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Exilliteratur deutscher Autorinnen und Autoren (1933 bis 1945)

Dieses in etwa einstündige Referat befasst sich mit der deutschen Exilliteratur während des Nationalsozialismus. Zunächst wird erklärt, wie es zum Phänomen der Emigrantenliteratur kam, unter welchen Bedingungen die deutschen Exilautoren im Ausland lebten und wo die geografischen Zentren des exilliterarischen Schaffens lagen. Anschließend wird auf die Formen, Themen und Motive der deutschen Exilliteratur zwischen 1933 und 1945 eingegangen.
Zudem bietet ein Handzettel eine Zusammenfassung der wichtigsten Informationen (als PDF-Datei verfügbar).

1. Begriffserklärung

Unter dem Begriff “Exilliteratur”, auch als “Emigrantenliteratur” bezeichnet, versteht man alle Werke, die zumeist als Folge politischer Verfolgung im Exil verfasst wurden.

2. Vorgeschichte und Beginn des Exils

Bereits in der Weimarer Republik gab es schon vereinzelt, dann zunehmend juristische Repressalien gegen Kulturschaffende (z.B. gegen Filmproduzenten, Dichter, Verleger und Journalisten).
Damit einher ging eine deutlich werdendere Diskriminierung liberaler, linker, kommunistischer, jüdischer und pazifistischer Autoren: Die Störung von Veranstaltungen (z.B. Autorenlesungen) durch die SA, “Schreibverbote”, Drohbriefe, gewalttätige Übergriffe oder sogar der Verlust des Arbeitsplatzes waren keine Seltenheit mehr. Zahlreiche konservativ ausgerichtete Medien begannen, den Abdruck links orientierter oder von jüdischen Autoren verfassten Texten zu verweigern.
Als Folge dieser Entwicklung wanderten bereits zu Beginn der 30er Jahre viele Angehörige der o.g. Minderheiten aus Deutschland aus.

Bemerkenswert ist auch, dass bereits vor der Machtübernahme durch die Nazis eine akribische Erarbeitung so genannter Schwarzer und Weißer Listen durch nationalsozialistische und nationalistische Vereinigungen stattfand. Diese Listen von angeblich anti-deutscher bzw. nicht-arischer Literatur wurden zum Teil auch in einschlägigen Propagandaorganen veröffentlicht. So wurden die Opfer dieser Diskriminierung, die Autoren und Verleger, zusätzlich unter Druck gesetzt.

Unmittelbar nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 begann man im Rahmen der Gleichschaltung mit der Überarbeitung und Erweiterung der Verbotslisten. “Literatur” nannten die Nazis fortan “Schrifttum” und richteten entsprechende Reichsministerien ein, deren Aufgabe in der Kontrolle und der zentralistischen Verbreitung von sämtlichen veröffentlichten Schriften bestand. Das Vorgehen gegen unerwünschte Autoren, Verlage und Presseorgane wurde aggressiver, Autoren- und Publikationsverbände wurden entweder verboten oder von Systemtreuen unterwandert, wodurch deren Gleichschaltung gesichert war. Davon war z.B. auch die “Preußische Akademie der Künste”, zu deren Mitgliedern auch Thomas Mann und Käthe Kollwitz zählten, betroffen.

Die in ihrer Bedeutung unmissverständliche, deutschlandweite, zeremoniell abgehaltene Bücherverbrennung vom 30. Mai 1933, die an vielen Universitäten zeitgleich stattfand, kann als Ausgangspunkt der Exilbewegung vieler deutscher Intellektuellen bezeichnet werden. Hierbei wurden die Schwarzen Listen konsequent abgearbeitet und sämtliche als nicht-arisch gekennzeichnete Werke feierlich verboten und verbrannt. Diese “Säuberung des Schrifttums” wurde in der Folgezeit noch intensiviert; es fand praktisch eine komplette Literaturvereinnahmung durch die Nationalsozialisten statt.

