Die Highlights des morgigen TV-Programms häufen sich zu später Stunde. Dokus, Kultur und ein Film-Klassiker – für jede Couch-Potatoe ist etwas dabei.
7.00 Uhr, arte: “Zapping International: Ghana”
Was gucken eigentlich die Leute in fremden Ländern im TV? arte lüftet das Geheimnis und richtet seinen Blick heute nach Ghana.
19.20 Uhr, 3sat: “Kulturzeit”
Die tägliche Ladung Feuilleton aus der Röhre.
20.15 Uhr, Kabel 1: “Sonnenallee”
Der Kult-Ossi-Film schlechthin: Ein Jugendlicher schildert seine bewegte Jugend in Ostberlin unter sozialistischer Herrschaft.
21.00 Uhr, NDR: “Menschen und Schlagzeilen”
Das Magazin schaut genauer hin, wenn etwas Aufsehen erregt, und porträtiert die Menschen hinter den Geschichten.
21.15 Uhr, BR: “Kontrovers – Das Politikmagazin”
Heute geht es unter anderem um Politiker, die mit der Feuerwehr in den Urlaub fahren. Skandal!
22.15, RTL: “stern TV”
Straßenkinder zum Zweiten: Stern TV schaut unter anderem nach, wie es einem (ehemaligen?) Straßenkind heute geht.
22.30 Uhr, WDR: “Menschen hautnah: Muttersöhne”
Tagestipp: Der WDR zeigt Menschen, die irgendwo zwischen Pubertät und Erwachsenen-Leben stehen geblieben sind und weiterhin daheim bei Mami wohnen – auch wenn deren Lebenszeit sich dem Ende zuneigt.
23.00 Uhr, NDR: “Zapp”
Das führende Medienmagazin im deutschen Fernsehen wirft heute unter anderem einen kritischen Blick auf die Berichterstattung über Dieter Althaus und klärt auf über gezügelte Meinungsäußerungsfreiheit in deutschen Fußballstadien.
23.15 Uhr, 3sat: “1-2-3 Istanbul”
Reality-Roadmovie über die aberwitzige Tour der Münsteraner Rockband “H-Blockx” quer durch Osteuropa. Erste von insgesamt vier Folgen.
3.00 Uhr, arte: “Briefe an Ahmadinedschad, iranischer Präsident”
Das Meinungsspektrum der iranischen Bevölkerung über ihren international umstrittenen Machthaber ist breiter, als von vielen unterstellt. arte geht der Propaganda des Establishments nach.
Der Pay-TV-Sender Premiere hat nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr einen Verlust von rund 269 Millionen Euro eingefahren. Das gab das Unternehmen heute in einer Pressemitteilung bekannt. Demnach haben sich die Verluste des Konzerns gegenüber dem Vorjahr mehr als verfünffacht.
Der Grund für den schlechten Jahresabschluss seien sinkende Abonnenten-Zahlen, die nach wie vor ausgeprägte Piraterie sowie eine Umstrukturierung der Senderfinanzierung, heißt es in der Mitteilung. Man habe erst spät im Jahr 2008 eine technische Lösung für das Piraterie-Problem gefunden – nach eigenen Angaben schätzt Premiere, dass bis zu eine Millionen Menschen den Pay-TV-Sender empfangen, ohne dafür zu zahlen.
Das börsennotierte Unternehmen, dessen Umsatz 2008 über eine Milliarde Euro betrug, rechnet erst ab 2011 wieder mit Gewinnen. Premiere verfügt über knapp 2,4 Millionen zahlende Kunden und gehört zu 29 Prozent dem Medienmogul Rubert Murdoch. Für die zweite Jahreshälfte in 2009 rechne man wieder mit Kundenzuwächsen, teilte das Unternehmen mit.
So genannte Fernsehkritiker ziehen viel zu ausführlich über den täglichen TV-Abfall her, der so viele Worte eigentlich doch gar nicht wert ist. Stattdessen lautet die Frage: Wofür lohnt es sich überhaupt noch, die Glotze einzuschalten? Eine mögliche Antwort darauf geben meine TV-Tipps für Dienstag, den 17. Februar.
