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Archiv der Artikel die mit journalismus getagged sind.

“Debatte 2.0″ bei N24: Netter Plausch statt interaktive Diskussion

Quelle: N24

Quelle: N24

Der Nachrichtensender N24 hat gestern Nacht erstmals seine neue interaktive “Debatte 2.0″ gesendet. In dem neuen Format sollen die Zuschauer das Sagen haben – in selbst gedrehten Web-Videos dürfen sie den Studiogast zur Rede stellen. Günther Beckstein machte eine gute Figur – ansonsten gehört “Debatte 2.0″ leider in die Rubrik “gescheiterte Crossmedia-Versuche”.

Leider nur ausgewählte Wortmeldungen

Die ersten Meldungen lasen sich vielversprechend. Von einem “Polit-Talk interaktiv” war die Rede – “Stellen Sie Günther Beckstein Ihre Frage per Video”. Ich hatte mich auf verwackelte, pixelige Live-Videos gefreut, erhitzte Gemüter und Bürgerpolemik. Alles vergeblich. Denn die Zuschauer mussten ihre Fragen vorab in einen MyVideo-Channel (siehe Screenshot) hochladen und darauf hoffen, dass ihre Wortbeiträge ausgewählt wurden.

Vertretungshalber musste Marc Jungnickel als Moderator für Peter Limbourg einspringen – eine schlechte Wahl, wie sich bald zeigen sollte. “Wir haben seit Wochen Ihre Fragen im Internet gesammelt”, versicherte Jungnickel dem erwartungsvollen TV-Publikum. Schaut man sich das Video-Portal mal genauer an, entdeckt man aber nur 15 Wortbeiträge von interessierten Zuschauern. Das ist keine besonders große Auswahl für eine innovative Sendung.

Der Presseclub: Das nenne ich Debatte. Quelle: Phönix

Der Presseclub: Das nenne ich Debatte. Quelle: Phönix

Verfehltes Konzept: Konservierte Userbeteiligung, null Interaktivität

Und auch das Konzept ist alles andere als interaktiv: Wenn ein Sender aufgezeichnete Videos auswählt und im Studio auf einem Display abspielt, kann kaum von einer Debatte die Rede sein. Jede Radioshow, an der sich Anrufer per Telefon beteiligen können, ist interaktiver – gutes Beispiel dafür ist die Sendung “Nachgefragt” im Anschluss an den wöchentlichen ARD-Presseclub, die auf Phönix und im Radio auf WDR 5 ausgestrahlt wird. Damit der scheinbare Bezug zum Internet nicht ganz außen vor blieb, diente bei N24 ein beigestelltes Notebook als plakative Studiodekoration.

“Jetzt ist der Moment gekommen, da wird Günther Beckstein antworten müssen”, sagt der Moderator und kündigt damit ein knallhartes Verhör an. Was folgt, ist eine nette Plauschrunde: Beckstein geht nicht auf die Fragen der User ein und spult nur seine politischen Programmstatements ab. Eine Zuschauerin fragt, ob Herr Beckstein denn Willy Brandts Kniefall erklären könne – das ignoriert der Gast einfach und nennt erst Minuten später das Stichwort “Überfall auf Polen”.

Ein zahmer Moderator interviewt den Stichwortgeber

Ein viel zu zahmer Moderator führte ein viel zu freundliches Interview. Quelle: N24

Ein viel zu zahmer Moderator führte ein viel zu freundliches Interview. Quelle: N24

Apropos Stichworte: Der freundliche Moderator ist dermaßen zahm, dass der CSU-Politiker minutenlang uneingeschränkt über seine Ansichten referieren darf, anstatt sich rechtfertigen zu müssen. “Sie haben gerade das Biertrinken als Stichwort gegeben”, sagt Jungnickel, lehnt sich zurück und lauscht fasziniert dem Stichwortgeber. Ansonten bringt der Moderator zusätzliche Aspekte ins Gespräch ein und präsentiert sein Allgemeinwissen, widerspricht aber nicht und hakt kaum nach – das ist keine Polit-Debatte, sondern ein gemütliches Palaver. Da wundert es dann auch niemanden mehr, wenn Gast und Journalist gemeinsam abschweifen und sich über überfüllte Oktoberfest-Zelte amüsieren. Später darf Beckstein die einzelnen SPD-Spitzenpolitiker der Reihe nach kritisieren – über Minuten führt er einen Monolog, der nichts Neues transportiert. Wie war nochmal der N24-Slogan – “Wir kommen zur Sache”?

Die Redeanteile des Moderators überwiegen im Vergleich zu den kurzen Videos – kein Wunder bei so wenigen Zuschauerfragen. So wird die interaktive Show zum gewöhnlichen Interview, denn in 30 Minuten Sendezeit kommen nur neun Zuschauer in ihren Video-Schnipseln zu Wort. Zum Gähnen.

Konnte sich ungestört ausprechen: Der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein. Quelle: N24

Konnte sich ungestört aussprechen: Der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein. Quelle: N24

Fazit: Nichts als leere Worte

Wer eine “Debatte” kurz vor Mitternacht ausstrahlt, rechnet erst gar nicht mit hohen Quoten. Das Interesse der Webnutzer an dem neuen Format tendiert gegen null – in dem Gästebuch zur Sendung gibt es gerade mal neun Einträge. Ende August schrieb ein User: “debatte was heisst das? und wo sind den die leute die mit machen? bis jetzt nur 6 fragen von 6 personen? das is doch keine debatte”. Vollkommen richtig – für die Macher von N24 ist “Web 2.0″ wohl nur ein leeres Modewort. Und es hat auch nichts mit Crossmedia zu tun, wenn eingeschickte Videos im Studio abgespielt werden. Zum Ende der Beckstein-Selbstdarstellung sagt Marc Jungnickel: “Online kann auch was Gutes haben” – was meint er damit bloß?

