Beiträge mit dem Tag ‘eskalation’

Streit um HDTV eskaliert: BITKOM spricht von “Körperverletzung”

Quelle: EICTA.org

Quelle: EICTA.org

Das sei “fast schon Körperverletzung”, sagt Achim Berg im Bild-Interview - gemeint ist das analoge Fernsehsignal. Berg ist Vizepräsident des Verbandes BITKOM und hauptberuflich Geschäftsführer von Microsoft Deutschland. Er kann nicht begreifen, warum die Deutschen so zögerlich auf den neuen Standard “High Definition” (HD) reagieren, der den TV-Zuschauern doch exzellente Bildqualität bietet.

Im Ringen um die Etablierung dieses neuen Sendestandards wird der Ton rauer: Denn auch drei Jahre nach der Markteinführung gibt es kaum TV-Programme, die in HD-Qualität ausgestrahlt werden. Pünktlich zur Internationalen Funkausstellung in Berlin reden sich die Interessenvertreter in Schwung. Und wo sachliche Argumente nicht mehr reichen, da muss eben rhetorisch nachgeholfen werden. Interessant ist allerdings, dass während des Interviews nicht klar wird, in welcher Funktion Achim Berg hier spricht: Denn er redet nicht nur von HDTV, sondern auch von dem Internet-Fernsehen IPTV. Wohl nicht rein zufällig, denn Microsoft liefert unter anderem die Software für das Internet-Fernsehen von T-Home und dürfte an Umsatzsteigerungen in diesem Bereich kräftig mitverdienen.

Von wegen Revolution: Die Geräte sind “HD ready” - das Programm noch nicht

Neues Gerät, schlechtes Bild: Nach dem Kauf kommt daheim die große Ernüchterung. Quelle: andresr, STOCKXPERT

Neues Gerät, schlechtes Bild: Nach dem Kauf kommt daheim die große Ernüchterung. Quelle: andresr, STOCKXPERT

“20 Prozent der Haushalte haben heute schon Flachbildschirme, die das hochauflösende Fernsehen HDTV darstellen können”, sagt Berg in dem Interview. Selbst wenn diese Zahl stimmt, bleibt es dabei: Bis auf Weiteres müssen deutsche TV-Konsumenten auf High Definition im laufenden Programm verzichten. Aber warum ist Deutschland nicht schon längst das Paradies der hochauflösenden Glotzen, so wie es Branchenvertreter und die verärgerten Kunden fordern? Dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen, und nur teilweise sind verschlafene TV-Anstalten dafür verantwortlich.

Problem 1: Längst nicht jeder hat bereits digitales Fernsehen

Wer HD genießen will, braucht dafür ein digitales Signal - das herkömmliche, mittlerweile veraltete Analog-TV ist für den neuen Standard nicht geeignet. Nach aktuellen Zahlen ist aber erst knapp die Hälfte der deutschen Haushalte auf Digital-Fernsehen umgestiegen. Nach wie vor sehen viele Konsumenten also keinen Grund für Innovationen - obwohl der Umstieg denkbar einfach und kostengünstig ist.

Problem 2: Der Umstieg auf HD-Produktion ist teuer

Fernsehproduktionen und -ausstrahlungen in HD sind teuer und technisch aufwändig. Kein Wunder also, dass es in Deutschland noch keiner der bundesweit frei empfangbaren Sender gewagt hat, ein Dauerprogramm in HD auf die Beine zu stellen. Komplizierte neue Technik muss installiert, das Personal umgeschult werden - das alles kostet viel Zeit und Geld. Allein das ZDF hat für diesen Wandlungsprozess 100 Millionen Euro an Gebührengeldern eingeplant.

Quelle: Garry518, STOCKXPERT

Quelle: Garry518, STOCKXPERT

Problem 3: Technisches Kuddelmuddel beim Kabelempfang

Wer Kabel hat und HDTV will, guckt derzeit noch in die Röhre. Zu groß ist noch das technische Durcheinander, denn bislang konnte man sich bei den Kabelnetzbetreibern auf keine verlässliche Norm einigen. “Zu umständlich” sei der HD-Umstieg für den Kabelnutzer, sagt Verbraucherschützer Michael Gundall im Interview mit dem Digitalmagazin. Er bezeichnet das digitale Kabelfernsehen als “große Baustelle”.