Von der Radikalität dieser gesamten Entwicklung abgeschreckt, verließen zahlreiche Autoren und Publizisten das Land. Insgesamt wurden etwa eine halbe Million Menschen aus Deutschland vertrieben. Darunter waren etwa 30.000 politisch Verfolgte, etwa 5.000 “Kulturschaffende”, davon ca. 2.500 Autoren und Publizisten.

3. Bekannte Autoren im Exil

Zu den bekanntesten und wichtigsten deutschen Exilautoren zwischen 1933 und 1945 zählen unter anderen Bertolt Brecht, Lion Feuchtwanger, Oskar Maria Graf, Heinrich Mann, Klaus Mann, Thomas Mann, Erich Maria Remarque, Anna Seghers, Franz Werfel.

3.1 Existenzprobleme

Die meisten Schriftsteller, die aus politischen oder persönlichen Gründen das Land verließen oder verlassen mussten, rechneten nicht damit, dass sie die nächsten Jahre, manchmal sogar ihre letzten Lebensjahre, im Exil verbringen würden. Viele von ihnen waren schon lange vor Kriegsbeginn, als sie Deutschland verließen, überzeugt oder zumindest zuversichtlich, dass Hitler und sein nationalsozialistischer Machtapparat früher oder später gestürzt werden würden. Man hoffte auf die deutsche Armee oder auf Putschversuche aus der deutschen Bevölkerung und rechnete auf lange Sicht mit dem Zusammenbruch der Diktatur.

Dementsprechend sorglos waren viele Emigranten beim Verlassen des Landes. Man ging davon aus, dass die ausländischen Behörden, wie man es von Reisen gewohnt war, freundlich und unbürokratisch mit den politisch Verfolgten bzw. Auswanderern, die mutig gegen das Nazi-Regime protestiert hatten, umgehen würden. In den meisten Fällen war aber eher das Gegenteil der Fall: Einreisevisa, Arbeits- und Publikationsgenehmigungen waren oft große Hürden für die emigrierten Künstler.
Vor allem die Einwanderungsbestimmungen der Gastländern stellten für die meisten Emigranten ein unerwartetes und daher umso größeres Problem dar. Viele von ihnen waren aus Deutschland geflohen, ohne einen Reisepass oder überhaupt einen noch gültigen Pass zu besitzen. Andere besaßen nur gefälschte Papiere oder standen vor dem Problem, dass ihr Ausweis demnächst ablief und von den deutschen Behörden erst verlängert werden musste, was diese in vielen Fällen ablehnten. Folglich war eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis für die Immigrierten die Ausnahme. Nur über persönliche Beziehungen oder mit Hilfe von nachweisbaren besonderen Leistungen war es möglich, solch eine Erlaubnis und vielleicht sogar ein Einbürgerungsverfahren bewilligt zu bekommen.

Ein weiteres schwerwiegendes Problem, das fast alle ausgewanderten Künstler hatten, stellte ein geregeltes Einkommen dar. Für das Publizieren von literarischen Texten benötigte man in der Regel eine Arbeitserlaubnis. Die bekam aber nur, wer auch eine Aufenthaltserlaubnis und gültige Ausweise besaß. Spätestens durch die Ausbürgerung der meisten ausgewanderten NS-Gegener von deutscher Seite waren jedoch deren Papiere abgelaufen.
Hinzu kam, dass im Laufe der Zeit immer mehr innerdeutsche Konten für Emigrierte gesperrt oder aufgelöst wurden, sodass viele nicht mehr auf ihr Guthaben zugreifen konnten. Daraus ergaben sich für sehr viele der Emigrierten ein finanzieller Engpass, der oft bis in die Existenznot führte. Die Gehälter und Honorare der Exilverlage oder –unternehmen waren minimal.
Ihren Lebensunterhalt bestritten viele Künstler vornehmlich durch Zuwendungen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis oder aus speziellen Hilfskomitees in den Gastländern (z.B. die “American Guild for German Cultural Freedom” mit einem kleinen Gesamtkapital von 30.000 $).

