Definition im laufenden Programm verzichten. Aber warum ist Deutschland nicht schon längst das Paradies der hochauflösenden Glotzen, so wie es Branchenvertreter und die verärgerten Kunden fordern? Dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen, und nur teilweise sind verschlafene TV-Anstalten dafür verantwortlich.

Problem 1: Längst nicht jeder hat bereits digitales Fernsehen

Wer HD genießen will, braucht dafür ein digitales Signal – das herkömmliche, mittlerweile veraltete Analog-TV ist für den neuen Standard nicht geeignet. Nach aktuellen Zahlen ist aber erst knapp die Hälfte der deutschen Haushalte auf Digital-Fernsehen umgestiegen. Nach wie vor sehen viele Konsumenten also keinen Grund für Innovationen – obwohl der Umstieg denkbar einfach und kostengünstig ist.

Problem 2: Der Umstieg auf HD-Produktion ist teuer

Fernsehproduktionen und -ausstrahlungen in HD sind teuer und technisch aufwändig. Kein Wunder also, dass es in Deutschland noch keiner der bundesweit frei empfangbaren Sender gewagt hat, ein Dauerprogramm in HD auf die Beine zu stellen. Komplizierte neue Technik muss installiert, das Personal umgeschult werden – das alles kostet viel Zeit und Geld. Allein das ZDF hat für diesen Wandlungsprozess 100 Millionen Euro an Gebührengeldern eingeplant.

Quelle: Garry518, STOCKXPERT

Quelle: Garry518, STOCKXPERT

Problem 3: Technisches Kuddelmuddel beim Kabelempfang

Wer Kabel hat und HDTV will, guckt derzeit noch in die Röhre. Zu groß ist noch das technische Durcheinander, denn bislang konnte man sich bei den Kabelnetzbetreibern auf keine verlässliche Norm einigen. “Zu umständlich” sei der HD-Umstieg für den Kabelnutzer, sagt Verbraucherschützer Michael Gundall im Interview mit dem Digitalmagazin. Er bezeichnet das digitale Kabelfernsehen als “große Baustelle”.

Problem 4: HDTV über Antenne – leider Fehlanzeige

Zwar wird der digitale Antennenempfang (DVB-T) in Kürze deutschlandweit und flächendeckend möglich sein. Noch gibt es noch kein HD-Signal für die drahtlose Technik, für die man nur eine kostengünstige Zimmerantenne benötigt.

HDTV: Optische Täuschung oder Non Plus Ultra?

Es ist also längt nicht so einfach, wie viele Kritiker in diesen Tagen behaupten. Die öffentlich-rechtlichen Sender haben sich vorgenommen, im Jahr 2010 regulär auf HDTV umzusteigen – das ist vielen Käufern von HD-Geräten einfach zu langsam. Die privaten Sender hatten bislang auch ihre Probleme mit der neuen Technik und stellten das Programm nach einem Pilotprojekt wieder ein. Bislang senden nur der Bezahlsender Premiere, Arte und Anixe HD in der neuen hochauflösenden Qualität.

Premiere bezeichnet sich gerne als Vorreiter in Sachen HD, erntet dafür aber auch kritische Userkommentare im Internet. In einem Bericht bei heise.de wird deutlich, dass Premiere durch seine HD-Lobbyarbeit vor allem wohl die eigenen Geschäftsnöte lindern will. Zu einer regelrechten Eskalation der Diskussion kam es, als die ARD in einem Ratgeberbericht offenbar dem TV-Konsumenten empfahl, sich beim Neukauf für ein herkömmliches Röhrengerät zu entscheiden. Empört reagierte ein Technikportal auf die selbstgefällige Formulierung, die Öffentlich-Rechtlichen seien “Vorreiter” beim HDTV. Daraufhin wurde der ARD-Artikel offenkundig überarbeitet – die kritisierten Passagen jedenfalls sind nicht mehr aufzufinden. Und um dem Ganzen mehr Sachlichkeit zu verleihen, ergänzte man nachträglich noch ein Experteninterview.

Fazit: Kommt Zeit, kommt HD – hektische Rhetorik ist sinnlos

Quelle: Brian Lary, stock.xchng

Quelle: Brian Lary, stock.xchng

Eines steht für mich nach stundenlanger Recherche fest: HD ist seiner Zeit voraus – denn die Kunden und Sender sind noch nicht bereit für diese Technik. Und wer durch bloße Rhetorik die Nachfrage nach dem digitalem TV-Genuss herbeischreit, wird gegen die Windmühlen der Fernsehanstalten ohnehin nicht ankommen.

Mehr zu diesem Thema im Internet:

  • Kölner Stadt-Anzeiger – Medien – Digitales Fernsehen: Neue Geräte müssen her (28. August 2008)