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Archiv der Artikel die mit beruf getagged sind.

Assessment Center: Simuliertes Haifischbecken oder Stress-Spielerei?

Assessment Center sind längst nicht mehr das Nonplusultra in der Personalauswahl – zumindest wenn man den Artikeln in der Süddeutschen Zeitung und bei Welt Online glaubt. Wer gutes Führungspersonal sucht, sollte demnach auf den berüchtigten “AC” entweder ganz verzichten oder ihn professionell betreuen lassen.

Seit Jahren liegt das AC-Verfahren voll im Trend – niemand kommt mehr um diese “Übung” herum. Bücher sind darüber geschrieben worden und in ganzen Workshop-Reihen werden künftige Teilnehmer darin geschult, sich selbst in drei Minuten zu präsentieren oder den Postkorb zu sortieren. Im AC werde der harte Wettbewerb des Arbeitsmarktes simuliert, so die Hoffnung vieler anspruchsvoller Arbeitgeber.

Kein Richtig oder Falsch: Eine höchst subjektive Gruppenveranstaltung

In der Praxis sieht das oft anders aus. Nach einem Wochenend-Seminar zu diesem Thema stand für mich als Quintessenz eigentlich nur fest: Was im AC ermittelt wird, ist höchst subjektiv. Meine Selbstpräsentation fanden einige Teilnehmer solide, andere waren begeistert. Wieder andere sagten, ich sei nicht impulsiv genug gewesen, während andere meine Sachlichkeit schätzten.

Letztlich laufen alle Versuche, sich durch Training im AC zu “verbessern” auf den Versuch hinaus, eine andere Person zu spielen – vermeintliche Schwächen soll man kaschieren und angebliche Stärken hervorheben. Wer aber nicht gerade Schauspieler ist, sollte das lassen und sich auf den Grundsatz “just be yourself” besinnen.

Aus eigener Erfahrung: Grundsätzliche Tipps

Wer sich auf den Assessment Center vorbereiten will, sollte sich zunächst einmal über die Firma und deren Erwartungshaltung informieren. Es gibt nur einige wenige Übungen, mit denen man vorab vertraut sein sollte. Wichtiger ist meiner Meinung nach, dass man möglichst gelassen und konzentriert an die Sache herangeht. Denn große Schauspielerei, Schaumschlägerei oder übereifriger Aktionismus könnten auch das Gegenteil bewirken, falls unter den Beobachtern nicht nur die üblichen Laien, sondern echte AC-Profis sein sollten.

Aufgabenbeispiel Selbstpräsentation: Alles oder nichts in fünf Minuten


“Stellen Sie sich bitte in maximal fünf Minuten den anderen Teilnehmern vor. Denken Sie daran, dass sie einem Fremden wichtige Dinge aus Ihrem Leben mitteilen sollen. Vergessen Sie auch nicht, Einblicke in Ihre Persönlichkeit zu geben. Können Sie auch ein Vorbild aus Ihrem Leben nennen?”

Allein die Lektüre dieser Aufgabenstellung nimmt etwa eine Viertelminute in Anspruch. Entsprechend schwierig ist es, die Selbstpräsentation zur Zufriedenheit der Teilnehmerrunde und der Personalchefs über die Bühne zu bekommen – die Selbstinszenierung sollte gut geplant sein. Wer sich verquatscht oder chaotisch berufliche Stationen aufzählt, hat bereits nach wenigen Sätzen verloren. Trotzdem soll alles souverän, unverkrampft und authentisch beim Zuhörer ankommen.

Was ist also zu beachten?