Viele Ausgewanderte kamen sich hin- und hergeschoben und von ihren Gastländern schlecht behandelt vor.
Die permanente Demütigung, als herausragender, akademischer Kulturschaffender nicht in der Lage zu sein, sein eigenes Einkommen zu erwirtschaften und auf Kosten anderer leben zu müssen, belastete viele Künstler schwer und hinderte sie am Schreiben. Davon waren vor allem Frauen betroffen, die aufgrund der traditionellen Geschlechterrollen mit der alltäglichen Organisation beauftragt wurden.

Hinzu kam für viele ein Kulturschock. Die fremde Kultur und Mentalität des Gastlandes und insbesondere die bittere Einsicht, dass im Ausland sich nur die wenigsten für deutsche Literatur interessierten und das Heimatland sie längst vergessen hatte, führten außerdem bei vielen Autoren zu Isolation, Vereinsamung und Depressionen. “Nur schwer kann sich Brecht an die neue Umgebung, an Amerika, insbesondere an Hollywood gewöhnen: ‚Fast an keinem Ort war mir das Leben schwerer als hier in diesem Schauhaus des easy going.’” (Völker, Klaus: Brecht-Chronik, S. 104/105) “Die Härte und Unmittelbarkeit der politischen Aussage ist den amerikanischen Theaterleuten unangenehm und nicht theatergerecht. [...] Es kommt zu großen Spannungen, die ausgesprochen feindseligen Charakter annehmen.” (Völker, Klaus: Brecht-Chronik, S. 75/76)
Viele litten zudem in der Fremde unter den offenen oder unterschwelligen Diskriminierungen, die ihnen als Deutsche entgegengebracht wurden. Fremdenhass, Nationalismus, extremistische und antisemitische Tendenzen wurden auch in den Gastländern spürbar, besonders während der Kriegsjahre.
Zur Situation der Emigranten schreibt Theodor Adorno: “Jeder Intellektuelle in der Emigration, ohne alle Ausnahme, ist beschädigt [...]. Er lebt in einer Umwelt, die ihm unverständlich bleiben muß, auch wenn er sich in den Gewerkschaftsorganisationen oder dem Autoverkehr noch so gut auskennt; immerzu ist er in der Irre. [...] Enteignet ist seine Sprache und abgegraben die geschichtliche Dimension, aus der seine Erkenntnis die Kräfte zog.” (Stephan, Alexander: Die deutsche Exilliteratur 1933 – 1945, S. 49)

Beispiele für Autoren, die sich aufgrund ihrer internationalen Bekanntheit relativ schnell integrieren konnten, sind Thomas Mann, Lion Feuchtwanger, Franz Werfel und Vicki Baum.
Auf der anderen Seite gab es nicht wenige, die vor der materiellen und seelischen Not im Ausland kapitulierten und Selbstmord begangen (z.B. Stefan Zweig und Kurt Tucholsky).
Andere flüchteten sich in Kleinbürgerlichkeit, viele versuchten aber auch, über die Teilnahme an Exilorganisationen oder –zeitschriften ihrem aus den Fugen geratenen Leben einen neuen Sinn zu geben.

3.2 Zentren des Exils

Die deutschen Exilautoren wanderten in die unterschiedlichsten Länder rund um den Globus aus. Sowohl in Europa als auch in Nord- und Südamerika, Asien oder sogar Australien und Neuseeland fanden sie Unterschlupf, wenn auch oftmals nur zeitlich begrenzt und unter strengen Auflagen. Ein wirkliches Zentrum des deutschen Exils hat es nie gegeben. Auch wechselte man häufig das Asylland, wenn Aufenthaltsgenehmigungen abliefen oder es die Kriegssituation nach 1939 nötig machte. Man habe die Länder öfter als die Schuhe gewechselt, sagte Bertolt Brecht, der nacheinander in Frankreich, Dänemark, Schweden, Finnland, in der Sowjetunion und dann in den USA im Exil lebte.