10.30 Uhr, arte: “Liebesgrüße nach Moskau – Radio Freies Europa und der Kalte Krieg”
Dass der Rundfunk als Waffe benutzt werden kann, stellte nicht nur Joseph Göbbels richtig fest. Auch im späteren Verlauf der Geschichte diente das Radio als Instrument politischer und ideologischer Kämpfe.
12.30 Uhr, 3sat: “Europamagazin” Die Sendung wirft unter anderem einen Blick in den Kosovo, nach Italien und in die dunkle Vergangenheit Osteuropas.
19.20 Uhr, 3sat: “Kulturzeit”
Eines der wenigen Kultur-Magazine, die erfrischend bodenständig und trotzdem anspruchsvoll sind.
Ab 21.00 Uhr, arte: Themenabend “Schmerz”
Menschen hautnah vor der Kamera – Einblicke in Situtionen und Lebensabschnitte, die an die Substanz gehen.
21.50 Uhr, ARD: “Plusminus”
Im guten alten Verbrauchermagazin geht es heute unter anderem um Gemüse, das als frisch verkauft wird – aber in Wirklichkeit handelt es sich um Gammelware.
22.15 Uhr, RTL II: “Schicksalsreportage: Zwei Mädchen in einem Körper”
Von einer Sendung mit solch einem Titel erwartet man nur eines: Sensationsjournalismus der untersten Schublade. Dass das Vorurteil gerechtfertigt ist, darf RTL II in dieser Dienstagnacht beweisen.
22.15 Uhr, VOX: “Stern-TV-Reportage: Tausche Brust gegen Bart! Transsexuelle”
Auch dies ist angekündigt wie eine Nummer im menschlichen Skurrilitäts-Zirkus. Interessant ist aber der qualitative Vergleich mit dem konkurrierenden Boulevard-Magazin Spiegel TV im Folgenden.
22.45 Uhr, ProSieben: “comedystreet”
Hochgradig albern und teilweise sinnfrei. Das sollte aber niemanden daran hindern, ab und zu über Simon Gosejohanns Reality-Sketche zu schmunzeln.
Mein Schreibstil dürfte euch befremden. Er ist ja jetzt auch fruchtig, frisch, jugendlich. Frische Presse braucht frischen Stil. Hier arbeite ich in der Redaktion eines Periodikums, das eine erstaunliche Tradition hat. Weil mir eine Teilnahme am normalen Programm zu unspektakulär und passiv war, bin ich jetzt Teil eines Team von ambitionierten Ehrenamt-Redakteuren. Darunter Politik- und Publizistik-Studenten. Das ZDF lässt uns alle erdenkllichen Freiräume, sodass sich dieses Medium wirklich unabhängig nennen darf.
Danksagung
Einziges Manko: Die reguläre Unterbringung ist katastrophal. An dieser Stelle möchte ich einem Dortmunder Journalistik-Studentenpärchen danken, das mir auf sehr freundliche Art und Weise Asyl gewährt hat. Ansonsten hätte ich nämlich in einer kalten Turnhalle auf einer millimeterdünnen Isomatte in einem überaus schlecht gefütterten Schlafsack übernachten müssen. Und wieder einmal zeigt sich: Das Dortmunder Journalisten-Netzwerk funktioniert. Freunde in der Not finden sich über den Institutsverteiler. Vielen Dank – ich habe sehr gut auf eurer Couch geschlafen und freue mich schon auf zwei weitere geruhsame Nächte.
P.S.: Meine überaus freundliche Sitznachbarin sowie Redaktionskollegin Susanne möchte an dieser Stelle gegrüßt werden. Gerne komme ich dieser Bitte nach. Liebe Susi, ich grüße dich und danke dir für abwechslungsreiche Kurzkonversationen während der gefürchteten Mittagsdurchhänger!
