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Archiv der Artikel die mit ard getagged sind.

Oliver Pocher mit Negativ-Preis ausgezeichnet: Dreiste Verhöhnung des Fußball-Europameisters

Fernseh-Komödiant Oliver Pocher erhält die diesjährige Trophäe des “Watchdog” – allerdings nicht, weil er besonders gut aufgepasst, sondern weil er sich während einer Fanfeier mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft vorbildlich daneben benommen hat. Mit primitiven Fan-Gesängen habe er die spanischen Europameister verhöhnt, sagt das “netzwerk kritischer fernsehzuschauer” (NKF) in seiner Begründung für die Verleihung des “Preises der beleidigten Zuschauer”. Die fernsehkritische Organisation vergibt den Negativ-Preis seit 1989. Welche Verhöhung gemeinst ist, lässt sich anhand eines Video-Mitschnitts der besagten ZDF-Übertragung vom 30. Juni erkennen – sogar Bundestrainer Joachim Löw äußerte sich später kritisch dazu:

Kein Ausrutscher: Entgleisungen haben bei Pocher Tradition

Es war nicht Pochers erster Ausrutscher. 2005 verklagte eine Zuschauerin den TV-Entertainer, weil er sie während einer Live-Schaltung für die Sendung “Wetten, dass…” beleidigt hatte. Die Frau erstritt 6.000 Euro Schmerzensgeld. Im April dieses Jahres sorgte dann eine öffentliche Schelte Harald Schmidts für Aufsehen. Pocher wurde am Ende der Sendung “Schmidt und Pocher” von Schmidt heftig kritisiert (“kleine, miese Type”), weil er sich einer Gast-Künstlerin gegenüber unhöflich verhalten hatte (ARD, 24. April 2008):

In die Reihe der Entgleisungen gehört auch ein Kommentar von Pocher anlässlich der Comet-Verleihung an den Musiker Mark Medlock, in dem er auf dessen Homosexualität anspielt. Viele Fernsehkritiker stufen die Blödeleien von Oliver Pocher als grenzwertig bis geschmacklos ein. Der Fernsehkritiker Holger Kreymeier führt in seiner Sendung “Fernsehkritik.TV” eine eigene Rubrik namens “Pocher klein mit Hut“, in der er die Fehltritte des TV-Entertainers dokumentiert.

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Jürgen Emig und die Korruption: Journalismus ad absurdum

Jürgen Emig, langjähriger Sportchef beim Hessischen Rundfunk (HR), muss ins Gefängnis – wegen Untreue und Bestechlichkeit. Der Journalist hat über Jahre Schmiergelder und finanzielle Mittel, die für den Sender bestimmt waren, für sich eingestrichen. Insgesamt geht es um mehrere hunderttausend Euro, die unter anderem für Schleichwerbung geflossen sind. Und obwohl er in Revision gehen wird, wird sich eine Haftstrafe für Emig wohl nicht mehr vermeiden lassen. Zu detailliert konnten ihm seine Aktivitäten nachgewiesen werden. Erstaunlich ist, dass selbst HR-Intendant Helmut Reitze das frühere Finanzierungssystem des Senders als “das Einfallstor für die korrupten Machenschaften von Emig” bezeichnet (siehe Pressemeldung).

Beängstigend ist nicht nur, mit welcher ungebremsten Gier ein hochbezahlter Journalist sich seine Machtposition zu Nutze gemacht hat – erstmals wird ein ARD-Führungsmann wegen Korruption verurteilt. Beängstigend ist vor allem, wie über Jahre redaktionelle Beiträge skrupellos verkauft oder absichtlich manipuliert wurden. Journalismus ad absurdum.

Schleichwerbung: Wirksame Positionierung für solvente Sponsoren

Hessischer Rundfunk: Für Sport-Beistellungen war Emig zuständig. Quelle: HR-Pressestelle

Hessischer Rundfunk: Für Sport-Beistellungen war Emig zuständig. Quelle: HR-Pressestelle

Denn es geht auch um Schleichwerbung. Emig nahm Geld von Sponsoren an, die sich damit Sendezeit und positive Berichterstattung erkauften. Bei öffentlichen Veranstaltungen ließ Emig Kameras so positionieren, dass Werbetafeln besonders wirksam ins Bild gerückt wurden. Das erschreckende Ausmaß der Emigschen Unverfrorenheit hat der Spiegel ausführlich dokumentiert – und das Magazin stellt richtig fest: Der TV-Zuschauer und Gebührenzahler war letztlich der Verlierer des Systems, denn er musste sich zum Zwecke der illegalen Bereicherung hinters Licht führen lassen (“Es gab nur einen Dummen: den Zuschauer, der seine TV-Gebühren auch und gerade für das Versprechen zahlt, unabhängigen Journalismus zu bekommen.”).

