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Archiv der Artikel die mit Medienjournalismus getagged sind.

Korrigiert: Der Spiegel zeigt sich selbstkritisch

Foto: Nils Glück

Foto: Nils Glück

Positiv überrascht habe ich am Montag festgestellt, dass der Spiegel eine separate Korrekturspalte abdruckt. Laut medienlese.com besteht dieser Kasten mit der Überschrift “Korrekturen” (siehe Foto) bereits seit Mitte Juni. War es zuvor den Lesern vorbehalten, ihre Kritik in schriftlicher Form einzureichen und auf Veröffentlichung in den Leserbriefen zu hoffen, so zeigt sich der Spiegel jetzt angenehm selbstkritisch und listet seine journalistischen Fehltritte der Reihe nach auf. So heißt es dort unter anderem: “Auf Seite 126 schreiben wir, der Blitzschlag folge dem Donnergrollen – es ist natürlich umgekehrt.”

Korrekturen fördern Qualität und Glaubwürdigkeit – akuter Nachholbedarf

“In der Zeitung stehen doch nur lauter falsche Dinge”, so lautet die weit verbreitete Meinung bei den Lesern. Viele ärgern sich zwar über unsaubere Recherche, nur die wenigsten machen sich aber die Mühe, einen Leserbrief zu schreiben. Eine amerikanische Studie zum Korrekturverhalten im sonst so peniblen US-Journalismus hat ergeben, dass in Sachen Selbstkritik noch einiges zu verbessern ist: Nur die wenigsten Zeitungen kümmern sich um ihre eigenen Fehler und machen sie nach außen transparent. Dabei ist gerade diese selbstkritische Haltung wichtig: Der Medienwissenschaftler Scott R. Maier stellt fest, die Korrekturen hätten den “Sinn und Zweck, zur Qualitätssicherung beizutragen und Glaubwürdigkeit zu vermitteln” (NZZ Online).

Wer nämlich gut recherchiert, kann seine Zeitung vor peinlichen Gegendarstellungen bewahren – man denke dabei nur an die großformatige Korrektur, die Bild im Fall der “Hoppel-Heide” abdrucken musste. Deutschlands auflagenstärkste Boulevardzeitung reanimierte im Juli 2006 seine Korrekturspalte, die seither kritisch beäugt wird. Als vorbildlich dürften die Berichtigungen der New York Times gelten, die selbst antiquierte Fehler noch korrigiert.

Blogger fungieren als Watchdogs: Kollektives Medien-Mobbing

Weil mich unter anderem schlechte Recherche von öffentlichen Medien aufregt, habe ich meinen Blog gestartet – hier kann ich meine Wut loswerden. Laut der Journalismusforscherin Susanne Fengler vom Dortmunder Institut für Journalistik liege ich damit absolut im Trend: Die Medienkritik in der Blogosphäre etabliert sich zunehmend auch in Europa (gutes Vorbild: Regret the Error). Menschen, die die Ignoranz ihrer Tageszeitung nicht mehr ertragen können, sezieren die Recherchefehler genüsslich in unzähligen Medienblogs und laden ein zum gemeinsamen Medien-Mobbing. Natürlich müssen auch die Blogger selbstkritisch sein – von wirres.net wird Spiegel-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron wie folgt wiedergegeben:

von blogs habe er auch eine menge gelernt, nämlich vor allem einen offenen umgang mit fehlern. und da hätten die deutschen medien grossen nachholbedarf. deutsche zeitungen hätten (fast) alle keine korrekturspalte (räusper, wo ist die korrekturspalte von spon?). blogs würden diese funktion zum teil sehr gut erfüllen. „damit müssen wir umgehen lernen. blogs sind eine neue machtvolle stimme für jedermann.“

Absolut neutrale Mediensatire: Die FAZ sucht Undercover-Agenten

Quelle: redbaron, STOCKXPERT

Quelle: redbaron, STOCKXPERT

Mit der verdeckten Recherche ist es immer das Gleiche: Wie man es auch anstellt – nachher wird man dafür kritisiert. Günter Wallraff sagt immer, er habe Missstände aufdecken wollen, die ihm ansonsten verborgen geblieben wären. Im ersten Semester hat sich der FAZ-Journalist Oliver Jungen in unseren Studiengang geschlichen. Beziehungsweise in drei Lehrveranstaltungen des Studiengangs, die alle an einem Tag stattfanden. Daraus hat er sich ein Gesamturteil über unsere Dortmunder Journalistik zusammengewurschtelt.

Die Empörung der betroffenen und angeblich falsch zitierten Bachelor-Erstis war groß, fast schon peinlich groß (siehe Kommentare). Denn die Defizite der Recherche lagen auf der Hand:

  • Repräsentative Aussagen über einen Studiengang erreicht man nicht durch stichprobenartige Besuche von beliebig ausgewählten Lehrveranstaltungen.
  • Die Zitate dürften allenfalls sinngemäß wiedergegeben sein. Schließlich hatte der gute Herr Oliver Jungen nicht die Möglichkeit, sich Notizen zu machen. Versteckte Mikrofone schließe ich aus – der faule Autor hätte sich niemals die Mühe gemacht, die Aufnahmen auszuwerten.
  • Voreingenommenheit ist eine Zierde. Dass der Autor es nicht geschafft hat, ein aktuelles Vorlesungsverzeichnis auszudrucken und den richtigen Raum zu finden, ist symptomatisch für die Arbeitsweise des Herrn Jungen. Resultat: Verdammt schlechte Laune. Auch hatte er ganz offenkundig null Bock auf das frühe Aufstehen und die Universität im Allgemeinen, wie er bereits in der ersten Passage seines Berichts zugibt.

Ich habe mich damals jeder ernsthaften Kritik enthalten – dazu bin ich viel zu cool. Solch eine journalistische Provokation verdient nur eins: Satire. Allen seriösen Journalisten mit investigativen Ambitionen sei also die folgende Stellenanzeige ans Herz gelegt.