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Jens Parker erklärt die Finanzkrise: Zu schön, um wahr zu sein

Alle reden von der Finanzkrise. “Die Angst vor der Angst” titelte der Spiegel in der vergangenen Ausgabe, am kommenden Montag prangt dann der SOS-Ruf “Not! Halt! Wer stoppt den freien Fall des freien Marktes?” auf der Titelseite. Die täglichen Negativ-Superlative überbieten sich gegenseitig, und die Deutschen haben ihrem wirtschaftlichen Aufschwung längst das letzte Geleit mitgegeben. Kein Geld mehr bei den Banken, kein Vertrauen bei den Kunden, kein Ende in Sicht? Was bisher geschah, war absehbar - sagt der Gastschreiber und Finanzexperte Jens Parker in seinem ersten Beitrag für meinen Blog, in dem er die Finanzkrise erklärt. Für die weitere Entwicklung prognostiziert er: Alles bleibt anders als es bisher war.

Es war einmal eine Finanzkrise

Es war einmal ein Land. Dieses Land war sehr groß. Dieses Land war sehr reich. Dieses Land hielt nicht viel davon die Wirtschaft zu kontrollieren. Denn wenn die Wirtschaft sich selbst regelt, dann wird schon alles klappen. Außerdem wollten man sich ja auch nicht den Kopf zerbrechen.

Der Gastautor: Jens Parker

Jens Parker ist mit seinen 20 Jahren auf dem besten Weg, ein erfolgreicher Banker zu werden. In der Finanzmetropole Frankfurt macht er ein duales Studium und kennt sich in der Wirtschaft bestens aus. Entgegen allen Erwartungen ist er kein Zahlenfreak und auch keine Investmentheuschrecke, verfügt er doch über Hobbies wie Kabarett, Poetry Slam und Fotografie - das sind aber nur einige seiner Aktivitäten. Jens ist ein fröhlicher Mensch, und er lacht der Globalisierung ins Gesicht: Schließlich hat er bereits eine Kindheit im “maroden Stadtstaat” Bremen überlebt - schlimmer geht’s eh nicht! Und sollte er im Finanzsektor scheitern, wird er halt Rechtsanwalt oder Literaturwissenschaftler. Über seine Texte sagt der Freizeitautor: “Wer Objektivität findet, kann sie behalten. Der Autor distanziert sich von seinem Text und bleibt stehen. Dort ist es schön.”

Kredite machten die Banken reich - und glücklich

In diesem Land kamen Banken auf die Idee, Menschen Kredite zu vergeben für Häuser, die sie sich eigentlich gar nicht leisten konnten. Das war aber gar kein Problem! Denn, wenn etwas schief laufen würde, würde man ja einfach das Haus pfänden und der Kredit wäre getilgt. Dieses Verfahren funktioniert natürlich nur, solange der Hauspreis steigt, da neben der schweren Liquidierung von Häusern auch der Kreditzins wieder aufgefangen werden muss, um das System am Laufen zu halten. Aber dies war der Fall und alles lief wie am Schnürchen. Die Immobilienpreise stiegen derart, dass man den Kreditnehmern sogar mehr Geld gab, als die Immobilien momentan wert war, da sie ja mit der Zeit mehr und mehr Geld wert sein würde. Dieses Land lebte ein paar Jahre lang glücklich und zufrieden. Die Banken verdienten sehr gut an diesem Geschäft. Alle waren glücklich.

Andere wollten auch mitfeiern auf der Häuser-Party

Die Banken verdienten so gut, dass andere Banken in anderen Ländern und auch andere Unternehmen an diesem Wirtschaftsspaß teilhaben wollten. Die Banken aus diesem Land hatten eine super Idee! Sie sammelten ein Teil der ganz vielen Kredite, die Zinseinnahmen versprachen, und boten sie in großen Päckchen gebündelt anderen Unternehmen in fremden Ländern mit allem Drum und Dran zum Kauf an. Da ließen sich viele nicht zwei Mal bitten. Die Banken in dem Land erhielten eine Prämie und mussten sich um nichts mehr kümmern, da sie den Kreditanspruch an andere Unternehmen verkauft hatten. Das war doch für alle ein Clou! Der Clou war so attraktiv, dass nicht nur Unternehmen und private Haushalte investierten, sondern weltweit selbst Staaten in dieses perfekt scheinende System einstiegen. Für ein paar Jahre war fast die ganze Welt sehr glücklich.

Doch dann kam auf einmal die böse Realität!

