Skip to content
Archiv der Artikel die mit Medien getagged sind.

“Mein neuer Freund” reloaded: Christian Ulmen ist zurück!

Mehr als drei Jahre nach seiner Kult-Comedyserie “Mein neuer Freund” hat Christian Ulmen nun endlich nachgelegt: Am kommenden Freitag präsentiert er neue Folgen, in denen er diesmal unter anderem als peinliches Ekelpaket “Knut” die Einwohner der bayerischen Provinz zur Weißglut bringt. Die Sendung wird, schrieb der Schauspieler heute in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, nur im Internet auf der Website ulmen.tv zu sehen sein – der erste Trailer dürfte Ulmen-Fans bereits erfreuen.

Ulmens Reality-Comedy machte vor drei Jahren allerdings zunächst negative Schlagzeilen: Nach nur einer Folge ließ ProSieben die Sendung vorläufig absetzen, ehe die Initiatoren mit einer Petition das Format wieder ins Programm hievten – das war so außergewöhnlich, dass die Sendung sich immer mehr Zuschauern erfreute.

Fremdschämen und Nerventortur: Ulmen war gnadenlos

Christian Ulmen. Foto: PromiPranger.de

Christian Ulmen. Foto: PromiPranger.de

Was die Zuschauer da genüsslich ertragen mussten, war Fremdschämen nonstop: Ulmen verbrachte ein Wochenende mit ahnungslosen Gastgebern, denen er 10.000 Euro Belohnung versprach, wenn sie in dieser Zeit mitspielten und behaupteten, der Charakter sei ihr neuer Freund. Ob asozial, dümmlich, arrogant oder einfach nur unerträglich: Ulmen spielte Zeitgenossen, mit denen niemand auch nur eine Sekunde Lebenszeit freiwillig verbracht hätte. Mit grausamer Disziplin und absolut unbestechlich traktierte er seine Gastgeber dermaßen, dass die nicht selten vorzeitig aufgaben und die Nerventortur beendeten. Ulmen zeigte ein im Fernsehen nie da gewesenes Talent zur peinlichen Spontan-Inszenierung und bewies somit, dass er ein Ausnahmetalent unter den deutschen Schauspielern ist.

Unvergessen ist beispielsweise Ulmens Auftritt als tuntiger Therapeut Veith, der seinem Opfer Andre das Wochenende zur Hölle macht: Andres bester Freundin attestiert er “schöne Brüste”, die strammen Mannschaftskollegen vom Fußball wundern sich über einen hysterisch hüpfenden Cheerleader am Spielfeldrand. Schließlich kaufen Freunde und Familie dem armen Andre sogar das unter Tränen vorgetragene Bekenntnis zur Homosexualität ab (“Ist ja nicht schlimm, es ändert sich ja nichts…”). Das war ganz großes Reality-Fernsehen.

Man darf gespannt sein: Ulmen präsentiert neue Peinlichkeiten im Internet.

Man darf gespannt sein: Ulmen präsentiert neue Peinlichkeiten im Internet.

Knut Hansen wird enttarnt – und recherchiert Schockierendes

Und das Format schrie förmlich nach einer Fortsetzung, denn die acht Folgen waren viel zu wenig (mittlerweile auch auf DVD erschienen). Die Erwartungen an die neuen Internet-Produktionen sind entsprechend hoch – doch die ersten Schilderungen Ulmens geben Anlass zur Vorfreude. So kündigt Ulmen eine perfide Doppelrolle als Knut und als Ulmen an, denn Hotelangestellte gaben “Knut Hasen” bei Google ein und entlarvten dessen wahre Identität, ohne dadurch jedoch die Dreharbeiten zu gefährden. Und was Knut Hansen bei Weizenbier über die ausländer- und schwulenfeindlichen Ansichten des damaligen Chamerau-Bürgermeisters Frieder Herold herausfand, ist hochbrisant – selbst an erzkonservativen CSU-Verhältnissen gemessen.

Mehr zu diesem Thema im Internet:

  • wunschliste.de – Christian Ulmen: “Mein neuer Freund”-Spin-Off – Web-Show mit den beliebtesten Charakteren (23. August 2008)
  • MySpass – Komplette Folgen der Serie als Video
  • Comedy Central – Die Folgen als Kurzversion
  • Absolut neutrale Mediensatire: Die FAZ sucht Undercover-Agenten

    Quelle: redbaron, STOCKXPERT

    Quelle: redbaron, STOCKXPERT

    Mit der verdeckten Recherche ist es immer das Gleiche: Wie man es auch anstellt – nachher wird man dafür kritisiert. Günter Wallraff sagt immer, er habe Missstände aufdecken wollen, die ihm ansonsten verborgen geblieben wären. Im ersten Semester hat sich der FAZ-Journalist Oliver Jungen in unseren Studiengang geschlichen. Beziehungsweise in drei Lehrveranstaltungen des Studiengangs, die alle an einem Tag stattfanden. Daraus hat er sich ein Gesamturteil über unsere Dortmunder Journalistik zusammengewurschtelt.