In welchem Land man Asyl zugesprochen bekam, hing maßgeblich von der politischen Orientierung ab. Hier sind nur grobe Abstufungen auszumachen:
So wanderten Kommunisten nicht selten in die Sowjetunion aus, in die Tschechoslowakei, nach Spanien (wo sie größtenteils als Widerstandskämpfer im spanischen Bürgerkrieg aktiv waren), nach Mexiko oder sogar Chile (Zentrum war hier die Hauptstadt Santiago).
Sozialliberale fanden überwiegend in Frankreich (Paris) und in den skandinavischen Ländern eine (vorübergehende) Unterkunft. Politisch Uninteressierte wurden von der Schweiz und von England (London) bevorzugt. Menschen, die Deutschland aufgrund ihrer persönlichen Opposition zur nationalsozialistischen Rassentheorie verließen, wanderten nach Österreich oder später auch nach Italien aus.
Randländer des Exils waren Polen, die Türkei, Jugoslawien, Schanghai und Palästina. Bis zur Invasion der deutschen Wehrmacht waren auch die Niederlande ein wichtiges Exilland (schwerpunktmäßig Amsterdam).

Die Tschechoslowakei kann als ein Zentrum des deutschen Exils ausgemacht werden. Die Einreise und das Beantragen einer Aufenthaltserlaubnis waren für Deutsche relativ unkompliziert; so wurde Prag für viele deutsche Auswanderer eine zweite Heimat.

Nachdem 1938 Österreich und die Tschechoslowakei von Hitler annektiert worden waren, veränderte sich die Situation vieler deutscher Flüchtlinge radikal. Polen, Frankreich und die Niederlande wurden von deutschen Truppen besetzt und selbst Skandinavien und England wurden von den Nazis bedroht.
In Folge dessen wanderten viele in die USA aus. Nordamerika wurde zum wichtigsten Exilland während des Krieges (insgesamt 280.000 Flüchtlinge). Neben vielen Forschern (z.B. Albert Einstein) fand die gesamte deutsche Literaturelite (u.a. Bertolt Brecht und die Mann-Familie) Asyl in den USA. Zentren waren hier New York City und Kalifornien.

3.3 Veröffentlichungsmöglichkeiten

Ein ganz erheblicher Teil der im Exil verfassten Literatur wurde erst nach 1945 veröffentlicht. Andere Texte wurden überhaupt nicht veröffentlicht. Fest steht, dass im Exil weitaus weniger geschrieben und publiziert wurde als zuvor in der Heimat. Dies lag vor allem an der generell schlechten Situation der Emigranten.

Viele Emigranten litten unter dem Gefühl, ihre deutsche Sprache im Ausland “verloren” zu haben. Auch fühlten sie sich von ihrem vertrauten Publikum getrennt und fanden – wenn überhaupt – nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten zum Arbeiten vor.
Es gab nur wenige Autoren, die sich mit eigenen Publikationen finanziell über Wasser halten konnten; unter ihnen waren z.B. Thomas Mann, Lion Feuchtwanger, Franz Werfel, Vicki Baum und Anna Seghers.
Der Großteil der deutschen Autoren lebte im Ausland in sehr dürftigen, häufig ärmlichen Verhältnissen. Es gab nur wenige Organe, die der Vielzahl der Publizisten die beschränkte Möglichkeit gaben, ihrer ursprünglichen Arbeit nachzugehen. Dazu zählten “Das Wort” in Moskau, die “Neuen Deutschen Blätter” in Prag, “Die Sammlung” in Amsterdam, sowie “Der Aufbau” und das “Pariser Tageblatt”.
Bei den Verlagen, die deutsche Autoren und Autorinnen unterstützten, sind vor allem “Querido und Allert de Lange” in Amsterdam, “Berman-Fischer” in Stockholm, “Oprecht” in Zürich, “El libro libre” in Mexiko und “Little & Brown” in Boston (USA) zu nennen.