Sie schlug zu und der Immobilienpreis stagnierte im Land der Kredite, fiel teilweise sogar. Es kam häufiger als gedacht dazu, dass Kredite nicht durch den Verkauf des durch sie finanzierten Hauses im Fall der Fälle getilgt werden konnten. Die Banken mussten reagieren. Um die Ausfälle zu kompensieren erhöhten sie die Zinsen. Das hatte nur einen Haken. Denn jetzt konnten sich noch mehr Bankkunden die Kreditzahlungen nicht mehr leisten. Auf dem sowieso schon schwachen Immobilienmarkt kamen mehr und mehr zum Verkauf stehende Häuser, die durch die schiere Anzahl immer schwerer und nur noch zu schlechten Preisen zu verkaufen waren. Das führte wiederum zu weiteren Zinserhöhungen. Ein Teufelskreis war in Bewegung geraten!

Auf der ganzen Welt mussten die bis jetzt so glücklichen Unternehmen und Banken einsehen, dass sie im Besitz von Kreditforderungen waren, die ab jetzt wohl tatsächlich nur noch einen Prozentsatz ihres nominalen Wertes wert waren. Die Unternehmen mussten riesige Abschreibungen machen und vielen versaute dieses Problem die sonst doch immer so schöne Bilanz. Fest eingeplante Einnahmen fielen aus und brachten so manches Unternehmen in richtig ernste Schwierigkeiten. Das war nicht gut.

Doch die Realität hatte noch lange nicht genug!

Da kein Unternehmen wirklich offen über die Kreditrisiken, welches es besaß, sprechen wollte, begannen alle sehr misstrauisch zu werden. Selbst die Banken unter sich wollten sich nicht mehr recht trauen.
Geld wurde knapp, da keiner mehr Geld verleihen wollte, weil man ja nicht wissen konnte, ob da nicht irgendwo noch ein faules Kreditpaket versteckt war, was die Rückzahlung des Kredites gefährden könnte. Unternehmen, die sich von Natur aus immer kurz refinanziert hatten, mussten plötzlich feststellen, dass sie für die Refinanzierung, also die erneute Ausstattung mit Geld, viel höhere Zinsen zahlen mussten, da ja nur noch wenig Geld zur Verfügung stand.
Das konnten sich aber leider viele Unternehmen und Banken nicht leisten und hatten plötzlich kein Geld mehr. Sie stürzten sich in billige Übernahmen durch andere Unternehmen oder gingen Pleite. Es verschwanden Unternehmen, die vorher so sicher wie der Mond oder die Sonne schienen.

Die Angst erreicht die Haushalte - und damit unsere heilige Konjunktur

Die Unternehmen und Haushalte bekamen Angst. Was war ihr Geld noch wert? Waren ihre Arbeitsplätze noch sicher? Würde das Unternehmen sich wieder refinanzieren können? Allesamt begangen zu sparen und die gesamte Wirtschaft verlor an Fahrt. Die Finanzkrise erreichte langsam aber sicher die Realwirtschaft. Die Länder begriffen, dass die Wirtschaft im Kern bedroht war. Denn neben anderen Wirtschaftssektoren haben die Bankhäuser noch eine andere wichtige Aufgabe, die sie unentbehrlich macht: Sie versorgen die komplette restliche Wirtschaft mit finanziellen Mitteln!
Was galt es zu tun? Da war guter Rat teuer! Die Politiker schnürten deshalb große Geldpakete, die den Unternehmen die faulen Kredite abkaufen und ihnen durch günstige Kredite ihre Refinanzierung sichern sollten. Die Geldpakete waren so groß, dass sie schon fast lächerlich viele Nullen hatten, wie 700000000000 oder 260000000000.
Das sollte das Vertrauen in einen Markt, der so viel Schaden angerichtet hatte, wieder zurückbringen. Und es war noch lange nicht überstanden…

So bleibt sie, die Moral von der Geschicht: Geld hat man noch, oder nicht.

Das war Jens aus Frankfurt - und als wäre es nicht schon satirisch genug, kommt jetzt auch noch eine Finanzbelehrung durch die amerikanische CNBC-Wirtschaftsexpertin Maria Bartiromo, die kürzlich in der Late-Night-Show “Colbert Report” das Kreditsterben erklärt hat:

Korrigiert: Der Spiegel zeigt sich selbstkritisch

Foto: Nils Glück

Foto: Nils Glück

Positiv überrascht habe ich am Montag festgestellt, dass der Spiegel eine separate Korrekturspalte abdruckt. Laut medienlese.com besteht dieser Kasten mit der Überschrift “Korrekturen” (siehe Foto) bereits seit Mitte Juni. War es zuvor den Lesern vorbehalten, ihre Kritik in schriftlicher Form einzureichen und auf Veröffentlichung in den Leserbriefen zu hoffen, so zeigt sich der Spiegel jetzt angenehm selbstkritisch und listet seine journalistischen Fehltritte der Reihe nach auf. So heißt es dort unter anderem: “Auf Seite 126 schreiben wir, der Blitzschlag folge dem Donnergrollen - es ist natürlich umgekehrt.”