Beistellungen: Öffentlich-rechtliche Expansion und illegale Abzweigungen

Die illegale Methode, Teile von akquirierten Beistellungszahlungen für sich zu behalten, erscheint dagegen vergleichsweise simpel. Schon zu Prozessbeginn machte Emig deutlich, dass er die Hauptschuld beim Sender sieht: Schließlich sei der Hessische Rundfunk jederzeit auf “Beistellungen” angewiesen gewesen (die umstrittene Praxis wurde 2004 eingestellt). Tatsächlich war Emig für die Eintreibungen der Beistellungen zuständig, und der HR dürfte sich über sein Engagement gefreut haben. So konnte der Sender neues Personal einstellen und noch mehr Sport senden – Emig sorgte für öffentlich-rechtliche Expansion. Auch die Sponsoren waren mit der persönlichen Betreuung durch den Sportchef sehr zufrieden: Sie fanden ihre Werbung zielgruppengerecht im Großformat auf der Mattscheibe wieder, eingebunden in nervenaufreibende Großereignisse des Sports.

Intendant Helmut Reitze: "hr war Opfer, nicht Täter". Quelle: HR-Pressestelle

Intendant Helmut Reitze: "der hr war Opfer, nicht Täter". Quelle: HR-Pressestelle

Korruption: Niemand will etwas gewusst haben

Die Verantwortlichen beim HR konnten oder wollten nichts von Korruption wissen – nach wie vor beteuern sie ihre Unwissenheit. Und Jürgen Emig dachte wohl, er habe durch sein langjähriges Engagement ein Anrecht darauf, dass auch mal für ihn etwas rausspringt. Die FAZ nennt eine Summe von 440.000 Euro.

Trauriges Fazit: Der HR hat von Emigs legalen Aktivitäten über Jahre finanziell erheblich profitiert – die illegalen will niemand erkannt haben. Jetzt macht der Sender Schadensersatzforderungen geltend. Für den größten Schaden gibt es aber keinen Ersatz: Der gesamte öffentlich-rechtliche Apparat hat einen Teil seiner journalistischen Glaubwürdigkeit verloren. Und daran ist nicht nur Emig, sondern auch der Hessische Rundfunk schuld.

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Zapp gegen Zossen: Ein Bashing-Duell der Extraklasse – und die MAZ entlässt Redakteur mit Stasi-Vergangenheit

Entlassen: Redakteur Manfred Mohr, hier mit dem ARD-Korrespondent Hans-Jürgen Börner, ist entlassen worden.

Entlassen: Redakteur Manfred Mohr (links), hier mit dem ARD-Korrespondent Hans-Jürgen Börner, ist entlassen worden. Quelle: NDR

Vier Wochen nach dem ersten Beitrag der NDR-Sendung Zapp zu “alten Stasi-Seilschaften” hat man in Hamburg ein neues Lieblingsthema gefunden: Es geht um die Brandenburgische Ortschaft Zossen sowie den Sportredakteur und ehemaligen Stasi-Spitzel Manfred Mohr, der bis vor kurzem für die Märkische Allgemeine geschrieben hat. In Nebenrollen: Der stellvertretende Zossener Bürgermeister Hartwig Ahlgrimm (er sieht sich durch den NDR diffamiert) sowie die Bürgermeisterin Michaela Schreiber.

Neue Wendung: Manfred Mohr gefeuert

Die eigentliche Nachricht sei vorweg genannt: Manfred Mohr ist von der MAZ entlassen worden – das berichtete Zapp in der Sendung von gestern Abend. Die Chefetage hat also auch personelle Konsequenzen aus der Stasi-Vergangenheit des Sportredakteurs gezogen. Außerdem schrieb ein User in einem Kommentar zu meinem Blogpost, die fragliche Stasi-Dokumentation von Hans-Jürgen Börner könne “aus rechtlichen Gründen” nicht mehr gesendet werden.

Das passiert, wenn der NDR investigativ wird

Hartwig Ahlgrimm: Tragische Figur, weil schlecht informiert.