Mehr zu diesem Thema im Internet:

  • FAZ.net – Medien – Fernsehkritik: Keine Fragen mehr (4. September 2008)
  • Blogpiloten.de – Möchtegern-Debatte 2.0 auf N24 (3. September 2008)
  • netzwertig.com – Politik: N24 und MyVideo wollen Debatte 2.0 (3. September 2008)
  • ring2* – N24 Debatte 2.0 – ein komplementäres Fernsehformat (3. September 2008)
  • Korrigiert: Der Spiegel zeigt sich selbstkritisch

    Foto: Nils Glück

    Foto: Nils Glück

    Positiv überrascht habe ich am Montag festgestellt, dass der Spiegel eine separate Korrekturspalte abdruckt. Laut medienlese.com besteht dieser Kasten mit der Überschrift “Korrekturen” (siehe Foto) bereits seit Mitte Juni. War es zuvor den Lesern vorbehalten, ihre Kritik in schriftlicher Form einzureichen und auf Veröffentlichung in den Leserbriefen zu hoffen, so zeigt sich der Spiegel jetzt angenehm selbstkritisch und listet seine journalistischen Fehltritte der Reihe nach auf. So heißt es dort unter anderem: “Auf Seite 126 schreiben wir, der Blitzschlag folge dem Donnergrollen – es ist natürlich umgekehrt.”

    Korrekturen fördern Qualität und Glaubwürdigkeit – akuter Nachholbedarf

    “In der Zeitung stehen doch nur lauter falsche Dinge”, so lautet die weit verbreitete Meinung bei den Lesern. Viele ärgern sich zwar über unsaubere Recherche, nur die wenigsten machen sich aber die Mühe, einen Leserbrief zu schreiben. Eine amerikanische Studie zum Korrekturverhalten im sonst so peniblen US-Journalismus hat ergeben, dass in Sachen Selbstkritik noch einiges zu verbessern ist: Nur die wenigsten Zeitungen kümmern sich um ihre eigenen Fehler und machen sie nach außen transparent. Dabei ist gerade diese selbstkritische Haltung wichtig: Der Medienwissenschaftler Scott R. Maier stellt fest, die Korrekturen hätten den “Sinn und Zweck, zur Qualitätssicherung beizutragen und Glaubwürdigkeit zu vermitteln” (NZZ Online).

    Wer nämlich gut recherchiert, kann seine Zeitung vor peinlichen Gegendarstellungen bewahren – man denke dabei nur an die großformatige Korrektur, die Bild im Fall der “Hoppel-Heide” abdrucken musste. Deutschlands auflagenstärkste Boulevardzeitung reanimierte im Juli 2006 seine Korrekturspalte, die seither kritisch beäugt wird. Als vorbildlich dürften die Berichtigungen der New York Times gelten, die selbst antiquierte Fehler noch korrigiert.

    Blogger fungieren als Watchdogs: Kollektives Medien-Mobbing

    Weil mich unter anderem schlechte Recherche von öffentlichen Medien aufregt, habe ich meinen Blog gestartet – hier kann ich meine Wut loswerden. Laut der Journalismusforscherin Susanne Fengler vom Dortmunder Institut für Journalistik liege ich damit absolut im Trend: Die Medienkritik in der Blogosphäre etabliert sich zunehmend auch in Europa (gutes Vorbild: Regret the Error). Menschen, die die Ignoranz ihrer Tageszeitung nicht mehr ertragen können, sezieren die Recherchefehler genüsslich in unzähligen Medienblogs und laden ein zum gemeinsamen Medien-Mobbing. Natürlich müssen auch die Blogger selbstkritisch sein – von wirres.net wird Spiegel-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron wie folgt wiedergegeben:

    von blogs habe er auch eine menge gelernt, nämlich vor allem einen offenen umgang mit fehlern. und da hätten die deutschen medien grossen nachholbedarf. deutsche zeitungen hätten (fast) alle keine korrekturspalte (räusper, wo ist die korrekturspalte von spon?). blogs würden diese funktion zum teil sehr gut erfüllen. „damit müssen wir umgehen lernen. blogs sind eine neue machtvolle stimme für jedermann.“

    Abgeschrieben: Schludrige Springer-Zeitungen unter sich

    Links Bild am Sonntag vom 17. August, rechts Welt Kompakt vom Folgetag: Hier sind wenigstens noch im Text große qualitative Unterschiede festzustellen. Foto: Nils Glück

    Links Bild am Sonntag vom 17. August, rechts Welt Kompakt vom Folgetag: Hier sind wenigstens noch im Text große qualitative Unterschiede festzustellen. Foto: Nils Glück

    Dass zwei Zeitungen, die im selben Verlag erscheinen, mitunter das Gleiche schreiben, ist an der Tagesordnung – die Verantworlichen nennen das in der Regel Synergie. Als die Bild-Zeitung zum Beispiel kürzlich die Flugreisen der Annette Schavan groß anprangerte, ließ auch der Aufreger-Artikel im Springer-Blatt Welt Kompakt nicht lange auf sich warten (siehe Foto). Was mich aber aufregt: Wenn die eine Zeitung von der anderen eindeutig abschreibt.

