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Archiv der Artikel die mit youtube getagged sind.

Das ZDF, Karl Marx und die böse Oma

Den Sounddesignern vom ZDF muss ihr Job großen Spaß machen. Anders kann ich mir nicht erklären, wieso sie für eine Folge der Doku-Reihe „Die Deutschen II“, die derzeit sonntags im ZDF läuft, auf einen Audio-Ausschnitt aus einem YouTube-Video zurückgegriffen haben.

Schauen Sie selbst:

Die Folge lief am 5. Dezember 2010 um 19.30 Uhr und befasste sich mit Karl Marx und seinem Werk „Das Kapital“. Zu einem Schwarzweiß-Film, der das Hinterhof-Treiben in einer Arbeitersiedlung um die Jahrhundertwende zeigt (Minute 36:40, Mediathek-Link), setzten die Sounddesigner unter anderem einen kurzen Ausschnitt aus dem populären YouTube-Video einer wütenden Seniorin (Link) ein.

Aus urheberrechtlicher Sicht dürfte das nicht ganz unproblematisch sein. Auf der anderen Seite beweist es, dass das ZDF ein paar kreative Köpfe mit dem Sounddesign beauftragt hat, die mit sehr viel Liebe fürs Detail vorgehen.

Peinliche Politiker bei YouTube: Erste Gehversuche im Online-Wahlkampf

Seit einigen Tagen ist die CDU mit einer eigenen Seite auf der Video-Plattform YouTube vertreten. Damit will man sich als modern präsentieren und sich auf den Online-Wahlkampf 2009 vorbereiten, wie aus einer gewohnt bescheidenen Pressemitteilung zu entnehmen ist.

Wohlan. Dass die alt eingesessenen Parteien den Schritt ins große weite Netz wagen, ist lobenswert und mutig – schließlich dürfte jeder durchschnittliche Teenager mehr Ahnung vom WWW haben als Merkel, Beck und Co. Und steckten die Online-Ambitionen der Bundestagsparteien 2005 noch in den Kinderschuhen, so hat man sich für die nächste Wahl Großes vorgenommen.

Das neueste Video: Einschlafen im Nominalstil

Ich bin gespannt und schaue mir die neue CDU-TV-Seite mal an. Im aktuellen Video geht es um die “Deutschlandtour” des Ronald Pofalla, seines Zeichens Generalsekretär der Christdemokraten (das ist der mit den schnittigen Sprüchen, der immer gerne für ein streitbares Statement in die Kamera lächelt). Zunächst sehen wir den Benz-Bus, unterlegt mit triumphaler Fanfaren-Musik aus der Werbefilm-Mottenkiste.

Ein resoluter Moderator (die CDU nennt ihn “Reporter”) trägt geordnet vor, was heute auf der Tagesordnung steht: Pofalla besucht die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Klingt nach Anwesenheitspflicht. Im anschließenden Interview mit Rainer Eppelmann, dem Vorsitzenden der Stiftung, lautet die erste Frage dieses temperamentlosen Moderators: “Was sind die hauptsächlichen Aufgabengebiete Schrägstrich Verantwortlichkeiten?” Mein lieber Markus Brauckmann, das ist eine Frage, wie sie nur ein unkreativer Öffentlichkeitsarbeiter stellen kann. Spätestens hier sind die jungen Zuschauer schon drei YouTube-Videos weiter und ziehen sich die neusten Drogen-Eskapaden von Amy Winehouse rein.

Die Antwort Eppelmanns kommt daher wie eine barsche Reaktion auf die langweilige Frage, denn der Vorsitzende sagt mit todernster Miene: “Laut Beschluss des deutschen Bundestages…” An dieser Stelle sind auch die verbliebenen fünf Prozent der Zuschauer weg – der Nominalstil ist zum Einschlafen.

Ein “Signal”, das in Gefälligkeitsfragen untergeht

Der Interviewer lässt den Vorsitzenden ungestraft seinen Sermon abspulen – Cut. Dann geht die Tortur noch weiter: Was macht diesen Besuch so unsagbar spannend? Gelangweilte Blicke vom Generalsekretär und vom CDU-Mann Friedbert Pflüger, als Eppelmann lediglich von einem “Signal” spricht. Das sagen wichtige Repräsentanten immer dann, wenn es nichts zu sagen gibt.

Kein Elan, zu viel sprachliche Präzision, ein gemächlich-sanfter Redefluss. Der Moderator scheint nicht glücklich zu sein mit seinem undankbaren Job. Die mit nachdenklicher Musik unterlegten Nichtigkeiten, die der Sprecher hier vorträgt, enthalten ebenfalls nichts Außergewöhnliches. Natürlich geht es um ein ernstes Thema, aber Interesse dafür erregt der Film überhaupt nicht. Manchmal hat man Sorge, dass der Ton plötzlich absäuft und der Film stehen bleibt. Im Interview mit dem Spitzenpolitiker gibt es dann erwartungsgemäß nur Gefälligkeitsfragen. Was soll der Reporter auch machen, er wird ja sonst gefeuert. Keine Angriffspunkte, keine Pfiffigkeit, nicht mal flotte Formulierungen.