Hartwig Ahlgrimm: Tragische Figur, weil schlecht informiert. Quelle: NDR

Die Geschichte von und mit Hartwig Ahlgrimm soll an dieser Stelle nicht noch einmal aufgerollt werden. Für mich steht fest: Der gute Mann hat von Pressefreiheit und deren rechtlichen Grundlagen leider keine Ahnung – und er hätte sich seine öffentliche Intervention vor laufender Kamera ganz einfach sparen sollen. Allerdings hatte Zapp Herrn Ahlgrimm in einem Vorab-Beitrag falsche Motive unterstellt. Das wollte man beim NDR auf telefonische Nachfrage nicht kommentieren, hat den Fehler aber anscheinend eingesehen: Ein Online-Text wurde verändert, das fragliche Video nachträglich akkurat angepasst.

Zossen ist erstaunlich interessant – und wird zum Thema

Die Größe, diese journalistischen Ungenauigkeit zuzugeben, hatte die Zapp-Redaktion bislang nicht. Was folgte, war ein idyllisch-amüsanter Beitrag zum Zossener Presseverständnis. Aber dem nicht genug: Zossen ist Zapps neuer Liebling. In dem jüngsten Beitrag geht es jetzt um die “Zossener Stimme“, eine Beilage des lokalen Amtsblattes. Hier hat Zapp aufgedeckt, dass sich die Macher des Blattes wohl etwas zu wichtig nehmen: Sie nominierten sich quasi selbst für einen Journalisten-Preis der Konrad-Adenauer-Stiftung. Auch die Frage nach der Finanzierung des Blattes ist berechtigt – obwohl die Tatsache, dass dies mit öffentlichen Geldern geschieht, meiner Meinung nach kein Skandal ist.

Zapp-Beitrag zum Zossener Amtsblatt: Journalismus oder Bashing? Quelle: NDR

Zapp-Beitrag zum Zossener Amtsblatt: Journalismus oder Bashing? Quelle: NDR

Die Provinz und das Fernsehen: Bashing oder notwendige Recherche?

Aber ist das wirklich ein Thema für eine ARD-Sendung, oder handelt es sich hierbei nur um journalistisches Bashing? Ich finde, dass diese Angelegenheit eher eine Lappalie und daher die Sendezeit nicht wert ist. Beim NDR hat man sich wohl auf Zossen eingeschossen – Zapp bezieht oft und gerne klar Stellung. Mein Vorschlag lautet: Zapp sollte ein eigenes Lokalstudio in Zossen einrichten, um näher dran zu sein an den provinziellen Amtsskandalen. Ich freue mich jedenfalls auf weitere Beiträge für die Sparte “Neues aus Zossen”.

Streit um HDTV eskaliert: BITKOM spricht von “Körperverletzung”

Quelle: EICTA.org

Quelle: EICTA.org

Das sei “fast schon Körperverletzung”, sagt Achim Berg im Bild-Interview – gemeint ist das analoge Fernsehsignal. Berg ist Vizepräsident des Verbandes BITKOM und hauptberuflich Geschäftsführer von Microsoft Deutschland. Er kann nicht begreifen, warum die Deutschen so zögerlich auf den neuen Standard “High Definition” (HD) reagieren, der den TV-Zuschauern doch exzellente Bildqualität bietet.

Im Ringen um die Etablierung dieses neuen Sendestandards wird der Ton rauer: Denn auch drei Jahre nach der Markteinführung gibt es kaum TV-Programme, die in HD-Qualität ausgestrahlt werden. Pünktlich zur Internationalen Funkausstellung in Berlin reden sich die Interessenvertreter in Schwung. Und wo sachliche Argumente nicht mehr reichen, da muss eben rhetorisch nachgeholfen werden. Interessant ist allerdings, dass während des Interviews nicht klar wird, in welcher Funktion Achim Berg hier spricht: Denn er redet nicht nur von HDTV, sondern auch von dem Internet-Fernsehen IPTV. Wohl nicht rein zufällig, denn Microsoft liefert unter anderem die Software für das Internet-Fernsehen von T-Home und dürfte an Umsatzsteigerungen in diesem Bereich kräftig mitverdienen.

Von wegen Revolution: Die Geräte sind “HD ready” – das Programm noch nicht

Neues Gerät, schlechtes Bild: Nach dem Kauf kommt daheim die große Ernüchterung. Quelle: andresr, STOCKXPERT

Neues Gerät, schlechtes Bild: Nach dem Kauf kommt daheim die große Ernüchterung. Quelle: andresr, STOCKXPERT

“20 Prozent der Haushalte haben heute schon Flachbildschirme, die das hochauflösende Fernsehen HDTV darstellen können”, sagt Berg in dem Interview. Selbst wenn diese Zahl stimmt, bleibt es dabei: Bis auf Weiteres müssen deutsche TV-Konsumenten auf High Definition im laufenden Programm verzichten. Aber warum ist Deutschland nicht schon längst das Paradies der hochauflösenden Glotzen, so wie es Branchenvertreter und die verärgerten Kunden fordern? Dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen, und nur teilweise sind verschlafene TV-Anstalten dafür verantwortlich.