    Das Letzte von der der letzten Seite

    So durfte ich heute folgende Zeilen auf Seite 32 der Welt Kompakt lesen:

    15 000 – Das ist die Zahl der Kinder, die in Deutschland jedes Jahr Opfer von sexuellem Missbrauch werden. 250 – Das ist die Zahl der polizeibekannten Sexualstraftäter – allein in Leipzig. Eine Stadt ist in Angst. Das nach dem Mord an dem kleinen Mitja eh schon traumatisierte Städtchen, wird immer verstörter.

    Ich erinnerte mich an die Bild am Sonntag vom 24. August, wo es auf der Titelseite heißt: “Es gibt jedes Jahr mehr als 15 000 (!) Fälle von sexuellen Übergriffen auf Kinder!” Auf Seite 6 der BamS heißt es: “Allein in Leipzig laufen 250 Sex-Verbrecher frei herum”.

    Links Bild am Sonntag vom 24. August, rechts Welt Kompakt vom Folgetag: Dasselbe Bildmotiv, dieselbe reißerische Wortwahl, dieselben Fakten. Foto: Nils Glück

    Links Bild am Sonntag vom 24. August, rechts Welt Kompakt vom Folgetag: Gleiches Bildmotiv, gleiche reißerische Wortwahl, gleiche Fakten. Foto: Nils Glück

    Nun kann man sich gerne vergeblich über die “faktische” Berichterstattung der Bild-Zeitung zum Fall Michelle empören. Schlimm finde ich nur, dass in der Redaktion der Welt Kompakt ein Stümper zu sitzen scheint, der Aufmachung, Wortwahl und “Faktenlage” eins zu eins von der Bild übernimmt. Zudem scheint er kein Kenner der deutschen Sprachlogik zu sein, wie der Abschluss des hochdramatisierenden Textes zeigt:

    Leipzig kann nicht schlafen, bis er nicht geschnappt ist.

    Wie wäre es mit dem Wörtchen “solange” statt “bis”? Ich zumindest kann nicht schlafen, solange die Welt Kompakt so einen Schwachsinn abdruckt – sogar die letzte Seite ist mir dafür zu schade!

    Absolut neutrale Mediensatire: Die FAZ sucht Undercover-Agenten

    Quelle: redbaron, STOCKXPERT

    Quelle: redbaron, STOCKXPERT

    Mit der verdeckten Recherche ist es immer das Gleiche: Wie man es auch anstellt – nachher wird man dafür kritisiert. Günter Wallraff sagt immer, er habe Missstände aufdecken wollen, die ihm ansonsten verborgen geblieben wären. Im ersten Semester hat sich der FAZ-Journalist Oliver Jungen in unseren Studiengang geschlichen. Beziehungsweise in drei Lehrveranstaltungen des Studiengangs, die alle an einem Tag stattfanden. Daraus hat er sich ein Gesamturteil über unsere Dortmunder Journalistik zusammengewurschtelt.

    Die Empörung der betroffenen und angeblich falsch zitierten Bachelor-Erstis war groß, fast schon peinlich groß (siehe Kommentare). Denn die Defizite der Recherche lagen auf der Hand:

    • Repräsentative Aussagen über einen Studiengang erreicht man nicht durch stichprobenartige Besuche von beliebig ausgewählten Lehrveranstaltungen.
    • Die Zitate dürften allenfalls sinngemäß wiedergegeben sein. Schließlich hatte der gute Herr Oliver Jungen nicht die Möglichkeit, sich Notizen zu machen. Versteckte Mikrofone schließe ich aus – der faule Autor hätte sich niemals die Mühe gemacht, die Aufnahmen auszuwerten.
    • Voreingenommenheit ist eine Zierde. Dass der Autor es nicht geschafft hat, ein aktuelles Vorlesungsverzeichnis auszudrucken und den richtigen Raum zu finden, ist symptomatisch für die Arbeitsweise des Herrn Jungen. Resultat: Verdammt schlechte Laune. Auch hatte er ganz offenkundig null Bock auf das frühe Aufstehen und die Universität im Allgemeinen, wie er bereits in der ersten Passage seines Berichts zugibt.

    Ich habe mich damals jeder ernsthaften Kritik enthalten – dazu bin ich viel zu cool. Solch eine journalistische Provokation verdient nur eins: Satire. Allen seriösen Journalisten mit investigativen Ambitionen sei also die folgende Stellenanzeige ans Herz gelegt.

    Journalistik: Rechtfertigungsversuche eines Kanalarbeiters

    Ich habe es nicht leicht. Wenn mich jemand nach meinem Studiengang fragt, nehme ich all meine Kraft zusammen, hole tief Luft und sage: “Journalistik“. Was dann folgt, läuft immer nach dem selben Schema ab, die Reaktionen sind immer die gleichen: “Was is das denn?!” – “Willste Journalist werden oder wie?!”

    Das Problem ist nicht einmal, dass die Leute sich nichts unter so einem Nischen-Studiengang vorstellen können – sie erahnen zumindest, dass es etwas mit Journalismus zu tun haben muss. Hätte ich “Jura”, “Medizin” oder “BWL” gesagt, wären sie zufrieden gewesen. Sie unterstellen, Journalist könne ja jeder werden – das stimmt. Und dass man dafür keine Ausbildung benötige – da bin ich anderer Meinung.