Korrekturen fördern Qualität und Glaubwürdigkeit - akuter Nachholbedarf

“In der Zeitung stehen doch nur lauter falsche Dinge”, so lautet die weit verbreitete Meinung bei den Lesern. Viele ärgern sich zwar über unsaubere Recherche, nur die wenigsten machen sich aber die Mühe, einen Leserbrief zu schreiben. Eine amerikanische Studie zum Korrekturverhalten im sonst so peniblen US-Journalismus hat ergeben, dass in Sachen Selbstkritik noch einiges zu verbessern ist: Nur die wenigsten Zeitungen kümmern sich um ihre eigenen Fehler und machen sie nach außen transparent. Dabei ist gerade diese selbstkritische Haltung wichtig: Der Medienwissenschaftler Scott R. Maier stellt fest, die Korrekturen hätten den “Sinn und Zweck, zur Qualitätssicherung beizutragen und Glaubwürdigkeit zu vermitteln” (NZZ Online).

Wer nämlich gut recherchiert, kann seine Zeitung vor peinlichen Gegendarstellungen bewahren - man denke dabei nur an die großformatige Korrektur, die Bild im Fall der “Hoppel-Heide” abdrucken musste. Deutschlands auflagenstärkste Boulevardzeitung reanimierte im Juli 2006 seine Korrekturspalte, die seither kritisch beäugt wird. Als vorbildlich dürften die Berichtigungen der New York Times gelten, die selbst antiquierte Fehler noch korrigiert.

Blogger fungieren als Watchdogs: Kollektives Medien-Mobbing

Weil mich unter anderem schlechte Recherche von öffentlichen Medien aufregt, habe ich meinen Blog gestartet - hier kann ich meine Wut loswerden. Laut der Journalismusforscherin Susanne Fengler vom Dortmunder Institut für Journalistik liege ich damit absolut im Trend: Die Medienkritik in der Blogosphäre etabliert sich zunehmend auch in Europa (gutes Vorbild: Regret the Error). Menschen, die die Ignoranz ihrer Tageszeitung nicht mehr ertragen können, sezieren die Recherchefehler genüsslich in unzähligen Medienblogs und laden ein zum gemeinsamen Medien-Mobbing. Natürlich müssen auch die Blogger selbstkritisch sein - von wirres.net wird Spiegel-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron wie folgt wiedergegeben:

von blogs habe er auch eine menge gelernt, nämlich vor allem einen offenen umgang mit fehlern. und da hätten die deutschen medien grossen nachholbedarf. deutsche zeitungen hätten (fast) alle keine korrekturspalte (räusper, wo ist die korrekturspalte von spon?). blogs würden diese funktion zum teil sehr gut erfüllen. „damit müssen wir umgehen lernen. blogs sind eine neue machtvolle stimme für jedermann.“

Netzwerk der Betrüger: Deutsche Bürger versinken im Daten-Morast

In Deutschland werden massenhaft Bankdaten missbraucht. Quelle: Steve Woods, stock.xchng

In Deutschland werden massenhaft Bankdaten missbraucht. Quelle: Steve Woods, stock.xchng

In Deutschland herrscht Korruption, zumindest was den Datenschutz angeht. Diesen Eindruck gewinnt momentan der interessierte Nachrichtenkonsument - und endlich erfährt er in ganzer Breite und im Detail die ungeschönte Wahrheit darüber, wie seine sensiblen Personen- und Bankdaten rücksichtslos aufgespürt, gespeichert und zum Teil illegal weitergereicht werden.