Viele Deutsche stießen mit ihren Schriften in der Bevölkerung des Gastlandes auf Ablehnung; sie wurden allenfalls geduldet, doch nur in den seltensten Fällen beim Aufbau deutscher Widerstandsschriften von einheimischen Verlagen unterstützt. Dies war vor allem in der Schweiz und in den Niederlanden der Fall, in deren Hauptstädten sich einige gebildete Sympathisanten der “Exilschreiber” fanden. Die Kriegssituation verschlimmerte die Lage vieler Exilautoren zusätzlich, da sie das Interesse an deutscher Publizistik verringerte und die Einwanderer zu “deutschen Feinden” stigmatisierte.

3.4 Exilorganisationen und Exilkongresse

Die Gruppe der deutschen Emigranten war keine geschlossene Gruppe; vielmehr waren die Autoren, Dichter und Künstler untereinander sehr unterschiedlich. Das einzige, was sie letztlich teilten, war die Opposition zum deutschen Nationalsozialismus und der tendenzielle Wille, ein anderes Deutschland im Ausland zu vertreten.

Viele deutsche Schriftsteller verließen das Land mit dem Vorhaben, im Ausland gemeinschaftlich eine deutsche Volksfront gegen den Nationalsozialismus aufzubauen. Dieses Vorhaben stellte sich aber bereits sehr früh als gescheitert heraus. Zu zersplittert war die Gruppe derjenigen, die aktiv gegen die politischen Verhältnisse in ihrem Heimatland anzukämpfen versuchten. Zwar fanden sich in einigen Zentren (z.B. Prag, Moskau, London oder Amsterdam) kleine Gruppen von politisch oder ideologisch Gleichgesinnten zusammen, doch die schlechte Kommunikation und die notwendigen Wechsel des Aufenthaltsortes, die der Krieg mit sich brachte, verhinderten das Entstehen einer größeren Widerstandsbewegung von nennenswertem Einfluss.
So gründete man vielerorts zwar einzelne Vereine deutscher Literaten und Verleger. Doch nicht einmal diese Vereine kannten sich alle untereinander oder wagten den Zusammenschluss zu größeren, schlagkräftigen Organisationen. Man traf sich zwar in kleinen Dichter-Clubs, doch vermochte man nichts Größeres zu bewegen, im Gegensatz zu polnischen oder französischen Flüchtlingen, die schon bald Exilregierungen gründeten. All dies wurde noch deutlicher, je länger das Exil andauerte. Eine gemeinsame Richtung konnte man nicht finden.

In Prag gab es beispielsweise den Bert-Brecht-Club und den Thomas-Mann-Club. In Österreich tat man sich in deutsch-österreichischen Kulturorganisation zusammen, die jedoch ideologisch und politisch äußerst zersplittert waren.
In Paris gründete man unter der Leitung Heinrich Manns eine duetsche Hochschule und die so genannte deutsche Freiheitsbibliothek, die zu einem der lebendigsten Treffpunkte deutscher Exilanten wurde.

Die Exilorganisationen und -kongresse hatten das vorrangige Ziel eines Gedankenaustauschs und der gegenseitigen Hilfe der Exilanten untereinander, auch finanzieller Art. Man traf sich, um Neuigkeiten aus der Heimat zu erfragen, intellektuelle Diskussionen zu führen oder aber aus bloßer Geselligkeit.

In Frankreich taten sich später auch einige deutsche Exilautoren mit den dortigen Widerstandskräften zusammen. Zuvor hatten bereits zahlreiche deutsche Flüchtlinge im spanischen Bürgerkrieg die lokalen Widerstandskämpfer unterstützt.