TV-Kritiker Holger Kreymeier teilt das Fernsehprogramm gerne in gut und schlecht ein. Daily Soaps, so befindet er in der Vorschau auf die kommende Folge von “Fernsehkritik.TV“, sind eindeutig schlecht, weil qualitativ billig. Der Gebührenzahler jedoch kommt nicht billig davon, denn auch die Öffentlich-Rechtlichen bringen die täglichen Seifenopern. Ein Aufruf zur Rebellion:
Fernseh-Komödiant Oliver Pocher erhält die diesjährige Trophäe des “Watchdog” – allerdings nicht, weil er besonders gut aufgepasst, sondern weil er sich während einer Fanfeier mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft vorbildlich daneben benommen hat. Mit primitiven Fan-Gesängen habe er die spanischen Europameister verhöhnt, sagt das “netzwerk kritischer fernsehzuschauer” (NKF) in seiner Begründung für die Verleihung des “Preises der beleidigten Zuschauer”. Die fernsehkritische Organisation vergibt den Negativ-Preis seit 1989. Welche Verhöhung gemeinst ist, lässt sich anhand eines Video-Mitschnitts der besagten ZDF-Übertragung vom 30. Juni erkennen – sogar Bundestrainer Joachim Löw äußerte sich später kritisch dazu:
Kein Ausrutscher: Entgleisungen haben bei Pocher Tradition
Es war nicht Pochers erster Ausrutscher. 2005 verklagte eine Zuschauerin den TV-Entertainer, weil er sie während einer Live-Schaltung für die Sendung “Wetten, dass…” beleidigt hatte. Die Frau erstritt 6.000 Euro Schmerzensgeld. Im April dieses Jahres sorgte dann eine öffentliche Schelte Harald Schmidts für Aufsehen. Pocher wurde am Ende der Sendung “Schmidt und Pocher” von Schmidt heftig kritisiert (“kleine, miese Type”), weil er sich einer Gast-Künstlerin gegenüber unhöflich verhalten hatte (ARD, 24. April 2008):
Was kommt dabei heraus, wenn man einen Katalog von Sexbegriffen mit Umfrage-Ergebnissen und einem Hauch von Porno paart? Richtig: Der ProSieben Sex Report 2008. Der Sender hatte vorab nicht mit großen Worten und Zahlen gegeizt: Man habe “die größte, repräsentative Untersuchung zum Thema Liebe und Sexualität, die es in Deutschland je gab” durchgeführt (siehe Pressemeldung). Heute wird die dritte Folge ausgestrahlt – dabei war es bisher schon langweilig genug.
Die Online-Umfrage der “Sexstudie”: Zweifel sind angebracht
Zweifel an der Repräsentativität der Umfrage sind berechtigt, schließlich fand die gesamte Befragung online und noch dazu anonym statt – doppelt anonym sozusagen. Und wie bereits die erste Folge des Sex-Reports erklärt, wird “nirgendwo mehr geschummelt” als beim Thema Sex. Die freiwilligen Teilnehmer wurden öffentlich und ausschließlich über das Internet angeworben (siehe Pressemeldung) – einschlägige Foren und Blogs verlinkten begeistert auf die Fragebogen-Seiten. Eine seriöse Stichprobenauswahl sieht anders aus. Da mag die Zahl der Teilnehmer noch so astronomisch sein.
Online-Fragebogen: Erreicht man so Repräsentativität? Quelle: ProSieben
Ein interessantes Interview dazu hat die Fernsehzeitschrift TVdirekt mit einem der verantwortlichen Wissenschaftler gemacht. Darin behauptet Dr. Jakob Pastötter tatsächlich, man habe einen “Querschnitt der deutschen Sexualbefindlichkeit” ermittelt. Ich bezweifle, dass eine Umfrage, die ausschließlich auf einem Internet-Fragebogen basiert, dafür als Grundlage dienen kann – denn sexuell aufgeschlossene Menschen werden sich eher an solch einer Befragung beteiligen als Sozialphobiker. Und ältere Menschen besitzen seltener einen Internetanschluss als jüngere, beteiligen sich also auch seltener an solch einer Umfrage. Wie will man unter solchen Bedingungen zur Repräsentativität gekommen sein?
Die Sendung: Lautes Gestöhne zur Begrüßung
Nun zur eigentlichen Sendung. Zu Beginn der ersten Folge gibt es lautes Gestöhne auf die Ohren und nackte Tatsachen auf die Augen. “Au weia”, soll der Zuschauer wohl denken, “jetzt geht’s zur Sache”. Während die Eckdaten der “Sexstudie” vorgestellt werden, läuft im Hintergrund Synthesizer-Musik wie in einem Porno-Film.