Der Daten-Handel floriert - unterstützt von Naivität und juristischer Milde

Denn bereits eine Woche nach dem Schleswig-Holsteinischen Datenskandal wird klar: Es ist viel schlimmer, als zunächst angenommen - das, was die Datenfahnder bislang festgestellt haben, ist nur die Spitze des Eisbergs. Der Informant hat sich öffentlich geoutet und behauptet, er allein verfüge über 1,5 Millionen Datensätze von Bundesbürgern, die auf dem Adressmarkt verkauft würden. Im aktuellen Spiegel-Interview schildert er minutiös, warum sich frühere SKL- oder NKL-Spieler Sorgen machen sollten. Denn mit hoher Wahrscheinlichkeit sind ihre Bankdaten schon längst weiterverkauft worden - illegal zwar. Aber für viele Callcenter und Gewinnspielbetreiber stellt der Datenankauf die sicherste Einnahmequelle dar. Sind Kontonummer und Bankleitzahl erst einmal in der Datenbank, wird gnadenlos abgebucht. Das geht, weil juristische Konsequenzen in Deutschland harmlos und der Umgang vieler naiver Bundesbürger mit ihren eigenen Daten grob fahrlässig ist.

Gelegenheit macht Diebe: Datenmissbrauch im digitalen Zeitalter

Denn viele Bürger kontrollieren nicht einmal ihre Kontoauszüge oder akzeptieren die Abbuchung gutgläubig, weil sie davon ausgehen, dass dem Dienstleister eine Einzugsermächtigung vorliegt - schließlich schreibt das Gesetz es so vor. Viele sind auch schlicht zu bequem, als dass sie wegen zweistelliger Euro-Beträge genauere Nachforschungen anstellen würden.

Es ist zum Einen diese Gutgläubigkeit, die den Datensumpf erst richtig morastig werden lässt. Zum Anderen ist es aber auch die Tatsache, dass digitale Daten heute so einfach und unauffällig kopiert, weiterverarbeitet und klammheimlich missbraucht werden können. In einem Geschäft, in dem eine gültige Bankverbindung bares Geld wert ist, macht Gelegenheit eben Diebe.

Tatort Callcenter: Erst freundlich lächeln, dann dreist abbuchen. Quelle: Astin le Clercq, stock.xchng

Tatort Callcenter: Erst freundlich lächeln, dann dreist abbuchen. Quelle: Astin le Clercq, stock.xchng

Outsourcing liegt auch in der Callcenter-Branche im Trend

Dass sich in Großteilen der Callcenter-Branche alles nur um die Bankdaten dreht, hat im vergangenen Jahr der umstrittene Enthüllungsjournalist Günter Wallraff mit verdeckter Recherche eindrucksvoll bewiesen. Er verkleidete sich, wurde Callcenter-Agent und dokumentierte, wie schmutzig die Datensammler und Gewinnspiel-Verkäufer zur Tat schreiten. Das Problem ist auch, dass in dem Kampf um Daten und Telefonverträge vieles ausgelagert und über Drittfirmen abgewickelt wird, deren Machenschaften im Einzelnen vom ursprünglichen Auftraggeber nicht überprüft werden können. So passiert es, dass illegale Geschäfte von einer Drittfirma unter dem Namen des “seriösen” Auftraggebers abgeschlossen werden - bestes Beispiel sind hier die staatlichen Klassenlotterien. Auch das hat Wallraff uns erklärt.

Günter Wallraff: Der Datenschutz-Pionier hat uns die Augen geöffnet

Wallraff argumentiert völlig richtig: Es mag zwar sein, dass viele Callcenter sich nicht an den illegalen Geschäften beteiligen und jetzt zurecht einen Imageschaden beklagen. Solange sich in der Branche aber nichts bessert und die Bundesregierung keine gesetzlichen Verschärfungen beschließt, sollte jeder Callcenter und jeder Daten-Dienstleister (siehe Deutsche Telekom) unter Generalverdacht stehen.

In Deutschland herrscht also weiterhin akuter Aufklärungsbedarf, was den Datenschutz angeht. Dank des neuen öffentlichen Interesses an diesem Thema und vor allem dank Günter Wallraff, der die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisiert hat, steht die Datenkorruption dieser Tage auf den Titelseiten. Das ist ein Signal, das Hoffnung macht.

Mehr zu diesem Thema im Internet:

  • heute.de - Bundestag will sich um Datenschutz kümmern (19. August 2008)
  • ZDFmediathek: Bei Anruf Abzocke (Video vom 11. Dezember 2007)
  • Zeit Online - Themenseite Datensicherheit
  • Medien Monitor - Günter Wallraff: Mission Missstände
  • Digitale Datenflut: Die Netz-Neurose als Volkskrankheit

    Ich muss heute noch bloggen. Das habe ich mir vorgenommen - jeden Tag ein Eintrag, der Aktualität halber. Für die Besucher, für die Googler, für die Suchmaschinen, für das Ego. Das ist mein persönlicher Beitrag zur digitalen Datenflut, die der Spiegel in seinem aktuellen Titelthema größtenteils für “Verschmutzung” hält. Nun, verschmutzen will ich hier wirklich nichts - und vielleicht hast du ja gerade gegoogelt und freust dich jetzt, weil du genau das gefunden hast, wonach du gesucht hast: Eine selbstkritische Reflektion zum aktuellen Spiegel-Titelthema.

