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Von der Kunst Elite zu sein

Erschienen in der Main-Post, 03.04.2010:

Hotel Rebstock in Würzburg, Silvaner-Saal, 19.20 Uhr: Thomas Bormann ist erst wenige Minuten im Raum, da hat er bereits die Regie übernommen. Alle Augen richten sich auf den Ehrengast. Er wird über Werte sprechen, so steht es im Programm. Dazu wird es “Feldsalat mit gebratener Blutwurst und Riesengarnelen an Petersilienwurzelkrem” geben, so steht es im Menü.

Thomas Bormann, 65, ist Geschäftsführer der Würzburger Unternehmensberatung “bhs consulting”. Bormann ist groß, trägt Brille, Krawatte und Anzug, hat einen zielstrebigen, scharfen Blick. Er ist Leistungsträger, und heute kann er aus dem Vollen schöpfen, soll erklären wie das geht mit der Verantwortung im Geschäftsleben. Seine Zuhörer sind die Führungskräfte von morgen, 18 bis 20 Jahre alt, acht Auserwählte. Bormann steht vor ihnen, sie reichen ihm die Hand zur Begrüßung, weichen noch etwas schüchtern zurück. Julia und Lisa erröten leicht. Aber diese Nervosität soll sich bald legen. Man ist ja unter sich.

Orientierung für Überflieger

Hier trifft sich die “Elite”, und so stellt sich der Verein das auch vor. Vier Damen und vier Herren, alle Jahrgangsbeste an ihren Schulen, wurden von den Rektoren einzeln ausgewählt und durften sich schriftlich bewerben für den Sonderförderverein “Jugend Aktiv – Förderkreis Franken”. Finanziert wird der gemeinnützige Verein von Spendern und Sponsoren aus der Wirtschaft.

Sara Berberich, 18 Jahre alt, ist Mitglied im Verein. Sie besucht das Wirsberg-Gymnasium in Würzburg und bereitet sich momentan auf das Abitur vor. Spitzennoten und ehrenamtliches Engagement haben ihr die Teilnahme am Förderungsprogramm von “Jugend Aktiv” eingebracht. Sie engagiert sich beim Africa Festival, Cello und Klavier gehören zu ihren Hobbys. “Ich glaube, man sollte vielseitig aufgestellt sein, um in den Verein zu kommen”, sagt sie.

Eine persönliche Stärken- und Schwächeanalyse und ein Rhetorikseminar hat Sara bereits durchlaufen. Sie steht wie viele Hochbegabte vor dem Problem, dass ihr alle Wege offen stehen. “Erst habe ich an Psychologie gedacht. Ich habe mich aber jetzt für ein Medizinstudium entschieden, weil ich einen naturwissenschaftlichen Schwerpunkt habe. Ich kann später immer noch auf Psychologie umschwenken.”

Intelligent mögen sie alle sein, eloquent und bürgerlich engagiert sowieso – aber um Elite zu sein, braucht man auch Manieren. Wer in die Chefetage will, muss sich zu Tisch benehmen können. Daher die Garnelen, daher die Nervosität, daher die ganze Festlichkeit. Knigge-Coach Frank Wissmann, 26, gibt den Musterschülern heute Nachhilfe in Sachen Tischmanieren. “Das Seminarprogramm für die Manager von morgen”, hat ein Sponsor ins Begleitheft geschrieben. Und damit es nicht nur nach steifer Etikette aussieht und man dem Bildungsauftrag des Vereins nachkommt, ist Unternehmer Bormann zum Wertegespräch geladen. Die Gesellschaft schreitet zur Tafel.

Im Kerzenschein stehen fünf unterschiedliche Gläser an jedem Platz, drei Gabeln, drei Messer, zwei Löffel. Eine Blumenverzierung prangt in der Mitte des Tisches, dort nimmt Bormann Platz und hebt an. “Mein Lebensweg gestaltete sich so, wie es ein amerikanischer Manager einmal sagte: Ich habe alle sieben, acht Jahre etwas Neues gemacht.” Bormann blickt in die Runde. Respektvolles Schweigen, die Schüler schauen wie im Unterricht. Einer von ihnen macht sich eifrig Notizen.