    Die Empörung der betroffenen und angeblich falsch zitierten Bachelor-Erstis war groß, fast schon peinlich groß (siehe Kommentare). Denn die Defizite der Recherche lagen auf der Hand:

    • Repräsentative Aussagen über einen Studiengang erreicht man nicht durch stichprobenartige Besuche von beliebig ausgewählten Lehrveranstaltungen.
    • Die Zitate dürften allenfalls sinngemäß wiedergegeben sein. Schließlich hatte der gute Herr Oliver Jungen nicht die Möglichkeit, sich Notizen zu machen. Versteckte Mikrofone schließe ich aus – der faule Autor hätte sich niemals die Mühe gemacht, die Aufnahmen auszuwerten.
    • Voreingenommenheit ist eine Zierde. Dass der Autor es nicht geschafft hat, ein aktuelles Vorlesungsverzeichnis auszudrucken und den richtigen Raum zu finden, ist symptomatisch für die Arbeitsweise des Herrn Jungen. Resultat: Verdammt schlechte Laune. Auch hatte er ganz offenkundig null Bock auf das frühe Aufstehen und die Universität im Allgemeinen, wie er bereits in der ersten Passage seines Berichts zugibt.

    Ich habe mich damals jeder ernsthaften Kritik enthalten – dazu bin ich viel zu cool. Solch eine journalistische Provokation verdient nur eins: Satire. Allen seriösen Journalisten mit investigativen Ambitionen sei also die folgende Stellenanzeige ans Herz gelegt.

    Journalistik: Rechtfertigungsversuche eines Kanalarbeiters

    Ich habe es nicht leicht. Wenn mich jemand nach meinem Studiengang fragt, nehme ich all meine Kraft zusammen, hole tief Luft und sage: “Journalistik“. Was dann folgt, läuft immer nach dem selben Schema ab, die Reaktionen sind immer die gleichen: “Was is das denn?!” – “Willste Journalist werden oder wie?!”

    Das Problem ist nicht einmal, dass die Leute sich nichts unter so einem Nischen-Studiengang vorstellen können – sie erahnen zumindest, dass es etwas mit Journalismus zu tun haben muss. Hätte ich “Jura”, “Medizin” oder “BWL” gesagt, wären sie zufrieden gewesen. Sie unterstellen, Journalist könne ja jeder werden – das stimmt. Und dass man dafür keine Ausbildung benötige – da bin ich anderer Meinung.

    Journalisten: Diese widerlichen Faktenverdreher!

    Das Problem liegt ganz woanders: Journalisten haben einen sehr schlechten Ruf. Und dass jemand an die Universität geht, um dort zum widerlichen Reporter ausgebildet zu werden, macht die Leute tatsächlich aggressiv. Journalisten sind ja im Volksmund die, die so lange rumschnüffeln und blöde Fragen stellen, bis sie sich ihre “Wahrheit” zurecht recherchiert haben. Das sind verlogene, schmierige und hinterhältige Empathie-Heuchler, die für eine gute Story auch ihre Oma verkaufen würden.

    Ein Jurymitglied der Studienstiftung reagierte im Bewerbungsgespräch spontan so: “Aha, Sie studieren also … ähm … Journalistik. Jetzt sagen Sie mal: Jedes Mal, wenn ich Journalisten was erzähle, schreiben die was ganz Anderes in die Zeitung, lauter Unsinn. Warum machen die das?!” Mein Gegenüber schien geradezu erbost über meine Studienwahl und unterstellte mir gleich schlechte Manieren. Kein Wunder, dass die FAZ die Bachelor-Studenten der Journalistik als “Kanalarbeiter” bezeichnet hat.

    Fakten: Warum es sich lohnt, in Dortmund anzuheuern

    Journalistik hört sich nach Beliebigkeit an, nach Schwammigkeit, nach Verlegenheitswahl und Pillepalle. Das stimmt nicht. Ich kann nur immer wieder die Vorzüge des Dortmunder Journalistik-Studiums betonen (siehe Studienführer):

    • Praxisnähe: Wir sind keine verstaubten Theoretiker, die nach dem Studium unvorbereitet in die Berufswelt stolpern. Wer nach Dortmund kommt, hat bereits ein Minimum an journalistischer Erfahrung. Unsere Lehrredaktionen sowie zahlreiche praktische Veranstaltungen und Projekte sorgen dafür, dass man den Bezug zur Arbeitsrealität nicht verliert. Darüber hinaus werden über das Institut für Journalistik viele Praktikumsplätze und Jobangebote vermittelt.
    • Integriertes Volontariät: Nach vier Semestern geht es ins einjährige Volontariatspraktikum bei einem unserer zahlreichen Kooperationspartner – Tageszeitungen, Radiosender, Fernsehredaktionen sowie Nachrichtenagenturen halten hochkarätige Volo-Plätze für die Dortmunder Studenten bereit.
    • Vielfältige Lehrveranstaltungen: Ein breit gefächertes Angebot an unterschiedlichen Vorlesungen und Seminaren sorgt dafür, dass sich jeder sein eigenes Fachgebiet suchen kann. Kommunikationswissenschaften, Medienökonomie, Medienrecht und journalistische Vermittlung sind nur einige Beispiele.
    • Guter Ruf: Das IfJ genießt nicht nur im Ruhrgebiet einen guten Ruf. Ein solider Abschluss und praktische Erfahrungen signalisieren dem Arbeitgeber, dass man den Willen und das Zeug zum Journalisten hat. Hier sprach die FAZ hämisch vom “Dortmund-Stempel”.

    Aber: Journalist sein ist kein Wunschkonzert!

    Dass man deswegen aber automatisch eine Festanstellung als Redakteur bekommt, soll jetzt keiner glauben. Man sollte nicht nur zeitlich und geographisch flexibel arbeiten können, um sich auf dem Markt über Wasser zu halten. Eine böse Erinnerung habe ich an das erste Semester, als wir im Fach Medienökonomie die Vorzüge der Künstlersozialkasse für freie Journalisten kennen lernen durften. Auch empfahl der Dozent, sich bei der VG Wort anzumelden: “Wenn Sie als Redakteur viel schreiben, können Sie damit jährlich mehrere hundert Euro rausschlagen.” Festanstellung und Tarifbezahlung sind in den Redaktionen die Ausnahme geworden – da hilft auch der “Dortmund-Stempel” nicht weiter.