Problem 4: HDTV über Antenne - leider Fehlanzeige

Zwar wird der digitale Antennenempfang (DVB-T) in Kürze deutschlandweit und flächendeckend möglich sein. Noch gibt es noch kein HD-Signal für die drahtlose Technik, für die man nur eine kostengünstige Zimmerantenne benötigt.

HDTV: Optische Täuschung oder Non Plus Ultra?

Es ist also längt nicht so einfach, wie viele Kritiker in diesen Tagen behaupten. Die öffentlich-rechtlichen Sender haben sich vorgenommen, im Jahr 2010 regulär auf HDTV umzusteigen - das ist vielen Käufern von HD-Geräten einfach zu langsam. Die privaten Sender hatten bislang auch ihre Probleme mit der neuen Technik und stellten das Programm nach einem Pilotprojekt wieder ein. Bislang senden nur der Bezahlsender Premiere, Arte und Anixe HD in der neuen hochauflösenden Qualität.

Premiere bezeichnet sich gerne als Vorreiter in Sachen HD, erntet dafür aber auch kritische Userkommentare im Internet. In einem Bericht bei heise.de wird deutlich, dass Premiere durch seine HD-Lobbyarbeit vor allem wohl die eigenen Geschäftsnöte lindern will. Zu einer regelrechten Eskalation der Diskussion kam es, als die ARD in einem Ratgeberbericht offenbar dem TV-Konsumenten empfahl, sich beim Neukauf für ein herkömmliches Röhrengerät zu entscheiden. Empört reagierte ein Technikportal auf die selbstgefällige Formulierung, die Öffentlich-Rechtlichen seien “Vorreiter” beim HDTV. Daraufhin wurde der ARD-Artikel offenkundig überarbeitet - die kritisierten Passagen jedenfalls sind nicht mehr aufzufinden. Und um dem Ganzen mehr Sachlichkeit zu verleihen, ergänzte man nachträglich noch ein Experteninterview.

Fazit: Kommt Zeit, kommt HD - hektische Rhetorik ist sinnlos

Quelle: Brian Lary, stock.xchng

Quelle: Brian Lary, stock.xchng

Eines steht für mich nach stundenlanger Recherche fest: HD ist seiner Zeit voraus - denn die Kunden und Sender sind noch nicht bereit für diese Technik. Und wer durch bloße Rhetorik die Nachfrage nach dem digitalem TV-Genuss herbeischreit, wird gegen die Windmühlen der Fernsehanstalten ohnehin nicht ankommen.

Mehr zu diesem Thema im Internet:

  • Kölner Stadt-Anzeiger - Medien - Digitales Fernsehen: Neue Geräte müssen her (28. August 2008)
  • Kaukasus-Krieg: Amateur-Reporter an vorderster Front

    Während die Situation in Südossetien weiter eskaliert, kursieren im Internet erste Amateurvideos aus der Region. Anhand der georgisch-russischen Krise zeigt sich wieder einmal: Zwar erzeugen die vermeintlich authentischen, unzensierten Filmdokumente viel Aufmerksamkeit. Aber deren Echtheit lässt sich am Bildschirm nicht überprüfen, und die Quellenlage ist häufig unsicher.

    Umstrittenes Portal zeigt die ganze Wahrheit - wenn sie nicht gefälscht ist

    Das Videoportal LiveLeak ist führend in der Veröffentlichung von unzensiertem, teils schockierendem und daher häufig umstrittenem Videomaterial. LiveLeak publizierte unter anderem das heimlich gedrehte Video von der Hinrichtung Saddam Husseins, das laut LiveLeak-Statistiken bis jetzt fast 7 Millionen Mal aufgerufen worden ist. In Deutschland war ein LiveLeak-Video in der Tagesschau zu sehen, nachdem ein Amateurfilmer zufällig den gefährlichen Landeanflug einer Lufthansa-Maschine am Hamburger Flughafen eingefangen hatte.