    Journalisten: Diese widerlichen Faktenverdreher!

    Das Problem liegt ganz woanders: Journalisten haben einen sehr schlechten Ruf. Und dass jemand an die Universität geht, um dort zum widerlichen Reporter ausgebildet zu werden, macht die Leute tatsächlich aggressiv. Journalisten sind ja im Volksmund die, die so lange rumschnüffeln und blöde Fragen stellen, bis sie sich ihre “Wahrheit” zurecht recherchiert haben. Das sind verlogene, schmierige und hinterhältige Empathie-Heuchler, die für eine gute Story auch ihre Oma verkaufen würden.

    Ein Jurymitglied der Studienstiftung reagierte im Bewerbungsgespräch spontan so: “Aha, Sie studieren also … ähm … Journalistik. Jetzt sagen Sie mal: Jedes Mal, wenn ich Journalisten was erzähle, schreiben die was ganz Anderes in die Zeitung, lauter Unsinn. Warum machen die das?!” Mein Gegenüber schien geradezu erbost über meine Studienwahl und unterstellte mir gleich schlechte Manieren. Kein Wunder, dass die FAZ die Bachelor-Studenten der Journalistik als “Kanalarbeiter” bezeichnet hat.

    Fakten: Warum es sich lohnt, in Dortmund anzuheuern

    Journalistik hört sich nach Beliebigkeit an, nach Schwammigkeit, nach Verlegenheitswahl und Pillepalle. Das stimmt nicht. Ich kann nur immer wieder die Vorzüge des Dortmunder Journalistik-Studiums betonen (siehe Studienführer):

    • Praxisnähe: Wir sind keine verstaubten Theoretiker, die nach dem Studium unvorbereitet in die Berufswelt stolpern. Wer nach Dortmund kommt, hat bereits ein Minimum an journalistischer Erfahrung. Unsere Lehrredaktionen sowie zahlreiche praktische Veranstaltungen und Projekte sorgen dafür, dass man den Bezug zur Arbeitsrealität nicht verliert. Darüber hinaus werden über das Institut für Journalistik viele Praktikumsplätze und Jobangebote vermittelt.
    • Integriertes Volontariät: Nach vier Semestern geht es ins einjährige Volontariatspraktikum bei einem unserer zahlreichen Kooperationspartner – Tageszeitungen, Radiosender, Fernsehredaktionen sowie Nachrichtenagenturen halten hochkarätige Volo-Plätze für die Dortmunder Studenten bereit.
    • Vielfältige Lehrveranstaltungen: Ein breit gefächertes Angebot an unterschiedlichen Vorlesungen und Seminaren sorgt dafür, dass sich jeder sein eigenes Fachgebiet suchen kann. Kommunikationswissenschaften, Medienökonomie, Medienrecht und journalistische Vermittlung sind nur einige Beispiele.
    • Guter Ruf: Das IfJ genießt nicht nur im Ruhrgebiet einen guten Ruf. Ein solider Abschluss und praktische Erfahrungen signalisieren dem Arbeitgeber, dass man den Willen und das Zeug zum Journalisten hat. Hier sprach die FAZ hämisch vom “Dortmund-Stempel”.

    Aber: Journalist sein ist kein Wunschkonzert!

    Dass man deswegen aber automatisch eine Festanstellung als Redakteur bekommt, soll jetzt keiner glauben. Man sollte nicht nur zeitlich und geographisch flexibel arbeiten können, um sich auf dem Markt über Wasser zu halten. Eine böse Erinnerung habe ich an das erste Semester, als wir im Fach Medienökonomie die Vorzüge der Künstlersozialkasse für freie Journalisten kennen lernen durften. Auch empfahl der Dozent, sich bei der VG Wort anzumelden: “Wenn Sie als Redakteur viel schreiben, können Sie damit jährlich mehrere hundert Euro rausschlagen.” Festanstellung und Tarifbezahlung sind in den Redaktionen die Ausnahme geworden – da hilft auch der “Dortmund-Stempel” nicht weiter.

    Zynismus und Galgenhumor sind also unbedingte Voraussetzung für ein Journalistik-Studium, wenn man sich trotz des guten Abiturs auf das Wagnis des Medienberufes einlassen will. Aber nur wer wagt, der gewinnt!

    Mehr zu Medien-Studiengängen im Internet:

  • Zeit Online – Irgendwas mit Medien: Studienfächer wie Publizistik sind begehrt (15. Mai 2008)
  • Journalismus.com – Journalismus an der Uni
  • medienstudienfuehrer – Die Suchmaschine der Medienmöglichkeiten
  • studieren.de – Journalismus: Berufsziel Journalist
  • Sicherheitsbedenken: Der Geheimdienst liest meinen Blog

    Der Geheimdienst hält im Netz Ausschau nach sensiblen Informationen über deutsche Bundeswehr-Einsätze. Quelle: markstout, STOCKXPERT

    Der Geheimdienst hält im Netz Ausschau nach sensiblen Informationen über deutsche Bundeswehr-Einsätze. Quelle: markstout, STOCKXPERT

