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Deutsche Olympia-”Versager”: Medien vergreifen sich im Ton

Schmähkritik: Die Welt Komapkt versagt bei der Wortwahl.

Schmähkritik: Die Welt Komapkt versagt bei der Wortwahl.

Ein Glück: Mittlerweile haben sich die deutschen Olympia-Teilnehmer im Medaillenspiegel auf Platz drei verbessert. Die Nation darf also wieder aufatmen – nach einer Woche, in der die deutschen Medien nicht mit Kritik und Hähme gespart haben, wenn es um die mittelmäßigen Leistungen der deutschen Sportler ging. So bezeichnete zum Beispiel die Berliner Morgenpost den deutschen Olympia-Einstand als “Fehlstart”.

Auf die Niederlage folgt die mediale Demütigung

Noch viel deutlichere Schmähkritik war von der Welt Kompakt zu hören, die am vergangenen Mittwoch deutsche Athleten ungeniert und gleich dreifach als “Versager” bezeichnete (siehe Foto). Es müsste schon sehr schlecht um unseren Sport stehen, wenn Deutschland tatsächlich Versager nach Peking schickt, die sich dort immerhin mit den Besten der Welt messen. Angesichts solcher verbaler Entgleisungen stellt Peter Hahne im Interview mit dem Tagesspiegel fest: “Es ist einfach verlogen, Erwartung und Empörung von denselben Kollegen zu lesen/hören.” Soll heißen: Die Sportjournalisten, die am Anfang die Messlatte am höchsten legen, dürfen sich bei ausbleibendem Medaillen-Regen auch am hysterischsten empören.

Die Deutschen sind medaillensüchtig

Dass wir Deutsche nie zufrieden sind, ist altbekannt. Dass wir täglich in Funk und Fernsehen gegen Doping wettern und fairen Wettbewerb fordern, klingt dagegen recht verlogen. Denn wer einen sauberen Sport fordert, muss es auch akzeptieren, wenn man mal nicht Tabellenführer ist. Wir sollten uns im Gegenteil eher freuen, dass wir nicht unter den Ersten sind: Das zeigt doch, dass unsere Sportler wirklich fair in den Wettkampf gehen. Mit Jan Ullrich waren die deutschen Medien sehr zufrieden, solange er Spitzenleistungen zeigte. Bis dann die große Doping-Blase geplatzt ist – peng! Da schauten auch die deutschen Medien recht dumm aus der Wäsche, weil sie jahrelang einen Dopingsünder hochgejubelt hatten.

Foto: Ruben Joye, stock.xchng

Foto: Ruben Joye, stock.xchng

Und dass ihr uns ja aufs Treppchen lauft…

Abgesehen davon ist der Medaillenspiegel durchaus umstritten. Solange die Deutschen den Platz direkt hinter den Großmächten China und USA einnehmen, werden die Berichterstatter gnädig mit ihren Athleten sein. Sobald aber wieder eine Flaute droht, dürfen sich die Sportler warm anziehen. Vielleicht sollte stattdessen mal ein gutes Stück Gelassenheit einkehren – so, wie es die Süddeutsche Zeitung angesichts der “Medaillen-Depression” in ihrer TV-Kritik gefordert hat: “Womöglich gewinnen wir fast überhaupt keine Goldmedaillen, dann müssen wir trotzdem weiterleben!”

Mehr zu diesem Thema im Internet:

  • Zeit Online – Heike Henkel im Interview: “Schraubt die Erwartungen runter!” (11. August 2008)
  • Stuttgarter Zeitung online – Die Gier nach Rekorden: Zu hoch, zu schnell, zu stark? (4. August 2008)
  • Spiegel Online – Medaillendürre: Hör mal, liebe ARD! (19. September 2000)
  • Manipulieren bis zur Perfektion: China ist Olympiasieger im Verheimlichen

    Quelle: key909, http://www.stockxpert.com/

    Quelle: key909, http://www.stockxpert.com/

    Wer vor acht Tagen die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele verfolgt hat, mag sich gewundert haben: Der Applaus der chinesischen Zuschauer kannte keine Grenzen – während eine Mannschaft nach der anderen ins Stadio einzog, klatschten die Chinesen gleichbleibend weiter. “Die müssen wohl klatschen, sonst werden sie festgenommen”, war mein Kommentar dazu – Gastfreundlichkeit per Verordnung, so die zynische Vermutung.

    Ganz so falsch war diese Einschätzung gar nicht. Denn drei Tage später verkündete die Nachrichtenagentur dpa, es gebe in den Stadien eine Jubel-Vorschrift. Die Zuschauer sind demnach angehalten, Fairness auch beim Applaudieren zu zeigen. All das findet wohl auf einer freiwilligen Ebene statt – aber wer weiß schon, was passiert, wenn man den Jubel ostentativ verweigert?

    Großartiges Feuerwerk – nachträglich reingeschnitten

    Quelle: © Louis Bebbi / PIXELIO

    Quelle: © Louis Bebbi / PIXELIO

    Bereits vor den Spielen wusste jeder, dass die Chinesen absolute Perfektionisten sind. Und was nicht perfekt funktionieren kann, wird eben perfekt inszeniert: So wurde vor einer Woche bekannt, dass die chinesische Regie die Live-Bilder von der Eröffnungsfeier manipuliert hat. Eine Aktion, die von langer Hand geplant war.

    Zwar ging es dabei nur um ein Feuerwerk. Dass an den Eröffnungsfeierlichkeiten aber noch viel mehr faul war, kam wenig später ans Licht: Weil sie offenkundig nicht hübsch genug war, musste eine kleine hässliche Sängerin einer hübschen Playback-Performerin die Bühne überlassen. “Auf Drängen eines Politbüromitglieds sei das Mädchen in letzter Minute ausgetauscht worden”, heißt es dazu auf Spiegel Online.

    Minderheiten-Kultur stellvertretend vorgeführt

    Das vorerst letzte Täuschungskapitel ist die Trachten-Posse, bei der Kinder zwar in den Gewändern der chinesischen Volksminderheiten auftraten, aber keineswegs diesen auch angehörten. Auch berichtet Spiegel Online, während der Proben zur Eröffnungsfeier sei eine Frau schwer verletzt worden.

    Heimlichtuerei im Reich der Mitte

    Das Skandalöse ist nicht, dass all diese Dinge geschehen sind, sei es mit Absicht oder wegen organisatorischer Mängel. Das Problem ist eher, dass China all dies unter der Decke hält, als hinge die vaterländische Ehre davon ab. Wie viele Geheimnisse, Manipulationen und Inszenierungen warten noch darauf, rein zufällig entdeckt zu werden?

    Eins steht jetzt schon fest: China ist Olympiasieger im Verheimlichen. Und damit alles unter der Decke bleibt, sind den Verantwortlichen auch die drakonischsten Strafen recht: Wer bei den Proben zur Auftaktfeier anwesend war, musste eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben. Nichts von der Feier sollte vorab nach außen dringen. Bei Zuwiderhandlung drohten bis zu sieben Jahre Gefängnis.