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Manipulieren bis zur Perfektion: China ist Olympiasieger im Verheimlichen

Quelle: key909, http://www.stockxpert.com/

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Wer vor acht Tagen die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele verfolgt hat, mag sich gewundert haben: Der Applaus der chinesischen Zuschauer kannte keine Grenzen - während eine Mannschaft nach der anderen ins Stadio einzog, klatschten die Chinesen gleichbleibend weiter. “Die müssen wohl klatschen, sonst werden sie festgenommen”, war mein Kommentar dazu - Gastfreundlichkeit per Verordnung, so die zynische Vermutung.

Ganz so falsch war diese Einschätzung gar nicht. Denn drei Tage später verkündete die Nachrichtenagentur dpa, es gebe in den Stadien eine Jubel-Vorschrift. Die Zuschauer sind demnach angehalten, Fairness auch beim Applaudieren zu zeigen. All das findet wohl auf einer freiwilligen Ebene statt - aber wer weiß schon, was passiert, wenn man den Jubel ostentativ verweigert?

Großartiges Feuerwerk - nachträglich reingeschnitten

Quelle: © Louis Bebbi / PIXELIO

Quelle: © Louis Bebbi / PIXELIO

Bereits vor den Spielen wusste jeder, dass die Chinesen absolute Perfektionisten sind. Und was nicht perfekt funktionieren kann, wird eben perfekt inszeniert: So wurde vor einer Woche bekannt, dass die chinesische Regie die Live-Bilder von der Eröffnungsfeier manipuliert hat. Eine Aktion, die von langer Hand geplant war.

Zwar ging es dabei nur um ein Feuerwerk. Dass an den Eröffnungsfeierlichkeiten aber noch viel mehr faul war, kam wenig später ans Licht: Weil sie offenkundig nicht hübsch genug war, musste eine kleine hässliche Sängerin einer hübschen Playback-Performerin die Bühne überlassen. “Auf Drängen eines Politbüromitglieds sei das Mädchen in letzter Minute ausgetauscht worden”, heißt es dazu auf Spiegel Online.

Minderheiten-Kultur stellvertretend vorgeführt

Das vorerst letzte Täuschungskapitel ist die Trachten-Posse, bei der Kinder zwar in den Gewändern der chinesischen Volksminderheiten auftraten, aber keineswegs diesen auch angehörten. Auch berichtet Spiegel Online, während der Proben zur Eröffnungsfeier sei eine Frau schwer verletzt worden.

Heimlichtuerei im Reich der Mitte

Das Skandalöse ist nicht, dass all diese Dinge geschehen sind, sei es mit Absicht oder wegen organisatorischer Mängel. Das Problem ist eher, dass China all dies unter der Decke hält, als hinge die vaterländische Ehre davon ab. Wie viele Geheimnisse, Manipulationen und Inszenierungen warten noch darauf, rein zufällig entdeckt zu werden?

Eins steht jetzt schon fest: China ist Olympiasieger im Verheimlichen. Und damit alles unter der Decke bleibt, sind den Verantwortlichen auch die drakonischsten Strafen recht: Wer bei den Proben zur Auftaktfeier anwesend war, musste eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben. Nichts von der Feier sollte vorab nach außen dringen. Bei Zuwiderhandlung drohten bis zu sieben Jahre Gefängnis.

Positives aus China: Zeitungsmarkt wächst rasant - trotz Zensur

Die Chinesen sind fleißige Zeitungsleser, und der Boom auf dem Markt hält an. Das ist aus den jährlichen Berichten der World Association of Newspapers (WAN) zu entnehmen. Chinas Zeitungsmarkt ist nach Zahlen aus dem Jahr 2007 der weltweit größte: Im Reich der Mitte wurden demnach pro Tag 107 Millionen Zeitungsexemplare verkauft. Bei der Presse-Reichweite konnten die Bezahlzeitungen gegenüber 2002 einen Zuwachs von über 20 Prozent verzeichnen.

Steigende Zeitungsvielfalt, intensive Lektüre

In Asien steigt seit fünf Jahren die Zahl der Zeitungen, die man für Geld haben kann. In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ist heute in einem beeindruckenden Bericht des chinesischen Journalismus-Studierten Luo Lingyuan zu lesen: “In den vergangenen zwanzig Jahren sind so viele neue Zeitungen gegründet worden, dass man von einem regelrechten Boom sprechen kann.”

Die Chinesen nehmen sich 20 Minuten mehr Zeit für die tägliche Lektüre als die Deutschen, und auch die Reichweite der chinesischen Presse steigt seit Jahren.

Chinesische Presse: Weltoffen bis kritisch - aber staatlich zensiert

Von einer vielfältigen, weltoffenen, teilweise sogar kritisch-objektiven Presse in China ist heute auf Seite acht der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zu lesen. Dass diese positive Entwicklung nicht über die Tatsache hinwegtäuschen kann, dass in China Zensur herrscht, macht ein weiterer Artikel klar: “Generell gilt, dass alles, was das Herrschaftsmonopol der Partei, das Leben der Staatsführer, religiöse Fragen sowie Tibet und Taiwan betrifft, tabu ist beziehungsweise ausdrücklicher Genehmigung bedarf.” Mark Siemons beschreibt in seinem Text anschaulich, welche “gegensätzliche Wirklichkeiten” in China für Journalisten gelten: Freiraum auf der einen, strenge Zensur und Verfolgung auf der anderen Seite. Die gelungenen TV-Beiträge vom NDR vermitteln diesen Eindruck sehr eindringlich - unbedingt anschauen!

Mehr zu diesem Thema im Internet:

  • NDR - Dokumentation: Unbequem und unbestechlich - Chinas Kämpfer für die Wahrheit (Video in ARD-Mediathek)
  • NDR - Video: Mutig - Chinesische Reporter kämpfen gegen Zensur
  • Welt Online - Medien: Weltweit steigen die Zeitungsauflagen – leider nicht in Deutschland
  • Schweizer Presse: Zusammenfassung der “World Press Trends 2008″ der WAN
  • Chinesische Botschaft Berlin - Chinesische Presse im Aufwind