    Seit heute weiß ich, dass ein deutscher Geheimdienst meinen Blog liest. Genauer gesagt geht es um den Militärischen Abschirmdienstes (MAD), der offenbar auf einen meiner Posts aufmerksam geworden ist. Ein in Afghanistan stationierter Soldat, über den ich in einem Artikel geschrieben hatte, sagte mir heute über ICQ:

    hey
    du nimm mal bitte deinen artikel raus, oder änder ihn zumindest so, dass nicht mehr drin steht, *****.
    musste mich heute morgen schon beim mad, dem mitlitärischen abschirmdienst, also dem geheimdienst der bw melden!
    meld dich mal

    Die entsprechend gelöschte Stelle enthält das, was der Geheimdienst als potenziell gefährdend für den Soldaten erachtet. Anscheinend ist es besser, wenn nicht zu viele Informationen über die einzelnen Personen nach außen dringen – der Sicherheit der Einsatztruppen zuliebe. Natürlich war ich im ersten Moment skeptisch. Aber da der MAD sich nicht bei mir, sondern bei dem Soldaten gemeldet hat, muss das wohl der Wahrheit entsprechen. Auch könnte mich wohl niemand zwingen, den Artikel zu ändern – ich tue es aber, weil die Information nicht wirklich wichtig ist.

    Der ISAF-Einsatz in Afghanistan: Dank Internet weitgehend öffentlich

    Was mich wundert ist, dass der Geheimdienst erst jetzt reagiert und – bei allem Respekt – dass die deutschen Soldaten anscheinend nicht ausreichend darüber informiert sind, was sie in der Öffentlichkeit preisgeben und was sie lieber für sich behalten sollten. So tummeln sich im StudiVZ unzählige Soldaten, die nicht nur über ihren Militäralltag schreiben, sondern auch jede Menge Fotos veröffentlichen. Das liefert uns Journalisten viel unmittelbares Material aus dem Einsatzgebiet. Natürlich wollen wir keine Verhältnisse wie in der US-Armee, wo bloggen den Streitkräften mitunter verboten worden ist – aber zu viel unbedachte Offenheit kann offenbar auch gefährlich werden.

    Mehr zu diesem Thema im Internet:

  • Deutsche Welle – Soldatenblogs – Informationsquelle mit Gefahrenpotenzial (19. August 2008)
  • Netzeitung – Französische Armee warnt vorm Bloggen (18. August 2008)
  • Spiegel Online – Netzwelt-Ticker: Soldat, Du sollst nicht bloggen! (30. Oktober 2006)
  • Blog TXT – Soldat, Du sollst nicht bloggen… (30. Oktober 2006)
  • Drekhead.com – US-Soldaten bloggen zuviel (31. Oktober 2006)
  • Deutsche Olympia-”Versager”: Medien vergreifen sich im Ton

    Schmähkritik: Die Welt Komapkt versagt bei der Wortwahl.

    Schmähkritik: Die Welt Komapkt versagt bei der Wortwahl.

    Ein Glück: Mittlerweile haben sich die deutschen Olympia-Teilnehmer im Medaillenspiegel auf Platz drei verbessert. Die Nation darf also wieder aufatmen – nach einer Woche, in der die deutschen Medien nicht mit Kritik und Hähme gespart haben, wenn es um die mittelmäßigen Leistungen der deutschen Sportler ging. So bezeichnete zum Beispiel die Berliner Morgenpost den deutschen Olympia-Einstand als “Fehlstart”.

    Auf die Niederlage folgt die mediale Demütigung

    Noch viel deutlichere Schmähkritik war von der Welt Kompakt zu hören, die am vergangenen Mittwoch deutsche Athleten ungeniert und gleich dreifach als “Versager” bezeichnete (siehe Foto). Es müsste schon sehr schlecht um unseren Sport stehen, wenn Deutschland tatsächlich Versager nach Peking schickt, die sich dort immerhin mit den Besten der Welt messen. Angesichts solcher verbaler Entgleisungen stellt Peter Hahne im Interview mit dem Tagesspiegel fest: “Es ist einfach verlogen, Erwartung und Empörung von denselben Kollegen zu lesen/hören.” Soll heißen: Die Sportjournalisten, die am Anfang die Messlatte am höchsten legen, dürfen sich bei ausbleibendem Medaillen-Regen auch am hysterischsten empören.

    Die Deutschen sind medaillensüchtig

    Dass wir Deutsche nie zufrieden sind, ist altbekannt. Dass wir täglich in Funk und Fernsehen gegen Doping wettern und fairen Wettbewerb fordern, klingt dagegen recht verlogen. Denn wer einen sauberen Sport fordert, muss es auch akzeptieren, wenn man mal nicht Tabellenführer ist. Wir sollten uns im Gegenteil eher freuen, dass wir nicht unter den Ersten sind: Das zeigt doch, dass unsere Sportler wirklich fair in den Wettkampf gehen. Mit Jan Ullrich waren die deutschen Medien sehr zufrieden, solange er Spitzenleistungen zeigte. Bis dann die große Doping-Blase geplatzt ist – peng! Da schauten auch die deutschen Medien recht dumm aus der Wäsche, weil sie jahrelang einen Dopingsünder hochgejubelt hatten.