“Ich habe schon Leute im Fahrstuhl akquiriert.”

Er habe immer mit Personal zu tun gehabt, erklärt der Diplom-Volkswirt, “und das heißt lenken, führen, leiten.” Erst war er bei der Gesellschaft für Konsumforschung in Nürnberg, später dann bei Alpina, “da habe ich eine Optikdivision aufgebaut.” Die Kellnerin bringt den Aperitif. Immer sei es darum gegangen, mit Menschen in Kontakt zu kommen: “Ich habe schon Leute im Fahrstuhl akquiriert”, erzählt Bormann. Die Kellnerin serviert Brothäppchen und Butter. “Also, man darf kein Autist sein.” Die künftigen Führungskräfte lauschen, denn der Erfolg gibt dem Ehrengast recht: Bormann berät sonst nur namhafte Firmen. Zeit für den ersten Gang.

“Ich denke mal”, setzt Bormann im ruhigen Ton der Selbstverständlichkeit fort, “Sie alle streben internationale Positionen an.” Das Personal serviert die Garnelen. “Es geht in solchen Positionen um Vorbildhaftigkeit”, sagt er, hebt die Stimme und wird jetzt ernst. “Man muss Werte leben, wenn man führen will.”

Diese Kunstpause nutzt Knigge-Coach Wissmann, um einzuwerfen: “Wir legen die Menükarte links neben den Teller und jetzt tunken wir unsere Hände etwas in die Fingerbowle – die Garnelen müssen ja geschält werden.” Dabei lächelt er in die Runde wie ein gutmütiger Lehrer vor der Klassenarbeit. “Ihr schafft das schon”, sagt sein Blick. Ins kalte Wasser springen, das müssen künftige Führungskräfte vertragen.

Unsicher greifen die Jugendlichen ins Zitronenwasser und beginnen, die Meerestiere zu enthäuten. Das ist glitschig, fettig, mühsam und ungewohnt. Coach Wissmann demonstriert die richtigen Handgriffe. Langsam weicht die Zögerlichkeit.

“Wir waren beim Thema Führung stehen geblieben”, sagt Bormann. “Führung heißt Vorbild sein, in jeglicher Hinsicht.” Mahnend klingt seine Stimme, und die Botschaft ist klar: “Wenn der Chef sagt, die Mitarbeiter sollen um 8 Uhr da sein, und der Chef trudelt um 9.30 Uhr ein, dann ist das nicht so gut.” Der Weg zur Spitze sei anstrengend, aber stetig: “Machen Sie sich mit der Führung keine Gedanken, da kommen Sie ganz automatisch rein.” Bormann widmet sich dem Essen.

“Wir führen die Gabel von außen nach innen”, erinnert Frank Wissmann, der zu seiner Linken sitzt. Konzentriertes Schweigen in der Runde, skeptisches Tasten auf den Tellern. Weil die Schüler mit ihrem Besteck beschäftigt sind, geht der Etikette-Coach zum Grundsätzlichen über: “Der Teller sollte immer leer gegessen werden.” Es mache keinen guten Eindruck, etwas übrig zu lassen. Und wegwerfen wolle ja niemand etwas, auch aus ethischen Gründen: “Ich bin trotz der Etikette der Meinung, dass man an die ärmeren Menschen auf diesem Planeten denken sollte.” Ein Rest auf dem Teller, “das ist dekadent”, unterstreicht Thomas Bormann.

Konzept für “höhere Kreise”

Die Gabeln klappern, die Teilnehmer sitzen aufrecht und schauen auf ihren Teller. Garnele um Garnele wird gehäutet, der Anlass will es so. “Knigge ist seit einigen Jahren wieder im Trend”, hatte der Coach am Nachmittag erläutert. Viele Spitzenunternehmen seien dazu übergegangen, frische Bewerber zuerst am Essenstisch zu testen. Da komme es auf Souveränität, Gelassenheit und Fingerspitzengefühl an, sagt Wissmann. Wer den Knigge-Kodex nicht kennt, scheitert schon am Anfang.