Darsteller im Sex Report: Die "durschnittlichen" Leute sind jung und schlank. Quelle: ProSieben
Hundert Probanden werden persönlich rangenommen: Sie müssen explizite Fragen zu ihrem Sexualleben explizit beantworten. Auch hier muss davon ausgegangen werden, dass es sich um besonders aufgeschlossene Menschen handelt – sie stellen also keinen Durchschnitt dar. Auffällig ist auch, wie optisch jung und gestylt die Versuchspersonen sind. Schlanke, fast makellose Körper wandeln über die Mattscheibe (eine Befragte soll sogar eine Pornodarstellerin sein). Entspricht das etwa einem repräsentativem Bild unserer alternden Gesellschaft? Wer von dem Sexleben von Senioren zumindest etwas erahnen möchte, dem sei der Kinofilm “Wolke 9″ empfohlen. Auf ProSieben lernt man nichts über die ältere Generation – das wäre ja auch ganz gegen die Jugendwahn-Tradition der Privatsender.
Aufgeschlossene Menschen plaudern indiskret und ohne Balken
Eine Bürokauffrau plaudert von ihren “Porno-Fantasien” und von der Anzahl ihrer Sexpartner – “hundert? Weiß ich nicht”. Der “Verhörspezialist” nagelt die Befragten mit dem Lügendetektor und stellt nachher richtig fest, man könne nicht immer über alles reden, “weil ich sonst vielleicht mein Gesicht vor der Gesellschaft verliere oder vielleicht auch vor mir selbst”. Da kann man nur hoffen, dass die besagte Bürokauffrau ein Ego aus Beton hat.
Gruppensex-Collage: Diskretion als Verklemmtheit verkauft. Quelle: ProSieben
Apropos Diskretion: Der Sex-Report funktioniert nach dem Motto “Mensch, was sind wir Deutschen doch unverklemmt.” ProSieben behauptet im Vorspann, Sexualität sei öffentlich geworden. Stimmt – denn sexuelle Verrohung wurde jüngst in allen Medien und Varianten umfangreich behandelt (siehe unter anderem Bild und Spiegel TV). Dass jede individuelle Intimität vom Privaten ins Öffentliche wandert, muss aber hoffentlich nicht befürchtet werden.
Oswald Kolle und die verfehlte Sex-Revolution
Um es kurz zu machen: Der ganze Film ist öde. Begriffe wie Analsex, Oralsex oder Gruppensex lassen den aufgeklärten Zuschauer nicht mehr aufhorchen. Auch ein historischer Exkurs, in dem Oswald Kolle ein paar Worte zu den schlimmen, alten Zeiten sagen darf, fördert nichts Neues zutage. Die eigentliche Erkenntnis bleibt sogar gänzlich außen vor. So stellt der Film zwar eine “sexuelle Revolution” seit 1968 fest – und dass die Deutschen immer häufiger Sex haben. Auf der anderen Seite zeigen die Fakten: Ende der 1960er Jahre hatten die Deutschen 130 mal Sex im Jahr, heute 139 mal. Das ist gerade mal eine Steigerung von sieben Prozent – von einer echten Revolution kann also keine Rede sein.
Jugendliche mit Sex-Spielzeug: Schaulaufen der Lust statt Liebes-Ratgeber. Quelle: ProSieben
Eines ist jedoch positiv: Der Film ist genauso widersprüchlich wie die Sexualität selbst. Sexuelle Leistung wird bei ProSieben zur Schau gestellt, gleichzeitig heißt es: “Kein Wunder, dass sich viele Menschen inzwischen sogar bedrängt fühlen von der öffentlichen Leistungsschau sexueller Alleskönner.”
Fazit: ProSieben hat im Vorfeld mächtig die Werbetrommel gerührt. Das Springer-Blatt Welt Kompakt half sogar mit einer Aufmacher-Doppelseite mit und verkaufte das als redaktionell aufbereitete Wissenschaft. In Wirklichkeit liefert der Sex-Report aber keine neuen Erkenntnisse. ProSieben frischt das auf, was aus unzähligen Untersuchungen und aus dem Bravo-Liebeslexikon längst bekannt ist. Der Film gibt Umfrage-Ergebnisse wieder, hat aber keinen Ratgeber-Charakter und bietet deshalb für den aufgeklärten Zuschauer keinen Anreiz. Daran ändern auch die zahlreichen Softporno-Collagen nichts.