  • Erstens: Sich kurz ins Gedächtnis zurückrufen, um welche Stelle man sich bewirbt und welche exakten Anforderungen an den Bewerber gestellt werden. Zu diesen Anforderungen können z.B. Organisationsfähigkeit und Sozialkompetenz gehören, wenn es um eine Stelle als Filialleiter geht.
  • Zweitens: Die eigenen Kompetenzen glaubwürdig nennen, erklären und vor allem belegen können.
  1. Dazu zählt in erster Linie die Fachkompetenz, soll heißen: Welche Qualifikationen besitze ich welche berufsqualifizierenden Abschlüsse habe ich, welche Berufserfahrungen und Zusatzausbildungen oder -kenntnisse kann ich vorweisen?
  2. In der Kategorie zwei geht es um die Methodenkompetenz: Welche methodischen Fähigkeiten qualifizieren mich besonders für diesen Beruf? Hier können Dinge genannt werden wie analytisches Denken, Projekt- und Zeitmanagement. Hier ist es extrem wichtig, dass man vermitteln kann, wo man diese Fähigkeiten erworben hat und wo sie sich als hilfreich erwiesen haben.
  3. Im dritten Bereich – der sozial-kommunikativen Kompetenz – geht es um die berüchtigten Soft Skills: Teamfähigkeit, Verhandlungsgeschick, Kollegialität. Diese Fähigkeiten unter Beweis zu stellen ist Sinn und Zweck vieler AC-Aufgaben, da sich diese “Qualifikationen” nur in der Praxis zeigen. Darüber in epischer Breite zu referieren macht hier also weniger Sinn – man sollte diese Dinge aber kurz erwähnen. So zeigt man, dass man sich über deren Wichtigkeit im Klaren ist.
  4. Im Bereich “Aktivitätspotenzial” geht es um Dinge wie Eigeninitiative, Kreativität, Selbstvertrauen und Belastbarkeit – wie kommt mir meine Persönlichkeitsstruktur bei der Arbeit zugute? Menschen, die zwar sehr zuverlässig und motiviert, dafür aber leider nicht besonders kreativ sind, sollten nicht in einer Werbeagentur anheuern. Persönliche Stärken sollte herausgekehrt und begründet werden. Schwächen sollten je nach Anforderung genannt werden, um sie für den eigenen Vorteil zu benutzen. Beispiel: “Ich hatte lange Zeit Schwierigkeiten, mit dem ständigem Arbeitsdruck umzugehen. Mittlerweile habe ich diese Schwäche überwunden – regelmäßige Workshops und Weiterbildungen bzgl. Zeitmanagement und flexibler Arbeitsaufteilung haben mir geholfen, am Ende des Tages das erledigt zu haben, worauf es wirklich ankommt.”
  • Drittens: In der eigentlichen Qualifikation sollte man auf einen positiven und ehrlichen Tenor achten. Dazu zählen Augenkontakt, eine ausgewogene Gestik und vor allem sicheres, ruhiges Sprechen. Für die Präsentationsstrategie sollte gelten: Wichtiges zuerst nennen – Qualifikation und Beruf sollten am Anfang stehen. Auch sollten Persönlichkeitsschwächen nie zu sehr betont und nur am Rande genannt werden. Es gibt es keinen Königsweg, um diese Aufgabe zu meistern – typisch Assessment Center eben.

Tipp: Um sich an die Situation zu gewöhnen, lässt sich die Selbstpräsentation am besten in der Gruppe üben. Mit der Stoppuhr wird darauf geachtet, dass der Redner seine fünf Minuten nicht überschreitet. In der anschließenden Auswertung können Redner und Teilnehmer den Auftritt aus ihren verschiedenen Perspektiven bewerten und diskutieren. Das macht Spaß und schult den selbstkritischen Blick – schließlich gilt gerade im Assessment Center: Nobody’s perfect.


Mehr zu diesem Thema im Internet:

Journalistik: Rechtfertigungsversuche eines Kanalarbeiters

Ich habe es nicht leicht. Wenn mich jemand nach meinem Studiengang fragt, nehme ich all meine Kraft zusammen, hole tief Luft und sage: “Journalistik“. Was dann folgt, läuft immer nach dem selben Schema ab, die Reaktionen sind immer die gleichen: “Was is das denn?!” – “Willste Journalist werden oder wie?!”

Das Problem ist nicht einmal, dass die Leute sich nichts unter so einem Nischen-Studiengang vorstellen können – sie erahnen zumindest, dass es etwas mit Journalismus zu tun haben muss. Hätte ich “Jura”, “Medizin” oder “BWL” gesagt, wären sie zufrieden gewesen. Sie unterstellen, Journalist könne ja jeder werden – das stimmt. Und dass man dafür keine Ausbildung benötige – da bin ich anderer Meinung.

Journalisten: Diese widerlichen Faktenverdreher!