    Foto: Ruben Joye, stock.xchng

    Foto: Ruben Joye, stock.xchng

    Und dass ihr uns ja aufs Treppchen lauft…

    Abgesehen davon ist der Medaillenspiegel durchaus umstritten. Solange die Deutschen den Platz direkt hinter den Großmächten China und USA einnehmen, werden die Berichterstatter gnädig mit ihren Athleten sein. Sobald aber wieder eine Flaute droht, dürfen sich die Sportler warm anziehen. Vielleicht sollte stattdessen mal ein gutes Stück Gelassenheit einkehren – so, wie es die Süddeutsche Zeitung angesichts der “Medaillen-Depression” in ihrer TV-Kritik gefordert hat: “Womöglich gewinnen wir fast überhaupt keine Goldmedaillen, dann müssen wir trotzdem weiterleben!”

    Mehr zu diesem Thema im Internet:

  • Zeit Online – Heike Henkel im Interview: “Schraubt die Erwartungen runter!” (11. August 2008)
  • Stuttgarter Zeitung online – Die Gier nach Rekorden: Zu hoch, zu schnell, zu stark? (4. August 2008)
  • Spiegel Online – Medaillendürre: Hör mal, liebe ARD! (19. September 2000)
  • Gladbecker Geiseldrama: Die Mär vom moralischen Journalisten

    Zwei Verbrecher, zwei tote Geiseln. Hunderte Journalisten, die handeln, und einige hundert Polizisten, die zuschauen. Schließlich ein Sondereinsatzkommando, das kurzen Prozess macht. Die Konstellation des Gladbecker Geiseldramas ist einfach – schwieriger ist auch 20 Jahre danach die Frage, warum es zu den zwei Toten kommen musste. In einer umfangreichen TV-Dokumentation hat der WDR gestern die Geschehnisse vom August 1988 noch einmal aufgerollt. Die Chronologie der Ereignisse ist auch bei Spiegel TV dokumentiert. Die Süddeutsche Zeitung schreibt ausführlich zum damaligen Geisel-Desaster.

    Chaos in der Einsatzleitung – mit fatalen Folgen

    Außer Frage steht, dass die Einsatzleistung bei den Verhandlungen mit den Tätern und vor allem bei der späteren Verfolgungsjagd versagt hat. Es gelang der Polizei nicht einmal, die Telefonleitung in die Bankfiliale zu sperren, sodass Journalisten in aller Ruhe mit den Geiselnehmern plaudern konnten. Eine lückenlose Abschirmung der Täter von der Öffentlichkeit hätte verhindert, dass Degowski und Rösner sich in ihren Allmachtsfantasien bestätigt sahen angesichts des enormen Medieninteresses. So aber dachten die beiden Gangster, dass ihre Waffen sie mächtig und die umlagernden Journalisten sie unverwundbar machten. Der stundenlange Stillstand der Verhandlungen führte insbesondere in Bremen dazu, dass die Täter sich gezwungen sahen die Initiative zu ergreifen und “ernst zu machen”.

    Rudelbildung: Die Journalisten im Reality-Rausch

    Außer Frage steht wohl auch, dass den Journalisten in den Tagen der Geiselnahme jegliches Gespür für die Situation fehlte. Es ging nur um eine Story, die eine Zukunft hatte angesichts der versagenden Polizei. Kriminelle, die mit der Pistole rumfuchteln, geben schließlich ein gutes Bild für die Titelseite ab. Unbeschwert und euphorisch schritten die Reporter zur Tat angesichts der Szenen, die so filmreif und gleichzeitig so verführerisch echt waren.

    Journalisten als Regisseure

    Problematisch ist nur, dass die Journalisten aktiv ins Geschehen eingriffen. Sie waren nicht Beobachter, sondern fast schon Regisseure. Das Drehbuch las sich vielversprechend, jetzt mussten die Journalisten dafür sorgen, dass es in der Story eine finale Klimax, zumindest aber ein Happy End geben würde. Auf der Autobahn wurden Polizeiwagen von Pressefahrzeugen abgedrängt. Während der Kölner Eskalation, dem Gipfel der anbiedernden Perversion in einer Fußgängerzone, reichte man den Verbrechern Kaffée und Gebäck ins Fluchtauto. Udo Röbel, damals stellvertretender Chefredakteur beim Kölner Express, lotste das Auto aus der Innenstadt – seine wahren Motive mögen vielschichtiger gewesen sein als zunächst unterstellt. Denn die Situation war im wahrsten Sinne des Wortes festgefahren: Zwei aufgeputschte, zunehmend aggressive Geiselnehmer drohten durchzudrehen – inmitten einer Traube von aufgegeilten Schaulustigen. Ein finales Blutbad in Köln wäre kein Happy End gewesen. Da war es wohl besser für alle Beteiligten, den Film wieder auf die Autobahn zu verlegen. Das Ende kam dann doch mit Schrecken – und war nur noch mit dem Teleobjektiv zu dokumentieren.

    Die Mär von der Moral

    Warum taten die Journalisten das – warum ließen sie alle Hemmungen fallen? Abgesehen davon, dass viele Journalisten keine Hemmungen besitzen, lautet die Antwort: Weil sie es konnten. Die Polizei hinderte sie nicht. Heute sagen viele, die Journalisten hätten merken müssen, wie unverantwortlich sie sich damals verhielten – zum Beispiel, als sie Rösner ausführlich interviewten oder als sie Fotos im gekaperten Bus machten. Dabei vergisst man aber, dass der praktische Journalismus in erster Linie als Handwerk, als Handlungsmechanismus verstanden wird – hingehen und einsammeln, was da ist. Das ist ein Reflex, der durch den konkurrenzbedingten Drang zur Information entsteht: Statements abgreifen, Fotos machen, Fragen stellen. Wer das beste Material sammelt, gewinnt am Schluss. Und wenn eine Geiselnahme mit freiem Zugang stattfindet, gibt es Unmengen an exzellentem Material, mit dem sich die Konkurrenz abhängen lässt. Heute wäre das keineswegs anders: Stell dir vor, es ist Geiselnahme, und keiner geht hin – ist das etwa realistisch?