Web-Extra: Medienkritiker David Harnasch über den Sex Report 2008
Jürgen Emig, langjähriger Sportchef beim Hessischen Rundfunk (HR), muss ins Gefängnis – wegen Untreue und Bestechlichkeit. Der Journalist hat über Jahre Schmiergelder und finanzielle Mittel, die für den Sender bestimmt waren, für sich eingestrichen. Insgesamt geht es um mehrere hunderttausend Euro, die unter anderem für Schleichwerbung geflossen sind. Und obwohl er in Revision gehen wird, wird sich eine Haftstrafe für Emig wohl nicht mehr vermeiden lassen. Zu detailliert konnten ihm seine Aktivitäten nachgewiesen werden. Erstaunlich ist, dass selbst HR-Intendant Helmut Reitze das frühere Finanzierungssystem des Senders als “das Einfallstor für die korrupten Machenschaften von Emig” bezeichnet (siehe Pressemeldung).
Beängstigend ist nicht nur, mit welcher ungebremsten Gier ein hochbezahlter Journalist sich seine Machtposition zu Nutze gemacht hat – erstmals wird ein ARD-Führungsmann wegen Korruption verurteilt. Beängstigend ist vor allem, wie über Jahre redaktionelle Beiträge skrupellos verkauft oder absichtlich manipuliert wurden. Journalismus ad absurdum.
Schleichwerbung: Wirksame Positionierung für solvente Sponsoren
Hessischer Rundfunk: Für Sport-Beistellungen war Emig zuständig. Quelle: HR-Pressestelle
Denn es geht auch um Schleichwerbung. Emig nahm Geld von Sponsoren an, die sich damit Sendezeit und positive Berichterstattung erkauften. Bei öffentlichen Veranstaltungen ließ Emig Kameras so positionieren, dass Werbetafeln besonders wirksam ins Bild gerückt wurden. Das erschreckende Ausmaß der Emigschen Unverfrorenheit hat der Spiegel ausführlich dokumentiert – und das Magazin stellt richtig fest: Der TV-Zuschauer und Gebührenzahler war letztlich der Verlierer des Systems, denn er musste sich zum Zwecke der illegalen Bereicherung hinters Licht führen lassen (“Es gab nur einen Dummen: den Zuschauer, der seine TV-Gebühren auch und gerade für das Versprechen zahlt, unabhängigen Journalismus zu bekommen.”).
Beistellungen: Öffentlich-rechtliche Expansion und illegale Abzweigungen
Die illegale Methode, Teile von akquirierten Beistellungszahlungen für sich zu behalten, erscheint dagegen vergleichsweise simpel. Schon zu Prozessbeginn machte Emig deutlich, dass er die Hauptschuld beim Sender sieht: Schließlich sei der Hessische Rundfunk jederzeit auf “Beistellungen” angewiesen gewesen (die umstrittene Praxis wurde 2004 eingestellt). Tatsächlich war Emig für die Eintreibungen der Beistellungen zuständig, und der HR dürfte sich über sein Engagement gefreut haben. So konnte der Sender neues Personal einstellen und noch mehr Sport senden – Emig sorgte für öffentlich-rechtliche Expansion. Auch die Sponsoren waren mit der persönlichen Betreuung durch den Sportchef sehr zufrieden: Sie fanden ihre Werbung zielgruppengerecht im Großformat auf der Mattscheibe wieder, eingebunden in nervenaufreibende Großereignisse des Sports.
Intendant Helmut Reitze: "der hr war Opfer, nicht Täter". Quelle: HR-Pressestelle
Korruption: Niemand will etwas gewusst haben
Die Verantwortlichen beim HR konnten oder wollten nichts von Korruption wissen – nach wie vor beteuern sie ihre Unwissenheit. Und Jürgen Emig dachte wohl, er habe durch sein langjähriges Engagement ein Anrecht darauf, dass auch mal für ihn etwas rausspringt. Die FAZ nennt eine Summe von 440.000 Euro.