    Zynismus und Galgenhumor sind also unbedingte Voraussetzung für ein Journalistik-Studium, wenn man sich trotz des guten Abiturs auf das Wagnis des Medienberufes einlassen will. Aber nur wer wagt, der gewinnt!

    Mehr zu Medien-Studiengängen im Internet:

  • Zeit Online – Irgendwas mit Medien: Studienfächer wie Publizistik sind begehrt (15. Mai 2008)
  • Journalismus.com – Journalismus an der Uni
  • medienstudienfuehrer – Die Suchmaschine der Medienmöglichkeiten
  • studieren.de – Journalismus: Berufsziel Journalist
  • Wenn Opa zum Controller greift: Senioren erobern die Videospiele-Welt

    Quelle: dbvirago, STOCKXPERT

    Quelle: dbvirago, STOCKXPERT

    Wer sich in diesen Tagen auf der Videospielemesse Games Convention umsieht, darf sich über ältere Gesichter nicht wundern. Denn allmählich entdecken Deutschlands Senioren die Videospiele für sich: Laut einer aktuellen Erhebung des BITKOM spielt bereits jeder zehnte Deutsche jenseits der 50 Videospiele – Tendenz steigend. Der demografische Wandel wirkt sich also auch auf den digitalen Unterhaltungsmarkt aus. So will die Branche künftig mehr auf die Bedürfnisse der älteren Generation eingehen, deren Macht am Markt noch erheblich zunehmen wird.

    “Gaming ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen”

    Die Zeiten, in denen das Zocken am Bildschirm gesellschaftlich geächtet war, scheinen jetzt endgültig vorbei zu sein: “Gaming ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen”, befindet BITKOM. Erst vor acht Tagen vermeldete der Bundesverband der Entwickler von Computerspielen seine Aufnahme in den Deutschen Kulturrat. Dort, wo sich bislang Vertreter von Literatur, Kunst und Musik trafen, werden künftig also Spieleentwickler mit am Tisch sitzen. “Finde ich gut, ein weiterer Schritt Richtung Akzeptanz von Computerspielen in der Gesellschaft”, kommentiert ein Besucher des GameStar-Portals in einer hitzigen Debatte die Entscheidung.

    Es herrscht Goldgräberstimmung in der Branche. Das Interesse an Videospielen wächst stetig und beschäftigt nun auch ganze Forschungslabors: An der Berliner Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin werden neue Spielekonzepte entwickelt. Dafür hat man dem “gameslab” bis 2011 Forschungsgelder in Höhe von 2,2 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Und während erste Studien zur grassierenden Computerspielsucht auftauchen, machen sich die Entwickler zunehmend Gedanken, wie sie auch ältere Menschen vor die Mattscheibe locken können.

    Das digitale Zocken wird in Deutschland immer beliebter. Quelle: BITKOM, Ipsos

    Das digitale Zocken wird in Deutschland immer beliebter. Quelle: BITKOM, Ipsos

    Eine unerforschte Zielgruppe mit viel Potenzial

    Quelle: Andre Veron, stock.xchng

    Quelle: Andre Veron, stock.xchng

    Zwar ist man sich mittlerweile der zunehmenden Bedeutung der Senioren für die Computerspielbranche bewusst, wie ein Diplom-Ingenieur auf dem Seniorenportal SenCity schreibt. Repräsentative Studien fehlen aber noch. Darüber wundert sich Julia Becker in ihrer Diplomarbeit “Ältere Menschen und Computerspiele”, zumal Senioren als passionierte Akteure bei Gesellschafts- und Brettspielen bekannt seien: “Verwunderlich ist daher auch, dass bis vor kurzem Senioren als mögliche Zielgruppe für die Computerspielindustrie weitgehend außer Acht gelassen wurden, hat diese Zielgruppe doch ein denkbares Spielinteresse, genügend Zeit und Geld.”

    Einen Versuch für die ansatzweise Erforschung von Spielevorlieben der Generation 50 Plus hat das Leipziger Team von “Senioren ans Netz” 1999 gestartet. In einem Forschungsprojekt wurden alte Menschen vor die Daddelkiste gesetzt und zu 28 unterschiedlichen Spielen befragt. Dr. Herbert Grunau, Mitglied des Forschungsteams, schreibt dazu: “Lehnten zu Beginn die Senioren fast vollständig diese für Jugendlichen programmierten Softwareangebote ab, so entwickelten sie im Laufe des Projektes nicht nur eine beachtliche Kompetenz in dieser für sie neuen Erlebniswelt, sondern sie nutzten diese Beschäftigung auch, um im Laufe der Zeit verschüttet gegangene Spielfreude wieder zu entdecken und als beglückend zu empfinden.” Computerspiele weckten also neue Vitalität bei den Senioren. “Wer nicht spielt, verzichtet auf Vielfalt”, befindet der Wissenschaftler.

    Jung und Alt beim Zocken: Die Alten zeigen den gleichen Spieltrieb vor dem Bildschrim.

    Jung und Alt beim Zocken: Die Alten zeigen den gleichen Spieltrieb vor dem Bildschrim.