Das Problem liegt ganz woanders: Journalisten haben einen sehr schlechten Ruf. Und dass jemand an die Universität geht, um dort zum widerlichen Reporter ausgebildet zu werden, macht die Leute tatsächlich aggressiv. Journalisten sind ja im Volksmund die, die so lange rumschnüffeln und blöde Fragen stellen, bis sie sich ihre “Wahrheit” zurecht recherchiert haben. Das sind verlogene, schmierige und hinterhältige Empathie-Heuchler, die für eine gute Story auch ihre Oma verkaufen würden.

Ein Jurymitglied der Studienstiftung reagierte im Bewerbungsgespräch spontan so: “Aha, Sie studieren also … ähm … Journalistik. Jetzt sagen Sie mal: Jedes Mal, wenn ich Journalisten was erzähle, schreiben die was ganz Anderes in die Zeitung, lauter Unsinn. Warum machen die das?!” Mein Gegenüber schien geradezu erbost über meine Studienwahl und unterstellte mir gleich schlechte Manieren. Kein Wunder, dass die FAZ die Bachelor-Studenten der Journalistik als “Kanalarbeiter” bezeichnet hat.

Fakten: Warum es sich lohnt, in Dortmund anzuheuern

Journalistik hört sich nach Beliebigkeit an, nach Schwammigkeit, nach Verlegenheitswahl und Pillepalle. Das stimmt nicht. Ich kann nur immer wieder die Vorzüge des Dortmunder Journalistik-Studiums betonen (siehe Studienführer):

  • Praxisnähe: Wir sind keine verstaubten Theoretiker, die nach dem Studium unvorbereitet in die Berufswelt stolpern. Wer nach Dortmund kommt, hat bereits ein Minimum an journalistischer Erfahrung. Unsere Lehrredaktionen sowie zahlreiche praktische Veranstaltungen und Projekte sorgen dafür, dass man den Bezug zur Arbeitsrealität nicht verliert. Darüber hinaus werden über das Institut für Journalistik viele Praktikumsplätze und Jobangebote vermittelt.
  • Integriertes Volontariät: Nach vier Semestern geht es ins einjährige Volontariatspraktikum bei einem unserer zahlreichen Kooperationspartner – Tageszeitungen, Radiosender, Fernsehredaktionen sowie Nachrichtenagenturen halten hochkarätige Volo-Plätze für die Dortmunder Studenten bereit.
  • Vielfältige Lehrveranstaltungen: Ein breit gefächertes Angebot an unterschiedlichen Vorlesungen und Seminaren sorgt dafür, dass sich jeder sein eigenes Fachgebiet suchen kann. Kommunikationswissenschaften, Medienökonomie, Medienrecht und journalistische Vermittlung sind nur einige Beispiele.
  • Guter Ruf: Das IfJ genießt nicht nur im Ruhrgebiet einen guten Ruf. Ein solider Abschluss und praktische Erfahrungen signalisieren dem Arbeitgeber, dass man den Willen und das Zeug zum Journalisten hat. Hier sprach die FAZ hämisch vom “Dortmund-Stempel”.

Aber: Journalist sein ist kein Wunschkonzert!

Dass man deswegen aber automatisch eine Festanstellung als Redakteur bekommt, soll jetzt keiner glauben. Man sollte nicht nur zeitlich und geographisch flexibel arbeiten können, um sich auf dem Markt über Wasser zu halten. Eine böse Erinnerung habe ich an das erste Semester, als wir im Fach Medienökonomie die Vorzüge der Künstlersozialkasse für freie Journalisten kennen lernen durften. Auch empfahl der Dozent, sich bei der VG Wort anzumelden: “Wenn Sie als Redakteur viel schreiben, können Sie damit jährlich mehrere hundert Euro rausschlagen.” Festanstellung und Tarifbezahlung sind in den Redaktionen die Ausnahme geworden – da hilft auch der “Dortmund-Stempel” nicht weiter.

Zynismus und Galgenhumor sind also unbedingte Voraussetzung für ein Journalistik-Studium, wenn man sich trotz des guten Abiturs auf das Wagnis des Medienberufes einlassen will. Aber nur wer wagt, der gewinnt!

Mehr zu Medien-Studiengängen im Internet:

  • Zeit Online – Irgendwas mit Medien: Studienfächer wie Publizistik sind begehrt (15. Mai 2008)
  • Journalismus.com – Journalismus an der Uni
  • medienstudienfuehrer – Die Suchmaschine der Medienmöglichkeiten
  • studieren.de – Journalismus: Berufsziel Journalist