“Ich habe jetzt ein Konzept, wie ich mich in höheren Kreisen verhalten sollte”, versucht Teilnehmerin Sara ein Fazit. Zwar will sie nicht in der Wirtschaft arbeiten. Aber sollte sich die angehende Medizinerin mal auf eine Stelle als Chefärztin bewerben, kann sie beim Bewerbungsessen den Autoritäten das Wasser reichen.

Das Training jedenfalls zeigt Wirkung: Noch bevor Unternehmer Bormann auf die richtige Verhandlungsstrategie bei Einstiegsgehältern zu sprechen kommt, haben alle acht Knigge-Kandidaten ihre Teller leer gegessen. Die Unsicherheit in den Gesichtern ist einem Ausdruck der Zufriedenheit gewichen. Elite sein ist nicht einfach, aber machbar. Zeit für die nächsten drei Gänge.

Medien-Ticker: Premiere verliert Kunden und macht Verluste

Quelle: Premiere

Quelle: Premiere

Der Pay-TV-Sender Premiere hat nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr einen Verlust von rund 269 Millionen Euro eingefahren. Das gab das Unternehmen heute in einer Pressemitteilung bekannt. Demnach haben sich die Verluste des Konzerns gegenüber dem Vorjahr mehr als verfünffacht.

Der Grund für den schlechten Jahresabschluss seien sinkende Abonnenten-Zahlen, die nach wie vor ausgeprägte Piraterie sowie eine Umstrukturierung der Senderfinanzierung, heißt es in der Mitteilung. Man habe erst spät im Jahr 2008 eine technische Lösung für das Piraterie-Problem gefunden – nach eigenen Angaben schätzt Premiere, dass bis zu eine Millionen Menschen den Pay-TV-Sender empfangen, ohne dafür zu zahlen.

Das börsennotierte Unternehmen, dessen Umsatz 2008 über eine Milliarde Euro betrug, rechnet erst ab 2011 wieder mit Gewinnen. Premiere verfügt über knapp 2,4 Millionen zahlende Kunden und gehört zu 29 Prozent dem Medienmogul Rubert Murdoch. Für die zweite Jahreshälfte in 2009 rechne man wieder mit Kundenzuwächsen, teilte das Unternehmen mit.

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Online-Werbemarkt: Allianz gegen Google? Die Zeitungsverlage formieren sich

Quelle: Vince Smith, flickr.com

Quelle: Vince Smith, flickr.com

Google will künftig mit Yahoo! auf dem Online-Werbemarkt intensiv kooperieren – zumindest in Übersee. Das macht nicht nur Politikern und Wettbewerbshütern zunehmend Sorge, sondern neuerdings auch Zeitungsverlegern. Am Montag bezog die World Association of Newspapers (WAN) offiziell Stellung gegen das Kooperationsvorhaben der beiden Werbe-Giganten (siehe Pressemitteilung).

Google könnte für die Zeitungen zum Problem werden

Wo sieht die WAN das Problem? Ganz einfach: Sie fürchtet ein faktisches Werbe-Monopol seitens Google, denn der Deal mit der Konkurrenz dürfte langfristig vor allem dem unangefochtenen Marktführer nutzen. Als Konsequenz der Kooperation dürfte nämlich das Volumen und damit die Attraktivität der Yahoo!-eigenen Werbung sinken, die nach wie vor bestehen bleiben soll. Kein Wunder, dass der Yahoo!-Aktienkurs nach Bekanntwerden der Zusammenarbeit deutlich absackte.

AdSense-Anzeigen auf der Homepage der Washington Post: Google-Werbung ist hochprofitabel für die Verlage - bleibt sie das auch?

AdSense-Anzeigen auf der Homepage der Washington Post: Google-Werbung ist hochprofitabel für die Verlage - aber bleibt sie das auch?

Weniger Konkurrenz bedeutet mehr Macht für Google, und diese Macht könnte der Konzern auf dem Anzeigenmarkt dafür nutzen, die Preise beliebig zu diktieren. Für viele Online-Ausgaben von Zeitungen liefern kontext-basierte Werbeanzeigen (wie z.B. Googles AdSense) bereits heute einen Großteil der Einnahmen. Hier befürchtet die WAN, Google könne die Auszahlungen an die Verlage verringern – und für die Verlage gäbe es im Monopolfall keine Alternative zum Google-Werbeprogramm.