    TV-Tipp:

  • Spiegel TV Special zum Gladbecker Geiseldrama: Samstag, 16. August, 22.05 Uhr bei VOX (Vorschau).

  • Mehr zu diesem Thema im Internet:

  • stern.de – Gladbecker Geiseldrama: Irrfahrt quer durch die Republik
  • Hinz & Kunzt – Lebenslinien: Udo Röbel über seine Rolle im Gladbecker Geiseldrama
  • Medienhure – Das Medienmagazin – Das Geiseldrama von Gladbeck: Medien. Mittäter. Mörder.
  • DerWesten – Im Westen – Geiseldrama Gladbeck: Kritik an Polizei
  • RP ONLINE – Geiseldrama von Gladbeck: Geiselnehmer Degowski bittet um Gnade
  • Welt Online – Geiselgangster Degowski bis 2013 in Haft
  • Crossmedia: Burda-Verlag will Bratpfannen verticken

    “Change or die.” Wer am neuen Medienmarkt überleben will, muss seine Marketingkonzepte drastisch ändern – soweit die Theorie. Doch was Burda-Vorstand Christiane zu Salm gestern in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vorgeschlagen hat, klingt richtig innovativ: Die Verlage sollen künftig kein bedrucktes Papier mehr verkaufen, sondern Bratpfannen. Und außerdem sollen sie noch Werbespots drehen.

    Im Labor zischt und brodelt es

    Die Frau hat sich etwas vorgenommen. Nur was, das weiß sie wohl noch nicht so genau, oder sie will es nicht verraten. Als neuer “Vorstand Crossmedia” des Burda-Verlags zu München muss sie experimentieren. Seit vielen Jahren basteln die Verlage in ihren Entwicklungslaboren an einem Ausweg aus der Zeitungsflaute, hin zu neuen, lukrativen Ufern im Internet. Holtzbrinck hat’s probiert mit dem StudiVZ-Aufkauf und dem hippen Nachrichtenportal zoomer. “Wir entwickeln gerade für einen Markenartikler eine neue Community”, sagt zu Salm geheimnisvoll.

    “Vorstand Crossmedia” hört sich nach jemandem an, der aus dem Journalismus kommt oder zumindest mal damit zu tun hatte. Zu diesen Personen gehört die Neue aber nicht. Sie studierte BWL und machte sich als MTV-Geschäftsführerin einen Namen. Dann machte sie aus einem Frauensender die Quizhölle 9Live – das Blatt nennt die Abzockmaschinerie einen “einträglichen Anrufsender”. Eins steht fest: Frau zu Salm ist clever und kann mit Geld umgehen.

    Verlage als Versandhändler – Journalismus adé

    Aber kann sie auch mit Verlagen umgehen? “Journalistisch gestaltete Inhalte sind sehr schwer zu refinanzieren”, sagt sie und meint damit das Internet. Online-Journalismus allein ist nicht lukrativ, weil keiner dafür Geld hergeben will. Und deshalb will sie künftig “Commerce, Inhalt und Monetarisierung zusammenbringen”. Soll heißen: Der Verlag soll in erster Linie nicht Journalismus, sondern Anzeigen und alles Mögliche verkaufen – Beispiel: “Wer dann auf die Homepage von ‘Elle klickt, kann vielleicht eine Designertasche kaufen.” Und wer auf der Homepage eines Burda-Haushaltsblättchens surft, bekommt schwups ‘ne Bratpfanne angedreht.

    So einfach ist das: Christiane zu Salm will “den Leser zum Kunden” machen. Das Burda-Produkt wird quasi Neckermann, Otto, MediaMarkt und Frauenzeitschrift in Einem, und das alles hocheffizient sowie crossmedial.

    Zukunft der Verlage: Werbung über alles – Hautpsache kosumorientiert

    Denn was Crossmedia angeht, so soll die Kraft des Unternehmens künftig in der Werbeproduktion gebündelt werden: Der Verlag soll Print-Anzeigen und Online-Werbespots selbst bereitstellen, sagt Frau Crossmedia. Aufgabe des Medienerzeugnisses hinsichtlich eines beworbenen Produktes soll es sein, “Sehnsucht zu erzeugen, den Konsumenten für das Produkt einzunehmen”.

    Eins steht fest: Ich werde nicht ins Internet gehen, weil man mir auf dem Papier ein tolles Video verspricht. Mich überkommt eher ein schauriges Gefühl bei dem Gedanken, dass Redaktion, Vertrieb und Anzeigen künftig ein Bereich werden sollen. Denn ändert der Konsument (ehemals Leser) seine Vorlieben, muss ich als Journalist plötzlich nicht mehr über Politik und Kultur, sondern über Bratpfannen und Handtaschen texten.

