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Archiv der Artikel die mit glücksempfinden getagged sind.

Neue Studie: Ohne Geld kein Glück – und warum Homosexualität die Toleranz fördert

Quelle: Steve Woods, stock.xchng

Quelle: Steve Woods, stock.xchng

Für einiges Aufsehen hat eine neue Studie von US-amerikanischen und deutschen Forschern gesorgt: Demnach wird die Weltbevölkerung immer glücklicher. Die Forscher nahmen repräsentative Umfragen aus 52 Ländern unter die Lupe und stellten fest, dass die Menschen bei steigendem Einkommen auch insgesamt glücklicher werden. Mögliche Ursachen dafür seien, dass durch zunehmenden Wohlstand in der Regel auch die persönliche Freiheit zunehme, heißt es in der Studie.

Glück als feste Konstante: Die “Tretmühle der Lust”

Unter der Überschrift “Entwicklung, Freiheit, und zunehmende Zufriedenheit” haben die vier Forscher ihre Studie veröffentlicht, die auf der “World Values Survey” basiert. Bislang hätten Studien stets zur Aussage tendiert, dass ökonomische Entwicklungen keinen Einfluss auf das empfundene Glück der Menschen haben. Vielmehr sei davon ausgegangen worden, das Glücksempfinden sei abhängig von persönlichen biologischen Faktoren, wie zum Beispiel der invidividuellen Charaktereinstellung. Von daher bewege sich das Glücks-Level um einen festgelegten Fixpunkt herum, den weder politische noch persönliche Anstrengungen beeinflussen könnten – die Menschen seien gefangen in einer “hedonistischen Tretmühle”. Die Tatsache, dass das persönliche Glücksempfinden in reichen Ländern höher sei, habe mit kulturellen Unterschieden in der Begriffsdefinition von Glück zu tun, vermuteten die Forscher.

Geld macht glücklich – bis man genug davon hat

Quelle: Dani Simmonds, stock.xchng

Quelle: Dani Simmonds, stock.xchng

Trotzdem stellten die Forscher zu Beginn ihrer Arbeit fest, dass Glück mit ökonomischer Entwicklung – im konkreten Fall mit dem Bruttosozialprodukt (BSP) eines Staates – korreliert. Ihre These: Weil das BSP in den meisten Ländern zugenommen hat, hat auch das Glücksempfinden zugenommen. Problem hier: Die Menschen werden durch ein steigendes Einkommen nur glücklicher, solange das Überleben nicht gesichert ist. Wer so viel Geld hat, dass er den zunehmenden materiellen Wohlstand als selbstverstädnlich empfindet, wird durch mehr Geld auch nicht glücklicher.

Pepsi oder Coca-Cola: Wer die Wahl hat, ist glücklicher

Aber warum macht Geld glücklich? Die Forscher führen dies auf die zunehmende Freiheit zurück, das heißt die Vielfalt der Wahlmöglichkeiten: Wer sich zwischen Ausbildung und Studium, zwischen Coca-Cola und Pepsi oder zwischen Mittelklasse-Limousine und Kleinwagen entscheiden darf, ist insgesamt glücklicher.

Quelle: 26kot, STOCKXPERT

Quelle: 26kot, STOCKXPERT

Die Methode: Wer Schwule als Nachbarn akzeptiert, ist tolerant

Der Untersuchungsgegenstand: Das subjektive Glücksempfinden in 52 Nationen, basierend auf repräsentativen Bevölkerungsumfragen (im Schnitt wurden 1.400 Menschen befragt). Dabei sollten die Befragten auf einer Skala von eins bis zehn angeben, wie zufrieden sie mit ihrem Leben sind. Im zweiten Schritt sollten sie angeben, wie glücklich sie sind: Es bestand die Wahl zwischen “sehr glücklich”, “ziemlich glücklich”, “nicht besonders glücklich” und “überhaupt nicht glücklich”. Außerdem wurden die Personen nach ihrem selbst empfundenen Grad der Freiheit befragt und danach, ob sie bestimmte soziale Gruppen als Nachbarn akzeptieren würden. Zur Wahl standen zum Beispiel Aids-Kranke, Homosexuelle oder Immigranten. Dabei zeigte sich: Die allgemeine Toleranz einer Gesellschaft lässt sich vor allem daran abmessen, wie stark Homosexuelle akzeptiert werden.

Zufriedene Gesichter: Die Mexikaner erleben ein Konjukturhoch

Darüber lässt sich hervorragend diskutieren. Wer also Lust an verblüffenden Thesen und erstaunlicher Wissenschaftsmethodik hat, sollte sich den 22-seitigen Bericht einmal im Detail anschauen. Dann wird auch deutlich, warum die Mexikaner momentan ein Konjunkturhoch in Sachen Glücksempfinden genießen, während die Ukraine seit Beginn der 80er Jahre den stärksten Glückszuwachs verzeichnen kann. Ich jedenfalls werde versuchen, mir alle Wahlmöglichkeiten des Lebens offen zu halten und ein solides Einkommen zu erwirtschaften – denn das wird mich, statistisch betrachtet, noch glücklicher als bisher machen. Und gegen homosexuelle Nachbarn habe ich auch nichts einzuwenden.

Mehr zu diesem Thema im Internet:

  • Offizielle Internetseite der Studie
  • Weitere Studien zur “World Values Survey”
  • n-tv.de – Umfragen in 52 Ländern: Menschen werden glücklicher (27. August 2008)