Die Zeitungen könnten für Google zum Problem werden

Richtig interessant wird die Debatte aber erst durch den Hinweis der WAN auf ihr neues Rechteprotokoll ACAP, wie intern.de in einem Artikel vermutet. Demnach könnten die Verlage der Suchmaschine ihre Online-Inhalte einfach verweigern, sollte ihnen Googles Machtstellung auf dem Werbemarkt zu unheimlich werden. Dann dürfte Google ein Problem haben – denn in der WAN sind weltweit nicht weniger als 18.000 Zeitungen organisiert. Und eines kann Google gar nicht gebrauchen: Schlechte Suchergebnisse.

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Streit um HDTV eskaliert: BITKOM spricht von “Körperverletzung”

Quelle: EICTA.org

Quelle: EICTA.org

Das sei “fast schon Körperverletzung”, sagt Achim Berg im Bild-Interview – gemeint ist das analoge Fernsehsignal. Berg ist Vizepräsident des Verbandes BITKOM und hauptberuflich Geschäftsführer von Microsoft Deutschland. Er kann nicht begreifen, warum die Deutschen so zögerlich auf den neuen Standard “High Definition” (HD) reagieren, der den TV-Zuschauern doch exzellente Bildqualität bietet.

Im Ringen um die Etablierung dieses neuen Sendestandards wird der Ton rauer: Denn auch drei Jahre nach der Markteinführung gibt es kaum TV-Programme, die in HD-Qualität ausgestrahlt werden. Pünktlich zur Internationalen Funkausstellung in Berlin reden sich die Interessenvertreter in Schwung. Und wo sachliche Argumente nicht mehr reichen, da muss eben rhetorisch nachgeholfen werden. Interessant ist allerdings, dass während des Interviews nicht klar wird, in welcher Funktion Achim Berg hier spricht: Denn er redet nicht nur von HDTV, sondern auch von dem Internet-Fernsehen IPTV. Wohl nicht rein zufällig, denn Microsoft liefert unter anderem die Software für das Internet-Fernsehen von T-Home und dürfte an Umsatzsteigerungen in diesem Bereich kräftig mitverdienen.

Von wegen Revolution: Die Geräte sind “HD ready” – das Programm noch nicht

Neues Gerät, schlechtes Bild: Nach dem Kauf kommt daheim die große Ernüchterung. Quelle: andresr, STOCKXPERT

Neues Gerät, schlechtes Bild: Nach dem Kauf kommt daheim die große Ernüchterung. Quelle: andresr, STOCKXPERT

“20 Prozent der Haushalte haben heute schon Flachbildschirme, die das hochauflösende Fernsehen HDTV darstellen können”, sagt Berg in dem Interview. Selbst wenn diese Zahl stimmt, bleibt es dabei: Bis auf Weiteres müssen deutsche TV-Konsumenten auf High Definition im laufenden Programm verzichten. Aber warum ist Deutschland nicht schon längst das Paradies der hochauflösenden Glotzen, so wie es Branchenvertreter und die verärgerten Kunden fordern? Dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen, und nur teilweise sind verschlafene TV-Anstalten dafür verantwortlich.

Problem 1: Längst nicht jeder hat bereits digitales Fernsehen

Wer HD genießen will, braucht dafür ein digitales Signal – das herkömmliche, mittlerweile veraltete Analog-TV ist für den neuen Standard nicht geeignet. Nach aktuellen Zahlen ist aber erst knapp die Hälfte der deutschen Haushalte auf Digital-Fernsehen umgestiegen. Nach wie vor sehen viele Konsumenten also keinen Grund für Innovationen – obwohl der Umstieg denkbar einfach und kostengünstig ist.

Problem 2: Der Umstieg auf HD-Produktion ist teuer

Fernsehproduktionen und -ausstrahlungen in HD sind teuer und technisch aufwändig. Kein Wunder also, dass es in Deutschland noch keiner der bundesweit frei empfangbaren Sender gewagt hat, ein Dauerprogramm in HD auf die Beine zu stellen. Komplizierte neue Technik muss installiert, das Personal umgeschult werden – das alles kostet viel Zeit und Geld. Allein das ZDF hat für diesen Wandlungsprozess 100 Millionen Euro an Gebührengeldern eingeplant.