    Mehr zu diesem Thema im Internet:

  • FTD.de – Serie: Die Zukunft der Zeitung
  • taz.de – Dossier: Die Zeitung der Zukunft
  • Kaukasus-Krieg: Amateur-Reporter an vorderster Front

    Während die Situation in Südossetien weiter eskaliert, kursieren im Internet erste Amateurvideos aus der Region. Anhand der georgisch-russischen Krise zeigt sich wieder einmal: Zwar erzeugen die vermeintlich authentischen, unzensierten Filmdokumente viel Aufmerksamkeit. Aber deren Echtheit lässt sich am Bildschirm nicht überprüfen, und die Quellenlage ist häufig unsicher.

    Umstrittenes Portal zeigt die ganze Wahrheit – wenn sie nicht gefälscht ist

    Das Videoportal LiveLeak ist führend in der Veröffentlichung von unzensiertem, teils schockierendem und daher häufig umstrittenem Videomaterial. LiveLeak publizierte unter anderem das heimlich gedrehte Video von der Hinrichtung Saddam Husseins, das laut LiveLeak-Statistiken bis jetzt fast 7 Millionen Mal aufgerufen worden ist. In Deutschland war ein LiveLeak-Video in der Tagesschau zu sehen, nachdem ein Amateurfilmer zufällig den gefährlichen Landeanflug einer Lufthansa-Maschine am Hamburger Flughafen eingefangen hatte.

    Heftige Gefechte vor der Hand-Kamera

    So sehen wir im Folgenden ein Video aus Rohmaterial, das mehrere Soldaten mit osteuropäischem Akzent während eines offenkundigen Kampfeinsatzes zeigt. Quellen sind keine angegeben, lediglich der Titel (“Raw Video : Georgia And S. Ossetia Exchange RPG And Gunfire, 6 Wounded”) enthält Informationen: Anscheinend handelt es sich bei den Kampfparteien um südossetische und georgische Truppen, die mittelschwere Munition einsetzen. Sechs Menschen sollen dabei verletzt worden sein. Der anschließende Beschreibungstext ist identisch mit Auszügen aus einem Artikel des russischen Nachrichtenportals RussiaToday und liefert keine Informationen zur speziellen Situation. Achtung: Das Video enthält Kriegsszenen und sollte nicht von Minderjährigen oder empfindlichen Personen geschaut werden!

    Ob die Aufnahmen aktuell und authentisch sind, weiß niemand. Einer der kommentierenden User fragt sich, ob das Feuer aus den Gewehrmündungen echt sei (“Anybody else think that the muzzle flashes looked faked? Maybe because of the poor quality.”).

    Nächtlicher Beschuss: Mutmaßliches Beweismaterial

    In einem weiteren Video (gepostet am 7. August nach dem ersten Video) sind Gefechtsgeräusche bei Nacht zu hören. Die anschließenden Aufnahmen am Tag dokumentieren vermutlich die Auswirkungen von Kampfhandlungen. Auch hier lassen sich dem Beschreibungstext keine spezifischen Informationen entnehmen – er scheint von einer Nachrichtenagentur zu stammen, denn etliche Internet-Newsdienste enthalten den Text. Auch der Titel (“Abkhazia To Open Up Second Front.” – “In Abchasien droht eine neue Front zu entstehen.”) bleibt sehr vage.

    Bilder vom Kriegsschauplatz

    Material von kämpfenden, vermeintlichen russischen Truppen ist im dritten Video, veröffentlicht am gestrigen Tag zu sehen: Der Text berichtet von einer Großoffensive der Russen, die die südossetischen Separatisten unterstützen. Auch sollen nordossetische Freiwillige unter den Einheiten sein: “Rocket launchers from a Russian unit 58 assist South Ossetia plus a detachment of cossacks with over 300 volunteers from North Ossetia including other regions in the fight against Georgia”. Die ersten Bilder zeigen den Absturz eines georgischen Kampfflugzeugs (“Raw : Remnants Of Georgian Fighter Plane Fall From The Sky.”). Achtung: Das Video enthält Kriegsszenen und sollte nicht von Minderjährigen oder empfindlichen Personen geschaut werden!

    Ebenfalls gestern wurden die folgenden, beeindruckend authentisch wirkenden Aufnahmen gepostet, die laut Beschreibung den Einmarsch russischer Truppen in die Region zeigen. Sie wurden in einem fahrenden Auto gemacht.

    Georgien: Jubelnde Menschen für den Frieden

    Eine Menschenkette für den Frieden ist im folgenden Video dokumentiert (“Thousands of Georgian people”). Die Aufnahmen stammen laut Beschreibung von gestern Abend und wurden im Zentrum der georgischen Hauptstadt Tiflis gemacht.

    Aktuelle Berichte aus der Region

    Bemerkenswert ist zuletzt auch die wenige Stunden alte, propagandistisch wirkende Stellungnahme des südossetischen Nachrichtenportals “Cominf.org”: Dort ist die Rede von einem “Völkermord an den Osseten”. Ein weiterer Link, den ich über Google gefunden habe, führt zum Blogpost eines Freiwilligen des US-amerikanischen Friedenskorps. Der Autor schreibt, er habe Georgien vor zwei Tagen verlassen und befinde sich sicher im Nachbarland Türkei: “I have every confidence that Peace Corps will take care of its volunteers; for me, I am safe in Turkey. We can only hope and pray that this violence does not spread further and threaten the progress for which my friends in Georgia have worked so hard.”

    Mehr zu diesem Thema im Internet:

  • FOCUS Online – LiveLeak: Videoportal für alles Extreme
  • Stuttgarter Zeitung online – Videoportale im Netz: Liveleak zeigt alles