    Senioren zeigen Spaß am Zocken – und an der virtuellen Gewalt

    Wie brereitwillig sich die älteren Testpersonen auf das Experiment einließen, zeigen beispielsweise die Kommentare zum PC-Spiel Dune 2000: “Als negativ habe ich die futuristischen Namen empfunden, aber das ist wohl bei den Spielen so üblich.” Ein anderer Testspieler freut sich über die Speicherfunktionen, die für die jüngere Generation selbstverständlich sein dürften: “Es ist angenehm, daß der Spielstand gespeichert wird und einfach wieder aufgerufen werden kann.”

    Aber sind wirklich alle Spiele für die Senioren geeignet? Gut gemeinte Spiele-Listen, wie sie im Internet zu finden sind, helfen da nicht weiter. Wie sieht es zum Beispiel mit brutalen Action-Spielen aus? Unter dem Punkt “Moralische Bedenken” schreiben die Wissenschaftler: “Dies trifft in gewisser Hinsicht auch auf die einerseits explizit formulierte Ablehnung gewaltverherrlichender Adventures zu, die aber andererseits auf die Senioren eine unbestreitbare Anziehungskraft ausübten.”

    Während Eltern sich also über die Gewaltdarstellungen in den Spielen ihrer Kinder aufregen, scheinen Senioren denselben gewissen Reiz zu verspüren wie zockende Teenager. Unterstützt wird diese provokante These auch durch einen Spieleabend an der XBOX-Konsole, den die Jugendzeitschrift Spiesser mit Senioren veranstaltet hat. Im Wrestling durften sich die Rentner virtuell duellieren – und waren zeitweise fasziniert. Renate sagt über ihren virtuellen Charakter: “… Außerdem hat er die richtige Größe um dem anderen in die Magengrube zu rennen.”

    Die Japaner setzen Trends: Nintendo Wii ist der Seniorenliebling

    Glaubt man den aktuellen Markt-Trends, so sollen digitale Spielvergnügen auch dazu dienen, das Gehirn der Senioren fit zu halten. Als Vorreiter darf hier die japanische Firma Nintendo gelten, die mit “Brain Training” für die tragbare Spielkonsole einen Verkaufsschlager entwickelt hat, der viele Senioren fasziniert.

    Nicht nur mit Gedächtnisjogging, sondern auch mit ihrer Bewegungs-Konsole Wii haben die Japaner bei den Älteren voll ins Schwarze getroffen. Denn seit die Wii neben den handlichen Bewegungs-Controllern auch über andere Eingabegeräte verfügt, auf denen der Spieler seine Fitness trainieren soll, bietet sich das Konsolen-Zocken als Anternative zur Rheuma-Gymnastik an.

    Seniorin mit Wii-Controller: Digitale Begeisterung im Altenheim.

    Seniorin mit Wii-Controller: Digitale Begeisterung im Altenheim. Quelle: wii-senioren.de

    So hat die Spielereihe “Wii Sports” dank zweier Münchner Studenten den Sieguszug durch die Altersheime angetreten. Die beiden organisierten in Kooperation mit dem Roten Kreuz die erste virtuelle “Wii Sports Bowling Seniorenmeisterschaft“. Auf ihrer Deutschland-Tour möchte das Konsolen-Team bis Jahresende in elf deutschen Städten Station machen. Das Projekt kommt nicht nur bei den Senioren gut an, die leidenschaftlich die Bownling-Kugel rollen lassen. Auch Sportlehrer loben den neuen Trend zum bewegungsgesteuerten Spielevergnügen. Nach ihrer ersten Bowlingpartie sagt Erna W. aus Delmenhorst: “Das ist ja besser als Nordic Walking” (stern.de).

    Mehr zu diesem Thema im Internet:

  • Seniorenland News-Blog – Senioren lieben Computerspiele (13. Juni 2008)
  • Der Spiegel – Videospiele: Silbergraue Marktmacht (22. März 2008)
  • wii-senioren.de – Senioren an die Konsole!
  • Deutsche Olympia-”Versager”: Medien vergreifen sich im Ton

    Schmähkritik: Die Welt Komapkt versagt bei der Wortwahl.

    Schmähkritik: Die Welt Komapkt versagt bei der Wortwahl.

    Ein Glück: Mittlerweile haben sich die deutschen Olympia-Teilnehmer im Medaillenspiegel auf Platz drei verbessert. Die Nation darf also wieder aufatmen – nach einer Woche, in der die deutschen Medien nicht mit Kritik und Hähme gespart haben, wenn es um die mittelmäßigen Leistungen der deutschen Sportler ging. So bezeichnete zum Beispiel die Berliner Morgenpost den deutschen Olympia-Einstand als “Fehlstart”.

    Auf die Niederlage folgt die mediale Demütigung

    Noch viel deutlichere Schmähkritik war von der Welt Kompakt zu hören, die am vergangenen Mittwoch deutsche Athleten ungeniert und gleich dreifach als “Versager” bezeichnete (siehe Foto). Es müsste schon sehr schlecht um unseren Sport stehen, wenn Deutschland tatsächlich Versager nach Peking schickt, die sich dort immerhin mit den Besten der Welt messen. Angesichts solcher verbaler Entgleisungen stellt Peter Hahne im Interview mit dem Tagesspiegel fest: “Es ist einfach verlogen, Erwartung und Empörung von denselben Kollegen zu lesen/hören.” Soll heißen: Die Sportjournalisten, die am Anfang die Messlatte am höchsten legen, dürfen sich bei ausbleibendem Medaillen-Regen auch am hysterischsten empören.