Quelle: Garry518, STOCKXPERT

Quelle: Garry518, STOCKXPERT

Problem 3: Technisches Kuddelmuddel beim Kabelempfang

Wer Kabel hat und HDTV will, guckt derzeit noch in die Röhre. Zu groß ist noch das technische Durcheinander, denn bislang konnte man sich bei den Kabelnetzbetreibern auf keine verlässliche Norm einigen. “Zu umständlich” sei der HD-Umstieg für den Kabelnutzer, sagt Verbraucherschützer Michael Gundall im Interview mit dem Digitalmagazin. Er bezeichnet das digitale Kabelfernsehen als “große Baustelle”.

Problem 4: HDTV über Antenne – leider Fehlanzeige

Zwar wird der digitale Antennenempfang (DVB-T) in Kürze deutschlandweit und flächendeckend möglich sein. Noch gibt es noch kein HD-Signal für die drahtlose Technik, für die man nur eine kostengünstige Zimmerantenne benötigt.

HDTV: Optische Täuschung oder Non Plus Ultra?

Es ist also längt nicht so einfach, wie viele Kritiker in diesen Tagen behaupten. Die öffentlich-rechtlichen Sender haben sich vorgenommen, im Jahr 2010 regulär auf HDTV umzusteigen – das ist vielen Käufern von HD-Geräten einfach zu langsam. Die privaten Sender hatten bislang auch ihre Probleme mit der neuen Technik und stellten das Programm nach einem Pilotprojekt wieder ein. Bislang senden nur der Bezahlsender Premiere, Arte und Anixe HD in der neuen hochauflösenden Qualität.

Premiere bezeichnet sich gerne als Vorreiter in Sachen HD, erntet dafür aber auch kritische Userkommentare im Internet. In einem Bericht bei heise.de wird deutlich, dass Premiere durch seine HD-Lobbyarbeit vor allem wohl die eigenen Geschäftsnöte lindern will. Zu einer regelrechten Eskalation der Diskussion kam es, als die ARD in einem Ratgeberbericht offenbar dem TV-Konsumenten empfahl, sich beim Neukauf für ein herkömmliches Röhrengerät zu entscheiden. Empört reagierte ein Technikportal auf die selbstgefällige Formulierung, die Öffentlich-Rechtlichen seien “Vorreiter” beim HDTV. Daraufhin wurde der ARD-Artikel offenkundig überarbeitet – die kritisierten Passagen jedenfalls sind nicht mehr aufzufinden. Und um dem Ganzen mehr Sachlichkeit zu verleihen, ergänzte man nachträglich noch ein Experteninterview.

Fazit: Kommt Zeit, kommt HD – hektische Rhetorik ist sinnlos

Quelle: Brian Lary, stock.xchng

Quelle: Brian Lary, stock.xchng

Eines steht für mich nach stundenlanger Recherche fest: HD ist seiner Zeit voraus – denn die Kunden und Sender sind noch nicht bereit für diese Technik. Und wer durch bloße Rhetorik die Nachfrage nach dem digitalem TV-Genuss herbeischreit, wird gegen die Windmühlen der Fernsehanstalten ohnehin nicht ankommen.

Mehr zu diesem Thema im Internet:

  • Kölner Stadt-Anzeiger – Medien – Digitales Fernsehen: Neue Geräte müssen her (28. August 2008)
  • Crossmedia: Burda-Verlag will Bratpfannen verticken

    “Change or die.” Wer am neuen Medienmarkt überleben will, muss seine Marketingkonzepte drastisch ändern – soweit die Theorie. Doch was Burda-Vorstand Christiane zu Salm gestern in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vorgeschlagen hat, klingt richtig innovativ: Die Verlage sollen künftig kein bedrucktes Papier mehr verkaufen, sondern Bratpfannen. Und außerdem sollen sie noch Werbespots drehen.