    Heftige Gefechte vor der Hand-Kamera

    So sehen wir im Folgenden ein Video aus Rohmaterial, das mehrere Soldaten mit osteuropäischem Akzent während eines offenkundigen Kampfeinsatzes zeigt. Quellen sind keine angegeben, lediglich der Titel (”Raw Video : Georgia And S. Ossetia Exchange RPG And Gunfire, 6 Wounded”) enthält Informationen: Anscheinend handelt es sich bei den Kampfparteien um südossetische und georgische Truppen, die mittelschwere Munition einsetzen. Sechs Menschen sollen dabei verletzt worden sein. Der anschließende Beschreibungstext ist identisch mit Auszügen aus einem Artikel des russischen Nachrichtenportals RussiaToday und liefert keine Informationen zur speziellen Situation. Achtung: Das Video enthält Kriegsszenen und sollte nicht von Minderjährigen oder empfindlichen Personen geschaut werden!

    Ob die Aufnahmen aktuell und authentisch sind, weiß niemand. Einer der kommentierenden User fragt sich, ob das Feuer aus den Gewehrmündungen echt sei (”Anybody else think that the muzzle flashes looked faked? Maybe because of the poor quality.”).

    Nächtlicher Beschuss: Mutmaßliches Beweismaterial

    In einem weiteren Video (gepostet am 7. August nach dem ersten Video) sind Gefechtsgeräusche bei Nacht zu hören. Die anschließenden Aufnahmen am Tag dokumentieren vermutlich die Auswirkungen von Kampfhandlungen. Auch hier lassen sich dem Beschreibungstext keine spezifischen Informationen entnehmen - er scheint von einer Nachrichtenagentur zu stammen, denn etliche Internet-Newsdienste enthalten den Text. Auch der Titel (”Abkhazia To Open Up Second Front.” - “In Abchasien droht eine neue Front zu entstehen.”) bleibt sehr vage.

    Bilder vom Kriegsschauplatz

    Material von kämpfenden, vermeintlichen russischen Truppen ist im dritten Video, veröffentlicht am gestrigen Tag zu sehen: Der Text berichtet von einer Großoffensive der Russen, die die südossetischen Separatisten unterstützen. Auch sollen nordossetische Freiwillige unter den Einheiten sein: “Rocket launchers from a Russian unit 58 assist South Ossetia plus a detachment of cossacks with over 300 volunteers from North Ossetia including other regions in the fight against Georgia”. Die ersten Bilder zeigen den Absturz eines georgischen Kampfflugzeugs (”Raw : Remnants Of Georgian Fighter Plane Fall From The Sky.”). Achtung: Das Video enthält Kriegsszenen und sollte nicht von Minderjährigen oder empfindlichen Personen geschaut werden!

    Ebenfalls gestern wurden die folgenden, beeindruckend authentisch wirkenden Aufnahmen gepostet, die laut Beschreibung den Einmarsch russischer Truppen in die Region zeigen. Sie wurden in einem fahrenden Auto gemacht.

    Georgien: Jubelnde Menschen für den Frieden

    Eine Menschenkette für den Frieden ist im folgenden Video dokumentiert (”Thousands of Georgian people”). Die Aufnahmen stammen laut Beschreibung von gestern Abend und wurden im Zentrum der georgischen Hauptstadt Tiflis gemacht.

    Aktuelle Berichte aus der Region

    Bemerkenswert ist zuletzt auch die wenige Stunden alte, propagandistisch wirkende Stellungnahme des südossetischen Nachrichtenportals “Cominf.org”: Dort ist die Rede von einem “Völkermord an den Osseten”. Ein weiterer Link, den ich über Google gefunden habe, führt zum Blogpost eines Freiwilligen des US-amerikanischen Friedenskorps. Der Autor schreibt, er habe Georgien vor zwei Tagen verlassen und befinde sich sicher im Nachbarland Türkei: “I have every confidence that Peace Corps will take care of its volunteers; for me, I am safe in Turkey. We can only hope and pray that this violence does not spread further and threaten the progress for which my friends in Georgia have worked so hard.”

    Mehr zu diesem Thema im Internet:

  • FOCUS Online - LiveLeak: Videoportal für alles Extreme
  • Stuttgarter Zeitung online - Videoportale im Netz: Liveleak zeigt alles