Problem 1: Längst nicht jeder hat bereits digitales Fernsehen

Wer HD genießen will, braucht dafür ein digitales Signal – das herkömmliche, mittlerweile veraltete Analog-TV ist für den neuen Standard nicht geeignet. Nach aktuellen Zahlen ist aber erst knapp die Hälfte der deutschen Haushalte auf Digital-Fernsehen umgestiegen. Nach wie vor sehen viele Konsumenten also keinen Grund für Innovationen – obwohl der Umstieg denkbar einfach und kostengünstig ist.

Problem 2: Der Umstieg auf HD-Produktion ist teuer

Fernsehproduktionen und -ausstrahlungen in HD sind teuer und technisch aufwändig. Kein Wunder also, dass es in Deutschland noch keiner der bundesweit frei empfangbaren Sender gewagt hat, ein Dauerprogramm in HD auf die Beine zu stellen. Komplizierte neue Technik muss installiert, das Personal umgeschult werden – das alles kostet viel Zeit und Geld. Allein das ZDF hat für diesen Wandlungsprozess 100 Millionen Euro an Gebührengeldern eingeplant.

Quelle: Garry518, STOCKXPERT

Quelle: Garry518, STOCKXPERT

Problem 3: Technisches Kuddelmuddel beim Kabelempfang

Wer Kabel hat und HDTV will, guckt derzeit noch in die Röhre. Zu groß ist noch das technische Durcheinander, denn bislang konnte man sich bei den Kabelnetzbetreibern auf keine verlässliche Norm einigen. “Zu umständlich” sei der HD-Umstieg für den Kabelnutzer, sagt Verbraucherschützer Michael Gundall im Interview mit dem Digitalmagazin. Er bezeichnet das digitale Kabelfernsehen als “große Baustelle”.

Problem 4: HDTV über Antenne – leider Fehlanzeige

Zwar wird der digitale Antennenempfang (DVB-T) in Kürze deutschlandweit und flächendeckend möglich sein. Noch gibt es noch kein HD-Signal für die drahtlose Technik, für die man nur eine kostengünstige Zimmerantenne benötigt.

HDTV: Optische Täuschung oder Non Plus Ultra?

Es ist also längt nicht so einfach, wie viele Kritiker in diesen Tagen behaupten. Die öffentlich-rechtlichen Sender haben sich vorgenommen, im Jahr 2010 regulär auf HDTV umzusteigen – das ist vielen Käufern von HD-Geräten einfach zu langsam. Die privaten Sender hatten bislang auch ihre Probleme mit der neuen Technik und stellten das Programm nach einem Pilotprojekt wieder ein. Bislang senden nur der Bezahlsender Premiere, Arte und Anixe HD in der neuen hochauflösenden Qualität.

Premiere bezeichnet sich gerne als Vorreiter in Sachen HD, erntet dafür aber auch kritische Userkommentare im Internet. In einem Bericht bei heise.de wird deutlich, dass Premiere durch seine HD-Lobbyarbeit vor allem wohl die eigenen Geschäftsnöte lindern will. Zu einer regelrechten Eskalation der Diskussion kam es, als die ARD in einem Ratgeberbericht offenbar dem TV-Konsumenten empfahl, sich beim Neukauf für ein herkömmliches Röhrengerät zu entscheiden. Empört reagierte ein Technikportal auf die selbstgefällige Formulierung, die Öffentlich-Rechtlichen seien “Vorreiter” beim HDTV. Daraufhin wurde der ARD-Artikel offenkundig überarbeitet – die kritisierten Passagen jedenfalls sind nicht mehr aufzufinden. Und um dem Ganzen mehr Sachlichkeit zu verleihen, ergänzte man nachträglich noch ein Experteninterview.

Fazit: Kommt Zeit, kommt HD – hektische Rhetorik ist sinnlos

Quelle: Brian Lary, stock.xchng

Quelle: Brian Lary, stock.xchng

Eines steht für mich nach stundenlanger Recherche fest: HD ist seiner Zeit voraus – denn die Kunden und Sender sind noch nicht bereit für diese Technik. Und wer durch bloße Rhetorik die Nachfrage nach dem digitalem TV-Genuss herbeischreit, wird gegen die Windmühlen der Fernsehanstalten ohnehin nicht ankommen.

Mehr zu diesem Thema im Internet:

  • Kölner Stadt-Anzeiger – Medien – Digitales Fernsehen: Neue Geräte müssen her (28. August 2008)