    Im Labor zischt und brodelt es

    Die Frau hat sich etwas vorgenommen. Nur was, das weiß sie wohl noch nicht so genau, oder sie will es nicht verraten. Als neuer “Vorstand Crossmedia” des Burda-Verlags zu München muss sie experimentieren. Seit vielen Jahren basteln die Verlage in ihren Entwicklungslaboren an einem Ausweg aus der Zeitungsflaute, hin zu neuen, lukrativen Ufern im Internet. Holtzbrinck hat’s probiert mit dem StudiVZ-Aufkauf und dem hippen Nachrichtenportal zoomer. “Wir entwickeln gerade für einen Markenartikler eine neue Community”, sagt zu Salm geheimnisvoll.

    “Vorstand Crossmedia” hört sich nach jemandem an, der aus dem Journalismus kommt oder zumindest mal damit zu tun hatte. Zu diesen Personen gehört die Neue aber nicht. Sie studierte BWL und machte sich als MTV-Geschäftsführerin einen Namen. Dann machte sie aus einem Frauensender die Quizhölle 9Live – das Blatt nennt die Abzockmaschinerie einen “einträglichen Anrufsender”. Eins steht fest: Frau zu Salm ist clever und kann mit Geld umgehen.

    Verlage als Versandhändler – Journalismus adé

    Aber kann sie auch mit Verlagen umgehen? “Journalistisch gestaltete Inhalte sind sehr schwer zu refinanzieren”, sagt sie und meint damit das Internet. Online-Journalismus allein ist nicht lukrativ, weil keiner dafür Geld hergeben will. Und deshalb will sie künftig “Commerce, Inhalt und Monetarisierung zusammenbringen”. Soll heißen: Der Verlag soll in erster Linie nicht Journalismus, sondern Anzeigen und alles Mögliche verkaufen – Beispiel: “Wer dann auf die Homepage von ‘Elle klickt, kann vielleicht eine Designertasche kaufen.” Und wer auf der Homepage eines Burda-Haushaltsblättchens surft, bekommt schwups ‘ne Bratpfanne angedreht.

    So einfach ist das: Christiane zu Salm will “den Leser zum Kunden” machen. Das Burda-Produkt wird quasi Neckermann, Otto, MediaMarkt und Frauenzeitschrift in Einem, und das alles hocheffizient sowie crossmedial.

    Zukunft der Verlage: Werbung über alles – Hautpsache kosumorientiert

    Denn was Crossmedia angeht, so soll die Kraft des Unternehmens künftig in der Werbeproduktion gebündelt werden: Der Verlag soll Print-Anzeigen und Online-Werbespots selbst bereitstellen, sagt Frau Crossmedia. Aufgabe des Medienerzeugnisses hinsichtlich eines beworbenen Produktes soll es sein, “Sehnsucht zu erzeugen, den Konsumenten für das Produkt einzunehmen”.

    Eins steht fest: Ich werde nicht ins Internet gehen, weil man mir auf dem Papier ein tolles Video verspricht. Mich überkommt eher ein schauriges Gefühl bei dem Gedanken, dass Redaktion, Vertrieb und Anzeigen künftig ein Bereich werden sollen. Denn ändert der Konsument (ehemals Leser) seine Vorlieben, muss ich als Journalist plötzlich nicht mehr über Politik und Kultur, sondern über Bratpfannen und Handtaschen texten.

    Mehr zu diesem Thema im Internet:

  • FTD.de – Serie: Die Zukunft der Zeitung
  • taz.de – Dossier: Die Zeitung der Zukunft
  • Kommerz 2.0: Bloggen im Auftrag der Wirtschaft

    Seit Januar 2007 bietet das Schweizer Marketingunternehmen “trigami” Internet-Bloggern einen Nebenverdienst an: Für Produktrezensionen auf ihren Internetseiten bekommen die Webautoren bares Geld. Während die einen eine schleichende Kommerzialisierung der Blogger-Szene befürchten, freuen sich andere Hobby-Autoren über ein kleines Zubrot – und die so beworbenen Konzerne frohlocken. Weiterlesen ‘Kommerz 2.0: Bloggen im Auftrag der Wirtschaft’ »