    Die Deutschen sind medaillensüchtig

    Dass wir Deutsche nie zufrieden sind, ist altbekannt. Dass wir täglich in Funk und Fernsehen gegen Doping wettern und fairen Wettbewerb fordern, klingt dagegen recht verlogen. Denn wer einen sauberen Sport fordert, muss es auch akzeptieren, wenn man mal nicht Tabellenführer ist. Wir sollten uns im Gegenteil eher freuen, dass wir nicht unter den Ersten sind: Das zeigt doch, dass unsere Sportler wirklich fair in den Wettkampf gehen. Mit Jan Ullrich waren die deutschen Medien sehr zufrieden, solange er Spitzenleistungen zeigte. Bis dann die große Doping-Blase geplatzt ist – peng! Da schauten auch die deutschen Medien recht dumm aus der Wäsche, weil sie jahrelang einen Dopingsünder hochgejubelt hatten.

    Foto: Ruben Joye, stock.xchng

    Foto: Ruben Joye, stock.xchng

    Und dass ihr uns ja aufs Treppchen lauft…

    Abgesehen davon ist der Medaillenspiegel durchaus umstritten. Solange die Deutschen den Platz direkt hinter den Großmächten China und USA einnehmen, werden die Berichterstatter gnädig mit ihren Athleten sein. Sobald aber wieder eine Flaute droht, dürfen sich die Sportler warm anziehen. Vielleicht sollte stattdessen mal ein gutes Stück Gelassenheit einkehren – so, wie es die Süddeutsche Zeitung angesichts der “Medaillen-Depression” in ihrer TV-Kritik gefordert hat: “Womöglich gewinnen wir fast überhaupt keine Goldmedaillen, dann müssen wir trotzdem weiterleben!”

    Mehr zu diesem Thema im Internet:

  • Zeit Online – Heike Henkel im Interview: “Schraubt die Erwartungen runter!” (11. August 2008)
  • Stuttgarter Zeitung online – Die Gier nach Rekorden: Zu hoch, zu schnell, zu stark? (4. August 2008)
  • Spiegel Online – Medaillendürre: Hör mal, liebe ARD! (19. September 2000)
  • Manipulieren bis zur Perfektion: China ist Olympiasieger im Verheimlichen

    Quelle: key909, http://www.stockxpert.com/

    Quelle: key909, http://www.stockxpert.com/

    Wer vor acht Tagen die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele verfolgt hat, mag sich gewundert haben: Der Applaus der chinesischen Zuschauer kannte keine Grenzen – während eine Mannschaft nach der anderen ins Stadio einzog, klatschten die Chinesen gleichbleibend weiter. “Die müssen wohl klatschen, sonst werden sie festgenommen”, war mein Kommentar dazu – Gastfreundlichkeit per Verordnung, so die zynische Vermutung.

    Ganz so falsch war diese Einschätzung gar nicht. Denn drei Tage später verkündete die Nachrichtenagentur dpa, es gebe in den Stadien eine Jubel-Vorschrift. Die Zuschauer sind demnach angehalten, Fairness auch beim Applaudieren zu zeigen. All das findet wohl auf einer freiwilligen Ebene statt – aber wer weiß schon, was passiert, wenn man den Jubel ostentativ verweigert?

    Großartiges Feuerwerk – nachträglich reingeschnitten

    Quelle: © Louis Bebbi / PIXELIO

    Quelle: © Louis Bebbi / PIXELIO

    Bereits vor den Spielen wusste jeder, dass die Chinesen absolute Perfektionisten sind. Und was nicht perfekt funktionieren kann, wird eben perfekt inszeniert: So wurde vor einer Woche bekannt, dass die chinesische Regie die Live-Bilder von der Eröffnungsfeier manipuliert hat. Eine Aktion, die von langer Hand geplant war.

    Zwar ging es dabei nur um ein Feuerwerk. Dass an den Eröffnungsfeierlichkeiten aber noch viel mehr faul war, kam wenig später ans Licht: Weil sie offenkundig nicht hübsch genug war, musste eine kleine hässliche Sängerin einer hübschen Playback-Performerin die Bühne überlassen. “Auf Drängen eines Politbüromitglieds sei das Mädchen in letzter Minute ausgetauscht worden”, heißt es dazu auf Spiegel Online.

    Minderheiten-Kultur stellvertretend vorgeführt

    Das vorerst letzte Täuschungskapitel ist die Trachten-Posse, bei der Kinder zwar in den Gewändern der chinesischen Volksminderheiten auftraten, aber keineswegs diesen auch angehörten. Auch berichtet Spiegel Online, während der Proben zur Eröffnungsfeier sei eine Frau schwer verletzt worden.

    Heimlichtuerei im Reich der Mitte

    Das Skandalöse ist nicht, dass all diese Dinge geschehen sind, sei es mit Absicht oder wegen organisatorischer Mängel. Das Problem ist eher, dass China all dies unter der Decke hält, als hinge die vaterländische Ehre davon ab. Wie viele Geheimnisse, Manipulationen und Inszenierungen warten noch darauf, rein zufällig entdeckt zu werden?

    Eins steht jetzt schon fest: China ist Olympiasieger im Verheimlichen. Und damit alles unter der Decke bleibt, sind den Verantwortlichen auch die drakonischsten Strafen recht: Wer bei den Proben zur Auftaktfeier anwesend war, musste eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben. Nichts von der Feier sollte vorab nach außen dringen. Bei Zuwiderhandlung drohten bis zu sieben Jahre Gefängnis.