Trauriges Fazit: Der HR hat von Emigs legalen Aktivitäten über Jahre finanziell erheblich profitiert – die illegalen will niemand erkannt haben. Jetzt macht der Sender Schadensersatzforderungen geltend. Für den größten Schaden gibt es aber keinen Ersatz: Der gesamte öffentlich-rechtliche Apparat hat einen Teil seiner journalistischen Glaubwürdigkeit verloren. Und daran ist nicht nur Emig, sondern auch der Hessische Rundfunk schuld.
Die eigentliche Nachricht sei vorweg genannt: Manfred Mohr ist von der MAZ entlassen worden – das berichtete Zapp in der Sendung von gestern Abend. Die Chefetage hat also auch personelle Konsequenzen aus der Stasi-Vergangenheit des Sportredakteurs gezogen. Außerdem schrieb ein User in einem Kommentar zu meinem Blogpost, die fragliche Stasi-Dokumentation von Hans-Jürgen Börner könne “aus rechtlichen Gründen” nicht mehr gesendet werden.
Das passiert, wenn der NDR investigativ wird
Hartwig Ahlgrimm: Tragische Figur, weil schlecht informiert. Quelle: NDR
Die Geschichte von und mit Hartwig Ahlgrimm soll an dieser Stelle nicht noch einmal aufgerollt werden. Für mich steht fest: Der gute Mann hat von Pressefreiheit und deren rechtlichen Grundlagen leider keine Ahnung – und er hätte sich seine öffentliche Intervention vor laufender Kamera ganz einfach sparen sollen. Allerdings hatte Zapp Herrn Ahlgrimm in einem Vorab-Beitrag falsche Motive unterstellt. Das wollte man beim NDR auf telefonische Nachfrage nicht kommentieren, hat den Fehler aber anscheinend eingesehen: Ein Online-Text wurde verändert, das fragliche Video nachträglich akkurat angepasst.
Zossen ist erstaunlich interessant – und wird zum Thema
Die Größe, diese journalistischen Ungenauigkeit zuzugeben, hatte die Zapp-Redaktion bislang nicht. Was folgte, war ein idyllisch-amüsanter Beitrag zum Zossener Presseverständnis. Aber dem nicht genug: Zossen ist Zapps neuer Liebling. In dem jüngsten Beitrag geht es jetzt um die “Zossener Stimme“, eine Beilage des lokalen Amtsblattes. Hier hat Zapp aufgedeckt, dass sich die Macher des Blattes wohl etwas zu wichtig nehmen: Sie nominierten sich quasi selbst für einen Journalisten-Preis der Konrad-Adenauer-Stiftung. Auch die Frage nach der Finanzierung des Blattes ist berechtigt – obwohl die Tatsache, dass dies mit öffentlichen Geldern geschieht, meiner Meinung nach kein Skandal ist.
Zapp-Beitrag zum Zossener Amtsblatt: Journalismus oder Bashing? Quelle: NDR
Die Provinz und das Fernsehen: Bashing oder notwendige Recherche?
Aber ist das wirklich ein Thema für eine ARD-Sendung, oder handelt es sich hierbei nur um journalistisches Bashing? Ich finde, dass diese Angelegenheit eher eine Lappalie und daher die Sendezeit nicht wert ist. Beim NDR hat man sich wohl auf Zossen eingeschossen – Zapp bezieht oft und gerne klar Stellung. Mein Vorschlag lautet: Zapp sollte ein eigenes Lokalstudio in Zossen einrichten, um näher dran zu sein an den provinziellen Amtsskandalen. Ich freue mich jedenfalls auf weitere Beiträge für die Sparte “Neues aus Zossen”.
Holger Kreymeier hat seinen anfänglichen Video-Blog zu einer Mammut-Show ausgebaut: In seiner Sendung “Fernsehkritik.TV” dokumentiert er die Unzulänglichkeiten des deutschen Fernsehprogramms. Was dahinter steckt, hat er mir in einem Interview für den Medien Monitorerklärt. Jürgen Milski ist Kreymeiers persönlicher Antiheld, aber auch gestandene “Spitzenjournalisten” aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk bekommen ihr Fett weg. Hier kommt also die 17. Folge von Fernsehkritik.TV, inklusive Gastbeitrag und Interview: