Skip to content
Archiv der Artikel die mit internet getagged sind.

Medien-Ticker: ProSieben startet neues Online-Videoportal

Quelle: ProSiebenSat.1

Quelle: ProSiebenSat.1

München. Die ProSiebenSat.1-Gruppe hat ein neues Online-Videoportal gelauncht. Das teilte das Unternehmen gestern mit. Der Video-Service des Senders ProSieben ist bereits online, separate Online-Angebote von Sat.1 und kabel eins sollen in Kürze folgen.

Neben Web-TV-Beiträgen sollen auf der neuen Internetseite künftig komplette TV-Serien zu sehen sein. Innerhalb einer Woche nach der Ausstrahlung können Zuschauer verpasste Folgen kostenlos anschauen. Nach Angaben des Betreibers soll sich das Angebot über die Einblendung von Werbung finanzieren. Der Videoservice ist zudem angebunden an die kostenpflichtige Online-Videothek maxdome, über die der Zuschauer archivierte TV-Serien beziehen kann.

Mehr zu diesem Thema im Internet:

Medien-Ticker: Neues Jugendportal “Zeitjung” offiziell gestartet

Quelle: Zeitjung GmbH

Quelle: Zeitjung GmbH

Informationen und Unterhaltung für die Zielgruppe der 16- bis 24-Jährigen bietet ab heute das neue Portal Zeitjung.de. Dem offiziellen Launch sei eine dreimonatige Testphase vorausgegangen, heißt es in einer Pressemitteilung. Ziel der Plattform ist es, die Alltagswelt der Jugendlichen authentisch wiederzugeben.

Für das Online-Medium mit Sitz in München arbeitet derzeit nach eigenen Angaben ein offenes Team aus 22 Studenten, Auszubildenden und Schülern. Die User-Community soll aktiv in den redaktionellen Prozess einbezogen werden – so können sich Leser des Portals für eine Mitarbeit an den Inhalten bewerben.

Die verantwortliche “Die Zeitjung GmbH & Co. KG.” gehört der Münchner Werbeagentur “Das goldene Vlies” (siehe Pressemitteilung).

Mehr zu diesem Thema im Internet:

ProSieben und die Sexstudie: Anal-Empirie und Dildo-Durchschnitt

Quelle: ProSieben

Quelle: ProSieben

Was kommt dabei heraus, wenn man einen Katalog von Sexbegriffen mit Umfrage-Ergebnissen und einem Hauch von Porno paart? Richtig: Der ProSieben Sex Report 2008. Der Sender hatte vorab nicht mit großen Worten und Zahlen gegeizt: Man habe “die größte, repräsentative Untersuchung zum Thema Liebe und Sexualität, die es in Deutschland je gab” durchgeführt (siehe Pressemeldung). Heute wird die dritte Folge ausgestrahlt – dabei war es bisher schon langweilig genug.

Die Online-Umfrage der “Sexstudie”: Zweifel sind angebracht

Zweifel an der Repräsentativität der Umfrage sind berechtigt, schließlich fand die gesamte Befragung online und noch dazu anonym statt – doppelt anonym sozusagen. Und wie bereits die erste Folge des Sex-Reports erklärt, wird “nirgendwo mehr geschummelt” als beim Thema Sex. Die freiwilligen Teilnehmer wurden öffentlich und ausschließlich über das Internet angeworben (siehe Pressemeldung) – einschlägige Foren und Blogs verlinkten begeistert auf die Fragebogen-Seiten. Eine seriöse Stichprobenauswahl sieht anders aus. Da mag die Zahl der Teilnehmer noch so astronomisch sein.

Online Fragebogen: Erreicht man so Repräsentativität? Quelle: ProSieben

Online-Fragebogen: Erreicht man so Repräsentativität? Quelle: ProSieben

Ein interessantes Interview dazu hat die Fernsehzeitschrift TVdirekt mit einem der verantwortlichen Wissenschaftler gemacht. Darin behauptet Dr. Jakob Pastötter tatsächlich, man habe einen “Querschnitt der deutschen Sexualbefindlichkeit” ermittelt. Ich bezweifle, dass eine Umfrage, die ausschließlich auf einem Internet-Fragebogen basiert, dafür als Grundlage dienen kann – denn sexuell aufgeschlossene Menschen werden sich eher an solch einer Befragung beteiligen als Sozialphobiker. Und ältere Menschen besitzen seltener einen Internetanschluss als jüngere, beteiligen sich also auch seltener an solch einer Umfrage. Wie will man unter solchen Bedingungen zur Repräsentativität gekommen sein?

Die Sendung: Lautes Gestöhne zur Begrüßung

Nun zur eigentlichen Sendung. Zu Beginn der ersten Folge gibt es lautes Gestöhne auf die Ohren und nackte Tatsachen auf die Augen. “Au weia”, soll der Zuschauer wohl denken, “jetzt geht’s zur Sache”. Während die Eckdaten der “Sexstudie” vorgestellt werden, läuft im Hintergrund Synthesizer-Musik wie in einem Porno-Film.

Darsteller im Sex Report: Die "durschnittlichen" Leute sind jung und schlank

Darsteller im Sex Report: Die "durschnittlichen" Leute sind jung und schlank. Quelle: ProSieben

Hundert Probanden werden persönlich rangenommen: Sie müssen explizite Fragen zu ihrem Sexualleben explizit beantworten. Auch hier muss davon ausgegangen werden, dass es sich um besonders aufgeschlossene Menschen handelt – sie stellen also keinen Durchschnitt dar. Auffällig ist auch, wie optisch jung und gestylt die Versuchspersonen sind. Schlanke, fast makellose Körper wandeln über die Mattscheibe (eine Befragte soll sogar eine Pornodarstellerin sein). Entspricht das etwa einem repräsentativem Bild unserer alternden Gesellschaft? Wer von dem Sexleben von Senioren zumindest etwas erahnen möchte, dem sei der Kinofilm “Wolke 9″ empfohlen. Auf ProSieben lernt man nichts über die ältere Generation – das wäre ja auch ganz gegen die Jugendwahn-Tradition der Privatsender.

Aufgeschlossene Menschen plaudern indiskret und ohne Balken

Eine Bürokauffrau plaudert von ihren “Porno-Fantasien” und von der Anzahl ihrer Sexpartner – “hundert? Weiß ich nicht”. Der “Verhörspezialist” nagelt die Befragten mit dem Lügendetektor und stellt nachher richtig fest, man könne nicht immer über alles reden, “weil ich sonst vielleicht mein Gesicht vor der Gesellschaft verliere oder vielleicht auch vor mir selbst”. Da kann man nur hoffen, dass die besagte Bürokauffrau ein Ego aus Beton hat.

Gruppensex-Collage: Diskretion als Verklemmtheit verkauft. Quelle: ProSieben

Gruppensex-Collage: Diskretion als Verklemmtheit verkauft. Quelle: ProSieben

Apropos Diskretion: Der Sex-Report funktioniert nach dem Motto “Mensch, was sind wir Deutschen doch unverklemmt.” ProSieben behauptet im Vorspann, Sexualität sei öffentlich geworden. Stimmt – denn sexuelle Verrohung wurde jüngst in allen Medien und Varianten umfangreich behandelt (siehe unter anderem Bild und Spiegel TV). Dass jede individuelle Intimität vom Privaten ins Öffentliche wandert, muss aber hoffentlich nicht befürchtet werden.

Oswald Kolle und die verfehlte Sex-Revolution

Um es kurz zu machen: Der ganze Film ist öde. Begriffe wie Analsex, Oralsex oder Gruppensex lassen den aufgeklärten Zuschauer nicht mehr aufhorchen. Auch ein historischer Exkurs, in dem Oswald Kolle ein paar Worte zu den schlimmen, alten Zeiten sagen darf, fördert nichts Neues zutage. Die eigentliche Erkenntnis bleibt sogar gänzlich außen vor. So stellt der Film zwar eine “sexuelle Revolution” seit 1968 fest – und dass die Deutschen immer häufiger Sex haben. Auf der anderen Seite zeigen die Fakten: Ende der 1960er Jahre hatten die Deutschen 130 mal Sex im Jahr, heute 139 mal. Das ist gerade mal eine Steigerung von sieben Prozent – von einer echten Revolution kann also keine Rede sein.

Jugendliche mit Sex-Spielzeug: Schaulaufen der Lust statt Liebes-Ratgeber. Quelle: ProSieben

Jugendliche mit Sex-Spielzeug: Schaulaufen der Lust statt Liebes-Ratgeber. Quelle: ProSieben

Fazit: Erfrischende Widersprüche statt praktische Sex-Tipps

Eines ist jedoch positiv: Der Film ist genauso widersprüchlich wie die Sexualität selbst. Sexuelle Leistung wird bei ProSieben zur Schau gestellt, gleichzeitig heißt es: “Kein Wunder, dass sich viele Menschen inzwischen sogar bedrängt fühlen von der öffentlichen Leistungsschau sexueller Alleskönner.”

Fazit: ProSieben hat im Vorfeld mächtig die Werbetrommel gerührt. Das Springer-Blatt Welt Kompakt half sogar mit einer Aufmacher-Doppelseite mit und verkaufte das als redaktionell aufbereitete Wissenschaft. In Wirklichkeit liefert der Sex-Report aber keine neuen Erkenntnisse. ProSieben frischt das auf, was aus unzähligen Untersuchungen und aus dem Bravo-Liebeslexikon längst bekannt ist. Der Film gibt Umfrage-Ergebnisse wieder, hat aber keinen Ratgeber-Charakter und bietet deshalb für den aufgeklärten Zuschauer keinen Anreiz. Daran ändern auch die zahlreichen Softporno-Collagen nichts.

Web-Extra: Medienkritiker David Harnasch über den Sex Report 2008

Der für das Nachrichtenportal zoomer als “Meinungsmacher” arbeitende David Harnasch hat ebenfalls etwas zu dieser Fernsehsendung zu sagen:

Reaktionen in den Medien:

Reaktionen in der Blogosphäre:

Online-Werbemarkt: Allianz gegen Google? Die Zeitungsverlage formieren sich

Quelle: Vince Smith, flickr.com

Quelle: Vince Smith, flickr.com

Google will künftig mit Yahoo! auf dem Online-Werbemarkt intensiv kooperieren – zumindest in Übersee. Das macht nicht nur Politikern und Wettbewerbshütern zunehmend Sorge, sondern neuerdings auch Zeitungsverlegern. Am Montag bezog die World Association of Newspapers (WAN) offiziell Stellung gegen das Kooperationsvorhaben der beiden Werbe-Giganten (siehe Pressemitteilung).

Google könnte für die Zeitungen zum Problem werden

Wo sieht die WAN das Problem? Ganz einfach: Sie fürchtet ein faktisches Werbe-Monopol seitens Google, denn der Deal mit der Konkurrenz dürfte langfristig vor allem dem unangefochtenen Marktführer nutzen. Als Konsequenz der Kooperation dürfte nämlich das Volumen und damit die Attraktivität der Yahoo!-eigenen Werbung sinken, die nach wie vor bestehen bleiben soll. Kein Wunder, dass der Yahoo!-Aktienkurs nach Bekanntwerden der Zusammenarbeit deutlich absackte.

AdSense-Anzeigen auf der Homepage der Washington Post: Google-Werbung ist hochprofitabel für die Verlage - bleibt sie das auch?

AdSense-Anzeigen auf der Homepage der Washington Post: Google-Werbung ist hochprofitabel für die Verlage - aber bleibt sie das auch?

Weniger Konkurrenz bedeutet mehr Macht für Google, und diese Macht könnte der Konzern auf dem Anzeigenmarkt dafür nutzen, die Preise beliebig zu diktieren. Für viele Online-Ausgaben von Zeitungen liefern kontext-basierte Werbeanzeigen (wie z.B. Googles AdSense) bereits heute einen Großteil der Einnahmen. Hier befürchtet die WAN, Google könne die Auszahlungen an die Verlage verringern – und für die Verlage gäbe es im Monopolfall keine Alternative zum Google-Werbeprogramm.

Die Zeitungen könnten für Google zum Problem werden

Richtig interessant wird die Debatte aber erst durch den Hinweis der WAN auf ihr neues Rechteprotokoll ACAP, wie intern.de in einem Artikel vermutet. Demnach könnten die Verlage der Suchmaschine ihre Online-Inhalte einfach verweigern, sollte ihnen Googles Machtstellung auf dem Werbemarkt zu unheimlich werden. Dann dürfte Google ein Problem haben – denn in der WAN sind weltweit nicht weniger als 18.000 Zeitungen organisiert. Und eines kann Google gar nicht gebrauchen: Schlechte Suchergebnisse.

Mehr zu diesem Thema im Internet:

Heiß und fettig: Big Brother in der Frittenbude

Quelle: Kabel Eins

Quelle: Kabel Eins

Eigentlich müssten sämtliche Reality-TV-Formate bereits ausprobiert worden sein, denkt sich der deutsche Fernsehzuschauer – doch er hat nicht mit Kabel Eins gerechnet. Ab dem 29. September kombiniert der Sender das Beste aus “Big Brother” und “Dittsche“: Rund um die Uhr wird der Alltag in einer Magdeburger Pommesbude dokumentiert. Am späten Nachmittag werden Zusammenfassungen der Tageshighlights dann im TV zu sehen sein (siehe Pressemitteilung).

Livestream im Internet: “Abenteuer Alltag”

Abenteuer Alltag – Imbiss live” heißt die Sendung, von der es vorerst nur zehn halbstündige Ausgaben geben soll. Ein Livestream im Internet sorgt schon jetzt für die 24-stündige Fast-Food-Dröhnung. Acht Kameras fangen die Budenrealität ungeschnitten ein. “Hier ist immer Leben in der Bude!”, ließ man vorab verlauten. Das Konzept stammt vom earth television network, jener Firma, die sich mit “Earth TV” einen Namen gemacht hat und sich bestens mit unkommentiertem Live-Streaming auskennt.

Quelle: WordRidden, flickr.com

Quelle: WordRidden, flickr.com

Die Idee ist nicht neu – schließlich gilt die deutsche Imbissbude als gesellschaftlicher Treffpunkt, wo über Klassengrenzen hinaus schnabuliert werden darf. Die Frittenbude ist der Kummerkasten für das Proletariat und letzter Rückzugsort für Alltagshelden, die nur mal schnell “was in Magen” brauchen. Die Currywurst hat Tradition, ist ein Identifikationsobjekt für den Ruhrpott und Symbol deutscher Bodenständigkeit – sie fasziniert, die Wurst. Seit neuestem dreht man sogar Filme über deren nachkriegszeitliche Bedeutung – im Kino gibt es demnächst “Die Entdeckung der Currywurst” zu sehen.

Erster Eindruck: Fettig schon – aber heiß?

Heißhungrig mache ich den Schnelltest und klinke mich in den Livestream ein. Die Ladezeiten sind passabel und schon sehe ich zwei hübsche Aushilfen, die sich im Thekenbereich unterhalten. “Wir sollen nicht über interne Sachen reden”, sagt die eine zur anderen. “Was meinst du denn?” Dann wird getuschelt – leider kann ich nicht verstehen, um welche Interna es geht. Im Moment jedenfalls ist wenig los. Die Arbeitskräfte wirken nervös und überengagiert – ganz schön aufregend, wenn man die ganze Zeit gefilmt wird. “Müssen wir noch neuen Kartoffelsalat machen?”, will die eine das peinliche Schweigen brechen. Normalerweise würden sich die Damen wahrscheinlich über pikante private Dinge oder die neuesten Gerüchte aus dem Freundeskreis unterhalten – ab heute ist damit leider Schluss. “Ne, da ist noch genug von gestern da.”

"Das wahre Budenleben": Zwei Kundinnen warten auf ihre Currywurst. Quelle: Kabel Eins

"Das wahre Budenleben": Zwei Kundinnen warten auf ihre Currywurst. Quelle: Kabel Eins

Wie im echten Leben: Ernüchternd eintönig

Dann aber tut sich was. Jemand betritt die Bude. Es ist: ein Kunde! Er bestellt was – wie im echten Leben. Es brutzelt der Grill, das heiße Fett gerät in Wallung. Pommes werden verladen. Es quietscht ölig, als die Bedienung “Ketchup und Mayo” durch den Spender zwängt – mjam, guten Appetit. Dann kehrt wieder Ruhe ein – und die Außenkamera zeigt breitschultrige Männer vor der Bude, die an Stehtischen sich die Pommes einverleiben. Echt Alltag. Ein Martinshorn platzt in die gefräßige Stille.

Hier darf man den Menschen beim Essen zuschauen. Nach der fünften Portion Currywurst wird mir langsam “flau”, wie Herbert Grönemeyer in seiner Ode an die Wurst gesungen hat. Es passiert nichts Neues, das Fett brutzelt, der Ketchup-Spender quietscht. Ein Liebespaar füttert sich gegenseitig – wie niedlich. Ich wünsche mir Dittsche im Bademantel, der um die Ecke geschlurft kommt und derbe Sprüche ablässt, über die man wenigstens noch schmunzeln könnte – aber er kommt nicht.

Mehr zu diesem Thema im Internet:

“Debatte 2.0″ bei N24: Netter Plausch statt interaktive Diskussion

Quelle: N24

Quelle: N24

Der Nachrichtensender N24 hat gestern Nacht erstmals seine neue interaktive “Debatte 2.0″ gesendet. In dem neuen Format sollen die Zuschauer das Sagen haben – in selbst gedrehten Web-Videos dürfen sie den Studiogast zur Rede stellen. Günther Beckstein machte eine gute Figur – ansonsten gehört “Debatte 2.0″ leider in die Rubrik “gescheiterte Crossmedia-Versuche”.

Leider nur ausgewählte Wortmeldungen

Die ersten Meldungen lasen sich vielversprechend. Von einem “Polit-Talk interaktiv” war die Rede – “Stellen Sie Günther Beckstein Ihre Frage per Video”. Ich hatte mich auf verwackelte, pixelige Live-Videos gefreut, erhitzte Gemüter und Bürgerpolemik. Alles vergeblich. Denn die Zuschauer mussten ihre Fragen vorab in einen MyVideo-Channel (siehe Screenshot) hochladen und darauf hoffen, dass ihre Wortbeiträge ausgewählt wurden.

Vertretungshalber musste Marc Jungnickel als Moderator für Peter Limbourg einspringen – eine schlechte Wahl, wie sich bald zeigen sollte. “Wir haben seit Wochen Ihre Fragen im Internet gesammelt”, versicherte Jungnickel dem erwartungsvollen TV-Publikum. Schaut man sich das Video-Portal mal genauer an, entdeckt man aber nur 15 Wortbeiträge von interessierten Zuschauern. Das ist keine besonders große Auswahl für eine innovative Sendung.

Der Presseclub: Das nenne ich Debatte. Quelle: Phönix

Der Presseclub: Das nenne ich Debatte. Quelle: Phönix

Verfehltes Konzept: Konservierte Userbeteiligung, null Interaktivität

Und auch das Konzept ist alles andere als interaktiv: Wenn ein Sender aufgezeichnete Videos auswählt und im Studio auf einem Display abspielt, kann kaum von einer Debatte die Rede sein. Jede Radioshow, an der sich Anrufer per Telefon beteiligen können, ist interaktiver – gutes Beispiel dafür ist die Sendung “Nachgefragt” im Anschluss an den wöchentlichen ARD-Presseclub, die auf Phönix und im Radio auf WDR 5 ausgestrahlt wird. Damit der scheinbare Bezug zum Internet nicht ganz außen vor blieb, diente bei N24 ein beigestelltes Notebook als plakative Studiodekoration.

“Jetzt ist der Moment gekommen, da wird Günther Beckstein antworten müssen”, sagt der Moderator und kündigt damit ein knallhartes Verhör an. Was folgt, ist eine nette Plauschrunde: Beckstein geht nicht auf die Fragen der User ein und spult nur seine politischen Programmstatements ab. Eine Zuschauerin fragt, ob Herr Beckstein denn Willy Brandts Kniefall erklären könne – das ignoriert der Gast einfach und nennt erst Minuten später das Stichwort “Überfall auf Polen”.

Ein zahmer Moderator interviewt den Stichwortgeber

Ein viel zu zahmer Moderator führte ein viel zu freundliches Interview. Quelle: N24

Ein viel zu zahmer Moderator führte ein viel zu freundliches Interview. Quelle: N24

Apropos Stichworte: Der freundliche Moderator ist dermaßen zahm, dass der CSU-Politiker minutenlang uneingeschränkt über seine Ansichten referieren darf, anstatt sich rechtfertigen zu müssen. “Sie haben gerade das Biertrinken als Stichwort gegeben”, sagt Jungnickel, lehnt sich zurück und lauscht fasziniert dem Stichwortgeber. Ansonten bringt der Moderator zusätzliche Aspekte ins Gespräch ein und präsentiert sein Allgemeinwissen, widerspricht aber nicht und hakt kaum nach – das ist keine Polit-Debatte, sondern ein gemütliches Palaver. Da wundert es dann auch niemanden mehr, wenn Gast und Journalist gemeinsam abschweifen und sich über überfüllte Oktoberfest-Zelte amüsieren. Später darf Beckstein die einzelnen SPD-Spitzenpolitiker der Reihe nach kritisieren – über Minuten führt er einen Monolog, der nichts Neues transportiert. Wie war nochmal der N24-Slogan – “Wir kommen zur Sache”?

Die Redeanteile des Moderators überwiegen im Vergleich zu den kurzen Videos – kein Wunder bei so wenigen Zuschauerfragen. So wird die interaktive Show zum gewöhnlichen Interview, denn in 30 Minuten Sendezeit kommen nur neun Zuschauer in ihren Video-Schnipseln zu Wort. Zum Gähnen.

Konnte sich ungestört ausprechen: Der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein. Quelle: N24

Konnte sich ungestört aussprechen: Der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein. Quelle: N24

Fazit: Nichts als leere Worte

Wer eine “Debatte” kurz vor Mitternacht ausstrahlt, rechnet erst gar nicht mit hohen Quoten. Das Interesse der Webnutzer an dem neuen Format tendiert gegen null – in dem Gästebuch zur Sendung gibt es gerade mal neun Einträge. Ende August schrieb ein User: “debatte was heisst das? und wo sind den die leute die mit machen? bis jetzt nur 6 fragen von 6 personen? das is doch keine debatte”. Vollkommen richtig – für die Macher von N24 ist “Web 2.0″ wohl nur ein leeres Modewort. Und es hat auch nichts mit Crossmedia zu tun, wenn eingeschickte Videos im Studio abgespielt werden. Zum Ende der Beckstein-Selbstdarstellung sagt Marc Jungnickel: “Online kann auch was Gutes haben” – was meint er damit bloß?

Mehr zu diesem Thema im Internet:

  • FAZ.net – Medien – Fernsehkritik: Keine Fragen mehr (4. September 2008)
  • Blogpiloten.de – Möchtegern-Debatte 2.0 auf N24 (3. September 2008)
  • netzwertig.com – Politik: N24 und MyVideo wollen Debatte 2.0 (3. September 2008)
  • ring2* – N24 Debatte 2.0 – ein komplementäres Fernsehformat (3. September 2008)
  • Korrigiert: Der Spiegel zeigt sich selbstkritisch

    Foto: Nils Glück

    Foto: Nils Glück

    Positiv überrascht habe ich am Montag festgestellt, dass der Spiegel eine separate Korrekturspalte abdruckt. Laut medienlese.com besteht dieser Kasten mit der Überschrift “Korrekturen” (siehe Foto) bereits seit Mitte Juni. War es zuvor den Lesern vorbehalten, ihre Kritik in schriftlicher Form einzureichen und auf Veröffentlichung in den Leserbriefen zu hoffen, so zeigt sich der Spiegel jetzt angenehm selbstkritisch und listet seine journalistischen Fehltritte der Reihe nach auf. So heißt es dort unter anderem: “Auf Seite 126 schreiben wir, der Blitzschlag folge dem Donnergrollen – es ist natürlich umgekehrt.”

    Korrekturen fördern Qualität und Glaubwürdigkeit – akuter Nachholbedarf

    “In der Zeitung stehen doch nur lauter falsche Dinge”, so lautet die weit verbreitete Meinung bei den Lesern. Viele ärgern sich zwar über unsaubere Recherche, nur die wenigsten machen sich aber die Mühe, einen Leserbrief zu schreiben. Eine amerikanische Studie zum Korrekturverhalten im sonst so peniblen US-Journalismus hat ergeben, dass in Sachen Selbstkritik noch einiges zu verbessern ist: Nur die wenigsten Zeitungen kümmern sich um ihre eigenen Fehler und machen sie nach außen transparent. Dabei ist gerade diese selbstkritische Haltung wichtig: Der Medienwissenschaftler Scott R. Maier stellt fest, die Korrekturen hätten den “Sinn und Zweck, zur Qualitätssicherung beizutragen und Glaubwürdigkeit zu vermitteln” (NZZ Online).

    Wer nämlich gut recherchiert, kann seine Zeitung vor peinlichen Gegendarstellungen bewahren – man denke dabei nur an die großformatige Korrektur, die Bild im Fall der “Hoppel-Heide” abdrucken musste. Deutschlands auflagenstärkste Boulevardzeitung reanimierte im Juli 2006 seine Korrekturspalte, die seither kritisch beäugt wird. Als vorbildlich dürften die Berichtigungen der New York Times gelten, die selbst antiquierte Fehler noch korrigiert.

    Blogger fungieren als Watchdogs: Kollektives Medien-Mobbing

    Weil mich unter anderem schlechte Recherche von öffentlichen Medien aufregt, habe ich meinen Blog gestartet – hier kann ich meine Wut loswerden. Laut der Journalismusforscherin Susanne Fengler vom Dortmunder Institut für Journalistik liege ich damit absolut im Trend: Die Medienkritik in der Blogosphäre etabliert sich zunehmend auch in Europa (gutes Vorbild: Regret the Error). Menschen, die die Ignoranz ihrer Tageszeitung nicht mehr ertragen können, sezieren die Recherchefehler genüsslich in unzähligen Medienblogs und laden ein zum gemeinsamen Medien-Mobbing. Natürlich müssen auch die Blogger selbstkritisch sein – von wirres.net wird Spiegel-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron wie folgt wiedergegeben:

    von blogs habe er auch eine menge gelernt, nämlich vor allem einen offenen umgang mit fehlern. und da hätten die deutschen medien grossen nachholbedarf. deutsche zeitungen hätten (fast) alle keine korrekturspalte (räusper, wo ist die korrekturspalte von spon?). blogs würden diese funktion zum teil sehr gut erfüllen. „damit müssen wir umgehen lernen. blogs sind eine neue machtvolle stimme für jedermann.“

    Peinliche Politiker bei YouTube: Erste Gehversuche im Online-Wahlkampf

    Seit einigen Tagen ist die CDU mit einer eigenen Seite auf der Video-Plattform YouTube vertreten. Damit will man sich als modern präsentieren und sich auf den Online-Wahlkampf 2009 vorbereiten, wie aus einer gewohnt bescheidenen Pressemitteilung zu entnehmen ist.

    Wohlan. Dass die alt eingesessenen Parteien den Schritt ins große weite Netz wagen, ist lobenswert und mutig – schließlich dürfte jeder durchschnittliche Teenager mehr Ahnung vom WWW haben als Merkel, Beck und Co. Und steckten die Online-Ambitionen der Bundestagsparteien 2005 noch in den Kinderschuhen, so hat man sich für die nächste Wahl Großes vorgenommen.

    Das neueste Video: Einschlafen im Nominalstil

    Ich bin gespannt und schaue mir die neue CDU-TV-Seite mal an. Im aktuellen Video geht es um die “Deutschlandtour” des Ronald Pofalla, seines Zeichens Generalsekretär der Christdemokraten (das ist der mit den schnittigen Sprüchen, der immer gerne für ein streitbares Statement in die Kamera lächelt). Zunächst sehen wir den Benz-Bus, unterlegt mit triumphaler Fanfaren-Musik aus der Werbefilm-Mottenkiste.

    Ein resoluter Moderator (die CDU nennt ihn “Reporter”) trägt geordnet vor, was heute auf der Tagesordnung steht: Pofalla besucht die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Klingt nach Anwesenheitspflicht. Im anschließenden Interview mit Rainer Eppelmann, dem Vorsitzenden der Stiftung, lautet die erste Frage dieses temperamentlosen Moderators: “Was sind die hauptsächlichen Aufgabengebiete Schrägstrich Verantwortlichkeiten?” Mein lieber Markus Brauckmann, das ist eine Frage, wie sie nur ein unkreativer Öffentlichkeitsarbeiter stellen kann. Spätestens hier sind die jungen Zuschauer schon drei YouTube-Videos weiter und ziehen sich die neusten Drogen-Eskapaden von Amy Winehouse rein.

    Die Antwort Eppelmanns kommt daher wie eine barsche Reaktion auf die langweilige Frage, denn der Vorsitzende sagt mit todernster Miene: “Laut Beschluss des deutschen Bundestages…” An dieser Stelle sind auch die verbliebenen fünf Prozent der Zuschauer weg – der Nominalstil ist zum Einschlafen.

    Ein “Signal”, das in Gefälligkeitsfragen untergeht

    Der Interviewer lässt den Vorsitzenden ungestraft seinen Sermon abspulen – Cut. Dann geht die Tortur noch weiter: Was macht diesen Besuch so unsagbar spannend? Gelangweilte Blicke vom Generalsekretär und vom CDU-Mann Friedbert Pflüger, als Eppelmann lediglich von einem “Signal” spricht. Das sagen wichtige Repräsentanten immer dann, wenn es nichts zu sagen gibt.

    Kein Elan, zu viel sprachliche Präzision, ein gemächlich-sanfter Redefluss. Der Moderator scheint nicht glücklich zu sein mit seinem undankbaren Job. Die mit nachdenklicher Musik unterlegten Nichtigkeiten, die der Sprecher hier vorträgt, enthalten ebenfalls nichts Außergewöhnliches. Natürlich geht es um ein ernstes Thema, aber Interesse dafür erregt der Film überhaupt nicht. Manchmal hat man Sorge, dass der Ton plötzlich absäuft und der Film stehen bleibt. Im Interview mit dem Spitzenpolitiker gibt es dann erwartungsgemäß nur Gefälligkeitsfragen. Was soll der Reporter auch machen, er wird ja sonst gefeuert. Keine Angriffspunkte, keine Pfiffigkeit, nicht mal flotte Formulierungen.

    Fazit: PR-Arbeit mit Fremdschäm-Faktor

    Dieses Video sagt leider nur aus, dass die CDU eine ziemlich langweilige Partei sein muss. Gar kein Video wäre für die CDU also besser als dieses Video, denn hier hat die PR-Abteilung nur mühsam ihre fast siebenminütige Plicht getan – mehr nicht. Und um Aktualität bemüht man sich erst gar nicht: Für heute Abend war ein Video aus Kassel angekündigt, das aber leider zur Stunde noch unauffindbar ist. Von einer “Internet-Partei” (siehe Pressemitteilung) ist die CDU noch Lichtjahre entfernt.

    Keine Sorge, Pofalla: Der Kollege von den Sozis kann’s auch nicht besser

    Doch die CDU kann aufatmen: Denn die Konkurrenz macht es keinen Deut besser. Jüngstes Beispiel für die peinliche Polit-Profilierung im Web 2.0 ist SPD-Generalsekretär Hubertus Heil, der sich aktuell im Twitter-Netzwerk den Spöttern preisgibt (siehe Screenshot). Er ist auf Amerika-Reise und textet ganz wirres Zeug. Natürlich gibt es keinen Nachrichtenwert, und da das Image der SPD ja ohnehin bereits hoffnungslos ramponiert ist, kann der werte Generalsekretär weiter in die Heimat twittern. Da sieht man’s mal wieder: Nicht immer führt es zu verbalem Qualitätsgewinn, wenn sich Bundespolitiker ungefiltert und ohne Absprache mit ihren PR-Beratern öffentlich äußern.

    Online-Wahlkampf in den USA: Die PR-Profis machen vor, wie’s geht

    Jetzt, da Heil sich gerade an Ort und Stelle befindet, könnte er sich einiges in Sachen Online-Wahlkampf von seinen US-Kollegen abgucken. Die sind nämlich wahre Internet-Profis: Ob YouTube-Seite, MySpace oder Kampagnen-Homepage (siehe Screenshot) – der demokratische Präsidentschaftsbewerber Barack Obama wirkt auch digital durch und durch kompetent. Auch John McCain, sein republikanischer Kontrahent, macht bei MySpace und YouTube einiges her.

    Hier zeigt sich: Wer sich als Spitzenpolitiker voll und ganz dem neuen Massenmedium Internet stellt, geht hohe Risiken ein, kann aber auch viel Aufmerksamkeit und Wählernähe erzeugen. Bisher scheinen die deutschen Politiker noch nicht für diese Mutprobe bereit zu sein – aber die ersten stolpernden Gehversuche sind ein Indiz dafür, dass es nur besser werden kann.

    Mehr zu diesem Thema im Internet:

  • Horizont.net – CDU startet eigenen Videokanal bei Youtube (25. August 2008)
  • turi2.de – CDU setzt im Wahlkampf auf Bewegtbild-Propaganda im Netz (25. August 2008)
  • politik-digital.de – Hamburg-Wahlkampf im Netz (21. Februar 2008)
  • heise online – Kleckern und Klotzen im Online-Wahlkampf (2. August 2005)
  • Bundeskanzlerin – Video-Podcast
  • “Mein neuer Freund” reloaded: Christian Ulmen ist zurück!

    Mehr als drei Jahre nach seiner Kult-Comedyserie “Mein neuer Freund” hat Christian Ulmen nun endlich nachgelegt: Am kommenden Freitag präsentiert er neue Folgen, in denen er diesmal unter anderem als peinliches Ekelpaket “Knut” die Einwohner der bayerischen Provinz zur Weißglut bringt. Die Sendung wird, schrieb der Schauspieler heute in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, nur im Internet auf der Website ulmen.tv zu sehen sein – der erste Trailer dürfte Ulmen-Fans bereits erfreuen.

    Ulmens Reality-Comedy machte vor drei Jahren allerdings zunächst negative Schlagzeilen: Nach nur einer Folge ließ ProSieben die Sendung vorläufig absetzen, ehe die Initiatoren mit einer Petition das Format wieder ins Programm hievten – das war so außergewöhnlich, dass die Sendung sich immer mehr Zuschauern erfreute.

    Fremdschämen und Nerventortur: Ulmen war gnadenlos

    Christian Ulmen. Foto: PromiPranger.de

    Christian Ulmen. Foto: PromiPranger.de

    Was die Zuschauer da genüsslich ertragen mussten, war Fremdschämen nonstop: Ulmen verbrachte ein Wochenende mit ahnungslosen Gastgebern, denen er 10.000 Euro Belohnung versprach, wenn sie in dieser Zeit mitspielten und behaupteten, der Charakter sei ihr neuer Freund. Ob asozial, dümmlich, arrogant oder einfach nur unerträglich: Ulmen spielte Zeitgenossen, mit denen niemand auch nur eine Sekunde Lebenszeit freiwillig verbracht hätte. Mit grausamer Disziplin und absolut unbestechlich traktierte er seine Gastgeber dermaßen, dass die nicht selten vorzeitig aufgaben und die Nerventortur beendeten. Ulmen zeigte ein im Fernsehen nie da gewesenes Talent zur peinlichen Spontan-Inszenierung und bewies somit, dass er ein Ausnahmetalent unter den deutschen Schauspielern ist.

    Unvergessen ist beispielsweise Ulmens Auftritt als tuntiger Therapeut Veith, der seinem Opfer Andre das Wochenende zur Hölle macht: Andres bester Freundin attestiert er “schöne Brüste”, die strammen Mannschaftskollegen vom Fußball wundern sich über einen hysterisch hüpfenden Cheerleader am Spielfeldrand. Schließlich kaufen Freunde und Familie dem armen Andre sogar das unter Tränen vorgetragene Bekenntnis zur Homosexualität ab (“Ist ja nicht schlimm, es ändert sich ja nichts…”). Das war ganz großes Reality-Fernsehen.

    Man darf gespannt sein: Ulmen präsentiert neue Peinlichkeiten im Internet.

    Man darf gespannt sein: Ulmen präsentiert neue Peinlichkeiten im Internet.

    Knut Hansen wird enttarnt – und recherchiert Schockierendes

    Und das Format schrie förmlich nach einer Fortsetzung, denn die acht Folgen waren viel zu wenig (mittlerweile auch auf DVD erschienen). Die Erwartungen an die neuen Internet-Produktionen sind entsprechend hoch – doch die ersten Schilderungen Ulmens geben Anlass zur Vorfreude. So kündigt Ulmen eine perfide Doppelrolle als Knut und als Ulmen an, denn Hotelangestellte gaben “Knut Hasen” bei Google ein und entlarvten dessen wahre Identität, ohne dadurch jedoch die Dreharbeiten zu gefährden. Und was Knut Hansen bei Weizenbier über die ausländer- und schwulenfeindlichen Ansichten des damaligen Chamerau-Bürgermeisters Frieder Herold herausfand, ist hochbrisant – selbst an erzkonservativen CSU-Verhältnissen gemessen.

    Mehr zu diesem Thema im Internet:

  • wunschliste.de – Christian Ulmen: “Mein neuer Freund”-Spin-Off – Web-Show mit den beliebtesten Charakteren (23. August 2008)
  • MySpass – Komplette Folgen der Serie als Video
  • Comedy Central – Die Folgen als Kurzversion
  • Twitter meets newspaper: Die Redaktionen zwitschern sich eins

    Heute hat die Welt Kompakt, meine neue Abozeitung, mit der Nachricht aufgemacht (siehe Foto), sie sei im Netzwerk Twitter die beliebteste Redaktion unter den zwitschernden Newsrooms. Sie beruft sich dabei auf ein Medien-Ranking der Website medienlese.com. Zu dieser “Auszeichnung” gratuliert sogar die Mutterredaktion.

    Für alle Gestrigen: Ein fleißiger Blogger erklärt euch hier, was Twitter ist. Eigentlich lohnt eine Erklärung aber gar nicht, denn dafür ist bei Twitter kein Platz. Twitter ist kurz, schnell, mobil und in jeder Hinsicht unverbindlich – und daher sehr einfach. Und daher recht populär.

    Ja, was zwitschern sie denn?

    Obwohl 857 Tweet-Abonnenten sich für mich nicht gerade nach viel anhören – so viele wollen nämlich wissen, was die Redaktion in Berlin denn so alles daherzwitschert. Zum Beispiel gibt es fünf “Tweets” für den gestrigen Donnerstag. Da verrät ein Jemand am frühen Abend, dass man immer noch keinen Aufmacher für die Titelseite hat. Später sagt dieser Jemand, dass man mit einem Wirtschaftsthema aufmachen und dass es eine Doppelseite über Madonna geben wird. Schließlich steht da: “das twitter-vögelchen prangt auf der 1″.

    Die Message: Dabei sein ist alles. Der Mehrwehrt: Null

    Ich frage mich natürlich: Wo liegt da der Informationswert? Dass Menschen in ihrem Privatleben Twitter benutzen, um das Freundes-Rudel zu organisieren, macht Sinn. Twitter kann sogar für oppositionellen, politischen Widerstand genutzt werden, wie der clevere Twitter-Gründer im Interview erklärt.

    Auch kann sich die Redaktion sagen lassen, sie sei modern. Zur Bestärkung dieses Verdachts lassen sich auch der Handy-Code aus der Printausgabe, das redaktionseigene Video-Blog und die MySpace-Seite des Teams hinzuziehen – alles sehr “up-to-date”. Mehr aber leider auch nicht – redaktioneller Mehrwert gleich null.

    Die Konkurrenz ist etwas besser im Zwitschern

    Wesentlich interessanter finde ich das Twitter-Profil von Titanic, dem absolut weltbesten Satire-Magazin. Denn hier gibt’s nichts zu lesen, sondern es werden nur Weiterleitungen auf aktuellen Content, also echte Informationssubstanz (!), geliefert – Titanic hat nämlich einfach seinen RSS-Feed bei Twitter eingestellt. Das kann man sich mal abonnieren für den Lacher zwischendurch.

    Zeit Online, man höre und staune, hat es mit ihrem toten EM-2008-Tweet auf Platz vier des oben genannten Rankings gebracht – das sagt leider auch etwas über die Relevanz der heutigen Titelseiten-Meldung von Welt Kompakt aus: Die ist nämlich nicht vorhanden. Dafür so viel Platz auf der ersten Seite – sinnlos. Die Redaktion scheint gestern tatsächlich Probleme mit dem Aufmacher gehabt zu haben.