    Twitter meets newspaper: Die Redaktionen zwitschern sich eins

    Heute hat die Welt Kompakt, meine neue Abozeitung, mit der Nachricht aufgemacht (siehe Foto), sie sei im Netzwerk Twitter die beliebteste Redaktion unter den zwitschernden Newsrooms. Sie beruft sich dabei auf ein Medien-Ranking der Website medienlese.com. Zu dieser “Auszeichnung” gratuliert sogar die Mutterredaktion.

    Für alle Gestrigen: Ein fleißiger Blogger erklärt euch hier, was Twitter ist. Eigentlich lohnt eine Erklärung aber gar nicht, denn dafür ist bei Twitter kein Platz. Twitter ist kurz, schnell, mobil und in jeder Hinsicht unverbindlich – und daher sehr einfach. Und daher recht populär.

    Ja, was zwitschern sie denn?

    Obwohl 857 Tweet-Abonnenten sich für mich nicht gerade nach viel anhören – so viele wollen nämlich wissen, was die Redaktion in Berlin denn so alles daherzwitschert. Zum Beispiel gibt es fünf “Tweets” für den gestrigen Donnerstag. Da verrät ein Jemand am frühen Abend, dass man immer noch keinen Aufmacher für die Titelseite hat. Später sagt dieser Jemand, dass man mit einem Wirtschaftsthema aufmachen und dass es eine Doppelseite über Madonna geben wird. Schließlich steht da: “das twitter-vögelchen prangt auf der 1″.

    Die Message: Dabei sein ist alles. Der Mehrwehrt: Null

    Ich frage mich natürlich: Wo liegt da der Informationswert? Dass Menschen in ihrem Privatleben Twitter benutzen, um das Freundes-Rudel zu organisieren, macht Sinn. Twitter kann sogar für oppositionellen, politischen Widerstand genutzt werden, wie der clevere Twitter-Gründer im Interview erklärt.

    Auch kann sich die Redaktion sagen lassen, sie sei modern. Zur Bestärkung dieses Verdachts lassen sich auch der Handy-Code aus der Printausgabe, das redaktionseigene Video-Blog und die MySpace-Seite des Teams hinzuziehen – alles sehr “up-to-date”. Mehr aber leider auch nicht – redaktioneller Mehrwert gleich null.

    Die Konkurrenz ist etwas besser im Zwitschern

    Wesentlich interessanter finde ich das Twitter-Profil von Titanic, dem absolut weltbesten Satire-Magazin. Denn hier gibt’s nichts zu lesen, sondern es werden nur Weiterleitungen auf aktuellen Content, also echte Informationssubstanz (!), geliefert – Titanic hat nämlich einfach seinen RSS-Feed bei Twitter eingestellt. Das kann man sich mal abonnieren für den Lacher zwischendurch.

    Zeit Online, man höre und staune, hat es mit ihrem toten EM-2008-Tweet auf Platz vier des oben genannten Rankings gebracht – das sagt leider auch etwas über die Relevanz der heutigen Titelseiten-Meldung von Welt Kompakt aus: Die ist nämlich nicht vorhanden. Dafür so viel Platz auf der ersten Seite – sinnlos. Die Redaktion scheint gestern tatsächlich Probleme mit dem Aufmacher gehabt zu haben.

    Gladbecker Geiseldrama: Die Mär vom moralischen Journalisten

    Zwei Verbrecher, zwei tote Geiseln. Hunderte Journalisten, die handeln, und einige hundert Polizisten, die zuschauen. Schließlich ein Sondereinsatzkommando, das kurzen Prozess macht. Die Konstellation des Gladbecker Geiseldramas ist einfach – schwieriger ist auch 20 Jahre danach die Frage, warum es zu den zwei Toten kommen musste. In einer umfangreichen TV-Dokumentation hat der WDR gestern die Geschehnisse vom August 1988 noch einmal aufgerollt. Die Chronologie der Ereignisse ist auch bei Spiegel TV dokumentiert. Die Süddeutsche Zeitung schreibt ausführlich zum damaligen Geisel-Desaster.

    Chaos in der Einsatzleitung – mit fatalen Folgen

    Außer Frage steht, dass die Einsatzleistung bei den Verhandlungen mit den Tätern und vor allem bei der späteren Verfolgungsjagd versagt hat. Es gelang der Polizei nicht einmal, die Telefonleitung in die Bankfiliale zu sperren, sodass Journalisten in aller Ruhe mit den Geiselnehmern plaudern konnten. Eine lückenlose Abschirmung der Täter von der Öffentlichkeit hätte verhindert, dass Degowski und Rösner sich in ihren Allmachtsfantasien bestätigt sahen angesichts des enormen Medieninteresses. So aber dachten die beiden Gangster, dass ihre Waffen sie mächtig und die umlagernden Journalisten sie unverwundbar machten. Der stundenlange Stillstand der Verhandlungen führte insbesondere in Bremen dazu, dass die Täter sich gezwungen sahen die Initiative zu ergreifen und “ernst zu machen”.

    Rudelbildung: Die Journalisten im Reality-Rausch

    Außer Frage steht wohl auch, dass den Journalisten in den Tagen der Geiselnahme jegliches Gespür für die Situation fehlte. Es ging nur um eine Story, die eine Zukunft hatte angesichts der versagenden Polizei. Kriminelle, die mit der Pistole rumfuchteln, geben schließlich ein gutes Bild für die Titelseite ab. Unbeschwert und euphorisch schritten die Reporter zur Tat angesichts der Szenen, die so filmreif und gleichzeitig so verführerisch echt waren.