Fazit: PR-Arbeit mit Fremdschäm-Faktor

Dieses Video sagt leider nur aus, dass die CDU eine ziemlich langweilige Partei sein muss. Gar kein Video wäre für die CDU also besser als dieses Video, denn hier hat die PR-Abteilung nur mühsam ihre fast siebenminütige Plicht getan – mehr nicht. Und um Aktualität bemüht man sich erst gar nicht: Für heute Abend war ein Video aus Kassel angekündigt, das aber leider zur Stunde noch unauffindbar ist. Von einer “Internet-Partei” (siehe Pressemitteilung) ist die CDU noch Lichtjahre entfernt.

Keine Sorge, Pofalla: Der Kollege von den Sozis kann’s auch nicht besser

Doch die CDU kann aufatmen: Denn die Konkurrenz macht es keinen Deut besser. Jüngstes Beispiel für die peinliche Polit-Profilierung im Web 2.0 ist SPD-Generalsekretär Hubertus Heil, der sich aktuell im Twitter-Netzwerk den Spöttern preisgibt (siehe Screenshot). Er ist auf Amerika-Reise und textet ganz wirres Zeug. Natürlich gibt es keinen Nachrichtenwert, und da das Image der SPD ja ohnehin bereits hoffnungslos ramponiert ist, kann der werte Generalsekretär weiter in die Heimat twittern. Da sieht man’s mal wieder: Nicht immer führt es zu verbalem Qualitätsgewinn, wenn sich Bundespolitiker ungefiltert und ohne Absprache mit ihren PR-Beratern öffentlich äußern.

Online-Wahlkampf in den USA: Die PR-Profis machen vor, wie’s geht

Jetzt, da Heil sich gerade an Ort und Stelle befindet, könnte er sich einiges in Sachen Online-Wahlkampf von seinen US-Kollegen abgucken. Die sind nämlich wahre Internet-Profis: Ob YouTube-Seite, MySpace oder Kampagnen-Homepage (siehe Screenshot) – der demokratische Präsidentschaftsbewerber Barack Obama wirkt auch digital durch und durch kompetent. Auch John McCain, sein republikanischer Kontrahent, macht bei MySpace und YouTube einiges her.

Hier zeigt sich: Wer sich als Spitzenpolitiker voll und ganz dem neuen Massenmedium Internet stellt, geht hohe Risiken ein, kann aber auch viel Aufmerksamkeit und Wählernähe erzeugen. Bisher scheinen die deutschen Politiker noch nicht für diese Mutprobe bereit zu sein – aber die ersten stolpernden Gehversuche sind ein Indiz dafür, dass es nur besser werden kann.

Mehr zu diesem Thema im Internet:

  • Horizont.net – CDU startet eigenen Videokanal bei Youtube (25. August 2008)
  • turi2.de – CDU setzt im Wahlkampf auf Bewegtbild-Propaganda im Netz (25. August 2008)
  • politik-digital.de – Hamburg-Wahlkampf im Netz (21. Februar 2008)
  • heise online – Kleckern und Klotzen im Online-Wahlkampf (2. August 2005)
  • Bundeskanzlerin – Video-Podcast
  • Jizzo John: Die deutsche Kartoffel aus Münsters Süden

    Wer springt mit weit aufgerissenen Augen durch Münsters Süden, spuckt große Töne und rappt gestenreich dazu? Richtig: Es kann nur Jizzo John sein. Jizzo heißt in Wirklichkeit Johannes Jötten. Vor einigen Jahren hat er mit dem Hip-Hop angefangen und nicht mehr aufgehört. Einige freut das – andere weniger.
    Fest steht: Der Junge hat Durchhaltewillen und Spaß dabei. Seine erste Single war der Partysong “Dreht ab”, die es aber leider nicht ganz bis in die Charts geschafft hat. Innovativ ist aber zumindest das Video – Jizzo und Homies gehen im Klamottenladen steil.

    Jizzos Repertoire ist mindestens so groß wie sein Münsteraner Freundeskreis, der sein Idol stets tatkräftig unterstützt. Sein Kollege Farhang Razavi hat Songs produziert, die ich mir bereits nachts im Zug anhören musste, wenn irgendwelche Kinder mal wieder ihr Handy als Ghettoblaster missbrauchten. Für so viel lokale Bekanntheit: Respect, “F-Raz“.
    Im folgenden Video rappt Jizzo zu Ehren des StudiVZ und erklärt seinen Hip-Hop-Stil.

    Aber Jizzo ist ja nicht nur ein Party-Rapper – oh nein. Er hatte eine schwere Vergangenheit, die er sich allerdings selbst eingebrockt hat. Auch ist er sehr spontan – für seine Homies hat er sich sogar im zarten Alter von 18 Jahren verheiraten lassen, um einer von der Abschiebung Bedrohten ein Leben in Deutschland zu ermöglichen. Nach eigenen Angaben ist seine kriminelle Karriere jetzt endgültig beendet. Seine Knarre hat er weggelegt und stattdessen das Mic in die Hand genommen, um uns zu erzählen, wer er wirklich ist: Eine deutsche Kartoffel mit westfälischen Wurzeln.