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Demand Media kommt: Deutsche Verlage suchen Billigproduzenten für Google-Futter

Sie sind kurz, verschlagwortet und passen immer haargenau auf die Suchmaschinen-Anfragen von möglichst vielen Internetnutzern: die Artikel und Videos von Ratgeber-Portalen wie Helpster und WieGehtDas.TV. Wenn es nach dem Willen der Betreiber geht, sollen hier massenhaft werberelevante Klickmonster aus der Taufe gehoben werden – die Nutzer generieren dabei genau das, wonach andere Nutzer suchen. Hauptsache, die großen Firmen fühlen sich neben den Artikeln wohl. Den großen Werbeanteil bekommt freilich der Betreiber, der lediglich die Technik zur Verfügung stellt.

Am Fließband, bitte

Wer soll das ungerecht finden? Man sei keine Manufaktur, sondern eine Inhaltefabrik, betonte jüngst Firmengründer Andre Zalbertus, der seinem deutschen Produktionsunternehmen dann auch diesen Namen gab – “Inhaltefabrik GmbH”. An Erfahrung in Sachen User-Content mangelt es dem Investor nicht. Nun will er mit seinem Portal “WieGehtDas.TV” in Deutschland nachmachen, was die hocheffiziente US-amerikanische Produktionsfirma DemandMedia bereits mit Seiten wie eHow.com erreicht hat: Möglichst viele Klicks und Werbung generieren, und gleichzeitig die Kosten gering halten. Geld verdienen mit Online-Werbung ist bekanntlich kein Zuckerschlecken.

Die Inhalte dürfen also fast nichts kosten. So wunderte es Anfang 2010 nicht, dass eine ganze Reihe von alt-etablierten Medien mal wieder das Ende des kostbaren Manufaktur-Journalismus befürchteten. Schließlich kooperiert DemandMedia in den USA bereits mit journalistischen Online-Diensten. Verlage brauchen gerade in Krisenzeiten klicksicheren Inhalt, und den liefern die Stichwort-Analysten garantiert und ohne lästige Agentur-Abos.

Anzahl der Videos mal Pauschale = Honorar

Wer sind die emsigen Fabrikarbeiter, die den Firmen ein wohliges Umfeld für ihre Werbebanner bereiten? In einem Beitrag von 3sat erklärt ein superfleißiger Highspeed-Video-Journalist, wie er in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Videos dreht und so seinen Lebensunterhalt bestreitet. Kurze Wege, kurze Einsprecher, kurz angebunden und immer auf dem Sprung. Rückfragen sind zu aufwändig, schließlich gibt Google vor, was wichtig ist.

Wer in Deutschland allerdings noch auf den Zug aufspringen möchte, sollte sich beeilen – denn der ist fast schon abgefahren. Die Verlage verfluchten das Modell, um es dann schnell zu imitieren. Die Gruppe Georg von Holtzbrinck etwa, immer wieder für Web-Experimente offen, hat kürzlich ihr eigenes Ratgeber-Klickmonster erschaffen. Und wie viel verdient der Fabrikarbeiter auf Helpster.de? Pro Beitrag gibt es pauschal zehn Euro.

Ratgeber-Portale konkurrieren mit Lokalzeitungen um das geringste Honorar

Zehn Euro klingen nicht nach viel. Aber seien wir nicht so vermessen: Mal angenommen, wir setzen die Hungerlöhne von vielen Printmedien als Maßstab, dann sind zehn Euro durchaus konkurrenzfähig. Wer als freier Mitarbeiter etwa 60 Zeilen Zeitungstext für je 15 Cent vergütet bekommt (keine Seltenheit mehr, siehe Honorarspiegel), verdient damit gerade mal neun Euro in der Redaktion. Wer aber kleine Online-Textchen für das Ratgeber-Portal produziert, kann sich zugleich die Anrufe bei Ämtern, Pressesprechern und weiteren journalistischen Quellen sparen.

Holtzbrinck wäre aber kein echter deutscher Verlag, legte er nicht höchste Maßstäbe an. So reicht allein die Bereitschaft, für eine Pauschale von zehn Euro zu schreiben, bei weitem nicht aus. Wer für Helpster die Suchmaschinen füttern will, muss laut Anmeldeformular folgendes beachten: „wichtig sind Ihr Schreibtalent, perfekte deutsche Rechtschreibkenntnisse, sowie korrekte und hilfreiche Inhalte.“ Auf dass es Google honorieren möge.