    Es geht um die Frage, ob das Überangebot an digitalen Informationen für den Mensch schädlich sein kann. Und ebenso platt-provokant wie die einstige Schlagzeile “Sind deutsche Schüler doof?” (es ging damals um den Pisa-Test) kommt auch dieses Titelblatt daher: “Macht das Internet doof?”

    Piep! Der fatale E-Mail-Kontrollzwang

    Als angehender Journalist ist für mich das Internet unentbehrlich geworden, ich bin tatsächlich ein “Informationsarbeiter”. Der Spiegel sagt, dass laut statistischen Erhebungen solche Personen “etwa 50-mal pro Tag” ihre E-Mails kontrollieren. Auf mich trifft das nicht zu - denn bei mir flattern die E-Mails automatisch und pausenlos ins Postfach, rund um die Uhr - dann piept’s laut. Dass es deswegen bei mir piept, kann ich nicht bestätigen.

    Digitale Zeitverschwendung - die Zeitung als Oase der Ruhe

    Der Befürchtung, man verschwende im Internet seine Zeit, muss ich aber leider Recht geben. Denn die Mails enthalten selten interessante Infos - stattdessen nur Dinge wie “Hi, ich wollte euch nur nochmal darauf hinweisen, dass das Treffen wie immer heute im Asta-Seminarraum stattfindet.” Die meisten Mails lese ich gar nicht mehr. Mit der Folge, dass ich wirklich wichtige Informationen verpasse.

    Was den Nachrichtenkonsum angeht, bin ich fast 100-prozentig auf tagesaktuelle Printmedien umgestiegen - weil News-Portale einfach zu aktuell sind; es geht tatsächlich zu schnell. Um am Ende des Tages Verlässliches im Netz gelesen zu haben, muss man ständig die Reload-Taste drücken. Das kostet Zeit und lenkt ab.

    Der Netz-Neurotiker: In den Fängen der Prokrastination

    Apropos Ablenkung: Wer zur Spezies der “Digital Natives” gehört und ständig googelt, SMS schreibt, E-Mails sichtet und telefoniert und dabei wieder auf sein Postfach schielt, der verliert seine Prioritäten aus den Augen. Das ist das Schicksal derer, die mit dem weltweiten Netz groß geworden sind. Permanente Frage: Was wollte ich noch gerade machen - und ist das überhaupt so wichtig? Der Spiegel nennt das Stichwort, das die heutige Studentengeneration nur allzu gut kennt: Prokrastination, das zwanghafte Aufschieben von anstehenden Aufgaben. Dass der digitale Dschungel dieses Aufschieben unterstützt, weiß jedes StudiVZ-Mitglied. Auch ich hätte Besseres zu tun als jetzt hier zu bloggen - zum Beispiel könnte ich das Buch über Prokrastination lesen, das ich mir neulich gekauft habe. Aber morgen ist ja auch noch ein Tag…

    So stecke ich in einem verflixten Dilemma. Ich werde von der Informationsflut mitgerissen. Ich bin Informationsarbeiter und kann gar nicht abschalten: Ein Arbeitstag ohne E-Mail ist undenkbar (piep: schon wieder zwei E-Mails…). Wie soll ich recherchieren ohne Suchmaschine, Hausarbeiten schreiben ohne den Online-Duden? Wie soll ich meine Ausarbeitung schreiben ohne die StudiVZ-Community zu fragen, worüber wir denn überhaupt schreiben sollen. Wie soll ich mich ohne Handy zum Teamtreffen treffen? Und wie soll ich meinen Freunden dann sagen, dass ich auf Internet-Entzug bin und mal wieder was unternehmen will, wenn ich keine SMS mehr senden kann?

    Mehr zu diesem Thema im Internet:

  • departure Blog - David Weinberger: Information Overload ist ein Business-Modell
  • ReadWriteWeb.com - Info Overload: The Problem
  • Das Kulturmanagement Blog - Der Kampf gegen die Informationsflut
  • Spiegel Online - Bürowelt: Arbeitshindernis Technik
  • Medien Monitor - Redaktionsblog: Im Netz verheddert