    Journalisten als Regisseure

    Problematisch ist nur, dass die Journalisten aktiv ins Geschehen eingriffen. Sie waren nicht Beobachter, sondern fast schon Regisseure. Das Drehbuch las sich vielversprechend, jetzt mussten die Journalisten dafür sorgen, dass es in der Story eine finale Klimax, zumindest aber ein Happy End geben würde. Auf der Autobahn wurden Polizeiwagen von Pressefahrzeugen abgedrängt. Während der Kölner Eskalation, dem Gipfel der anbiedernden Perversion in einer Fußgängerzone, reichte man den Verbrechern Kaffée und Gebäck ins Fluchtauto. Udo Röbel, damals stellvertretender Chefredakteur beim Kölner Express, lotste das Auto aus der Innenstadt – seine wahren Motive mögen vielschichtiger gewesen sein als zunächst unterstellt. Denn die Situation war im wahrsten Sinne des Wortes festgefahren: Zwei aufgeputschte, zunehmend aggressive Geiselnehmer drohten durchzudrehen – inmitten einer Traube von aufgegeilten Schaulustigen. Ein finales Blutbad in Köln wäre kein Happy End gewesen. Da war es wohl besser für alle Beteiligten, den Film wieder auf die Autobahn zu verlegen. Das Ende kam dann doch mit Schrecken – und war nur noch mit dem Teleobjektiv zu dokumentieren.

    Die Mär von der Moral

    Warum taten die Journalisten das – warum ließen sie alle Hemmungen fallen? Abgesehen davon, dass viele Journalisten keine Hemmungen besitzen, lautet die Antwort: Weil sie es konnten. Die Polizei hinderte sie nicht. Heute sagen viele, die Journalisten hätten merken müssen, wie unverantwortlich sie sich damals verhielten – zum Beispiel, als sie Rösner ausführlich interviewten oder als sie Fotos im gekaperten Bus machten. Dabei vergisst man aber, dass der praktische Journalismus in erster Linie als Handwerk, als Handlungsmechanismus verstanden wird – hingehen und einsammeln, was da ist. Das ist ein Reflex, der durch den konkurrenzbedingten Drang zur Information entsteht: Statements abgreifen, Fotos machen, Fragen stellen. Wer das beste Material sammelt, gewinnt am Schluss. Und wenn eine Geiselnahme mit freiem Zugang stattfindet, gibt es Unmengen an exzellentem Material, mit dem sich die Konkurrenz abhängen lässt. Heute wäre das keineswegs anders: Stell dir vor, es ist Geiselnahme, und keiner geht hin – ist das etwa realistisch?

    TV-Tipp:

  • Spiegel TV Special zum Gladbecker Geiseldrama: Samstag, 16. August, 22.05 Uhr bei VOX (Vorschau).

  • Mehr zu diesem Thema im Internet:

  • stern.de – Gladbecker Geiseldrama: Irrfahrt quer durch die Republik
  • Hinz & Kunzt – Lebenslinien: Udo Röbel über seine Rolle im Gladbecker Geiseldrama
  • Medienhure – Das Medienmagazin – Das Geiseldrama von Gladbeck: Medien. Mittäter. Mörder.
  • DerWesten – Im Westen – Geiseldrama Gladbeck: Kritik an Polizei
  • RP ONLINE – Geiseldrama von Gladbeck: Geiselnehmer Degowski bittet um Gnade
  • Welt Online – Geiselgangster Degowski bis 2013 in Haft
  • Digitale Datenflut: Die Netz-Neurose als Volkskrankheit

    Ich muss heute noch bloggen. Das habe ich mir vorgenommen – jeden Tag ein Eintrag, der Aktualität halber. Für die Besucher, für die Googler, für die Suchmaschinen, für das Ego. Das ist mein persönlicher Beitrag zur digitalen Datenflut, die der Spiegel in seinem aktuellen Titelthema größtenteils für “Verschmutzung” hält. Nun, verschmutzen will ich hier wirklich nichts – und vielleicht hast du ja gerade gegoogelt und freust dich jetzt, weil du genau das gefunden hast, wonach du gesucht hast: Eine selbstkritische Reflektion zum aktuellen Spiegel-Titelthema.

    Es geht um die Frage, ob das Überangebot an digitalen Informationen für den Mensch schädlich sein kann. Und ebenso platt-provokant wie die einstige Schlagzeile “Sind deutsche Schüler doof?” (es ging damals um den Pisa-Test) kommt auch dieses Titelblatt daher: “Macht das Internet doof?”

    Piep! Der fatale E-Mail-Kontrollzwang

    Als angehender Journalist ist für mich das Internet unentbehrlich geworden, ich bin tatsächlich ein “Informationsarbeiter”. Der Spiegel sagt, dass laut statistischen Erhebungen solche Personen “etwa 50-mal pro Tag” ihre E-Mails kontrollieren. Auf mich trifft das nicht zu – denn bei mir flattern die E-Mails automatisch und pausenlos ins Postfach, rund um die Uhr – dann piept’s laut. Dass es deswegen bei mir piept, kann ich nicht bestätigen.

    Digitale Zeitverschwendung – die Zeitung als Oase der Ruhe

    Der Befürchtung, man verschwende im Internet seine Zeit, muss ich aber leider Recht geben. Denn die Mails enthalten selten interessante Infos – stattdessen nur Dinge wie “Hi, ich wollte euch nur nochmal darauf hinweisen, dass das Treffen wie immer heute im Asta-Seminarraum stattfindet.” Die meisten Mails lese ich gar nicht mehr. Mit der Folge, dass ich wirklich wichtige Informationen verpasse.

    Was den Nachrichtenkonsum angeht, bin ich fast 100-prozentig auf tagesaktuelle Printmedien umgestiegen – weil News-Portale einfach zu aktuell sind; es geht tatsächlich zu schnell. Um am Ende des Tages Verlässliches im Netz gelesen zu haben, muss man ständig die Reload-Taste drücken. Das kostet Zeit und lenkt ab.

    Der Netz-Neurotiker: In den Fängen der Prokrastination

    Apropos Ablenkung: Wer zur Spezies der “Digital Natives” gehört und ständig googelt, SMS schreibt, E-Mails sichtet und telefoniert und dabei wieder auf sein Postfach schielt, der verliert seine Prioritäten aus den Augen. Das ist das Schicksal derer, die mit dem weltweiten Netz groß geworden sind. Permanente Frage: Was wollte ich noch gerade machen – und ist das überhaupt so wichtig? Der Spiegel nennt das Stichwort, das die heutige Studentengeneration nur allzu gut kennt: Prokrastination, das zwanghafte Aufschieben von anstehenden Aufgaben. Dass der digitale Dschungel dieses Aufschieben unterstützt, weiß jedes StudiVZ-Mitglied. Auch ich hätte Besseres zu tun als jetzt hier zu bloggen – zum Beispiel könnte ich das Buch über Prokrastination lesen, das ich mir neulich gekauft habe. Aber morgen ist ja auch noch ein Tag…

    So stecke ich in einem verflixten Dilemma. Ich werde von der Informationsflut mitgerissen. Ich bin Informationsarbeiter und kann gar nicht abschalten: Ein Arbeitstag ohne E-Mail ist undenkbar (piep: schon wieder zwei E-Mails…). Wie soll ich recherchieren ohne Suchmaschine, Hausarbeiten schreiben ohne den Online-Duden? Wie soll ich meine Ausarbeitung schreiben ohne die StudiVZ-Community zu fragen, worüber wir denn überhaupt schreiben sollen. Wie soll ich mich ohne Handy zum Teamtreffen treffen? Und wie soll ich meinen Freunden dann sagen, dass ich auf Internet-Entzug bin und mal wieder was unternehmen will, wenn ich keine SMS mehr senden kann?

    Mehr zu diesem Thema im Internet:

  • departure Blog – David Weinberger: Information Overload ist ein Business-Modell
  • ReadWriteWeb.com – Info Overload: The Problem
  • Das Kulturmanagement Blog – Der Kampf gegen die Informationsflut
  • Spiegel Online – Bürowelt: Arbeitshindernis Technik
  • Medien Monitor – Redaktionsblog: Im Netz verheddert
  • Positives aus China: Zeitungsmarkt wächst rasant – trotz Zensur

    Die Chinesen sind fleißige Zeitungsleser, und der Boom auf dem Markt hält an. Das ist aus den jährlichen Berichten der World Association of Newspapers (WAN) zu entnehmen. Chinas Zeitungsmarkt ist nach Zahlen aus dem Jahr 2007 der weltweit größte: Im Reich der Mitte wurden demnach pro Tag 107 Millionen Zeitungsexemplare verkauft. Bei der Presse-Reichweite konnten die Bezahlzeitungen gegenüber 2002 einen Zuwachs von über 20 Prozent verzeichnen.

    Steigende Zeitungsvielfalt, intensive Lektüre

    In Asien steigt seit fünf Jahren die Zahl der Zeitungen, die man für Geld haben kann. In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ist heute in einem beeindruckenden Bericht des chinesischen Journalismus-Studierten Luo Lingyuan zu lesen: “In den vergangenen zwanzig Jahren sind so viele neue Zeitungen gegründet worden, dass man von einem regelrechten Boom sprechen kann.”

    Die Chinesen nehmen sich 20 Minuten mehr Zeit für die tägliche Lektüre als die Deutschen, und auch die Reichweite der chinesischen Presse steigt seit Jahren.

    Chinesische Presse: Weltoffen bis kritisch – aber staatlich zensiert

    Von einer vielfältigen, weltoffenen, teilweise sogar kritisch-objektiven Presse in China ist heute auf Seite acht der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zu lesen. Dass diese positive Entwicklung nicht über die Tatsache hinwegtäuschen kann, dass in China Zensur herrscht, macht ein weiterer Artikel klar: “Generell gilt, dass alles, was das Herrschaftsmonopol der Partei, das Leben der Staatsführer, religiöse Fragen sowie Tibet und Taiwan betrifft, tabu ist beziehungsweise ausdrücklicher Genehmigung bedarf.” Mark Siemons beschreibt in seinem Text anschaulich, welche “gegensätzliche Wirklichkeiten” in China für Journalisten gelten: Freiraum auf der einen, strenge Zensur und Verfolgung auf der anderen Seite. Die gelungenen TV-Beiträge vom NDR vermitteln diesen Eindruck sehr eindringlich – unbedingt anschauen!

    Mehr zu diesem Thema im Internet:

  • NDR – Dokumentation: Unbequem und unbestechlich – Chinas Kämpfer für die Wahrheit (Video in ARD-Mediathek)
  • NDR – Video: Mutig – Chinesische Reporter kämpfen gegen Zensur
  • Welt Online – Medien: Weltweit steigen die Zeitungsauflagen – leider nicht in Deutschland
  • Schweizer Presse: Zusammenfassung der “World Press Trends 2008″ der WAN
  • Chinesische Botschaft Berlin – Chinesische Presse im Aufwind