4. Exilliteratur

4.1 Formen, Themen und Motive

Das meiste, was im Ausland von deutschen Autorinnen und Autoren verfasst wurde, war Erzählprosa. Zum einen gab es den so genannten Zeitroman und zum anderen die Autobiografie. Grob lässt sich sagen, dass das komplexe Feld des Zeitromans in erster Linien aus “Deutschlandromanen” (Romane, in denen das gegenwärtige und vorzeitige Deutschland behandelt wurden; gemeint sind hier Werke, die oft dokumentarischen, reportageähnlichen oder aufklärerischen Charakter hatten – siehe z.B. “Eine Jüdin erlebt das neue Deutschland”, geschrieben 1934 von Lilli Körber – und sich schwerpunktmäßig mit der Machtergreifung der Nazis und deren Vorgeschichte befassten) und Exilromanen (in dieser Form des Romans wurde das Erlebte der Emigranten erzählt) zusammensetzte. Wie man anhand der beiden “Henri IV”-Romane von Heinrich Mann exemplarisch zeigen kann, gab es in der Kategorie “Deutschlandroman” auch den historischen Roman, der den jetzigen deutschen Zustand in historischen Entwicklungen und Vergleichen zu begründen versuchte. Die zahlreichen Autobiografien hingegen dienten vielen Autoren vor allem zum Ende des Krieges hin dazu, das Erlebte aufzuarbeiten. Auch stand hier häufig die Zeitwende, die die Epoche des Krieges abschloss, und der Wechsel der Generationen im Mittelpunkt.
Der Exilroman “Transit” von Anna Seghers, der auf authentischen Erfahrungen beruht, spielt 1940 im französischen Marseille kurz nach Beginn der Invasion der Wehrmacht. Die Hafenstadt ist überfüllt mit Flüchtlingen, die auf andere Kontinente gelangen wollen, aber mangels Papieren der unvorstellbaren Bürokratie im Hafen ausgeliefert sind. So belagern sie tagelang öffentliche Einrichtungen und betteln an den Schaltern um ihre Ausreise.
Der Bereich der Lyrik ist während der Exilzeit häufig zu kurz gekommen. Zwar wurden gelegentlich Gedichte veröffentlicht, aber der überwiegende Teil der lyrischen Werke wurde – wenn überhaupt – erst nach Kriegsende publiziert. Hier sind vor allem altbekannte Dichter wie z.B. Else Lasker-Schüler und Bertolt Brecht zu nennen.

Inhaltlich ist die Lyrik, die während der Zeit des Nationalsozialismus entstand, jedoch von großer Bedeutung. So war sie ein einfaches Mittel der Autoren, das eigene Erlebte zu verarbeiten und bewerten. Auch bot sich bei der Lyrik der Reiz, dass sie eine knappe, leicht zu übersetzende und wiederzugebende Form der literarischen Kunst war. So ist es kaum verwunderlich, dass sogar Konzentrationslagerhäftlinge und Gefängnisinsassen lyrische Aufzeichnungen hinterließen. Als beispielhafte Exillyrikerin soll hier Hilde Domin genannt werden.

Wer als deutscher Emigrant Theaterstücke aufzuführen versuchte, hatte es im Ausland besonders schwer. Hier ist vor allem Bertolt Brecht als Ausnahme zu nennen, dem es gelang, in Frankreich und später auch in den USA mehrere Theaterstücke aufzuführen, die sich vor allem kritisch mit Deutschland und der Kriegssituation auseinandersetzten.

Das Exil spiegelt sich auch in den Themen der zeitgenössischen Literatur wieder. Dazu zählen vor allem Fluchtberichte, die Beschreibung des Exillebens mit seinen materiellen Nöten, Einsamkeit, Gedanken über Deutschland und die Sehnsucht nach der Heimat. Manche suchten nach ähnlichen Schicksalen im geschichtlichen Kontext und verfassten historische Romane. Andere führten detailliert Tagebuch und dokumentierten so ihre Einsamkeit und Ohnmacht angesichts der neuen politischen Verhältnisse.
Auch umfangreiche Briefwechsel zwischen Exilanten und ihren Verwandten und Freunden sind überliefert. Sie dokumentieren auf oft erschreckende Weise den Wandel der gesellschaftlichen Atmosphäre in Deutschland und die verschiedenen Sichtweisen in der Heimat und im Gastland.
Auch umfangreiche politische Literatur wurde im Exil verfasst. Sie rief direkt oder indirekt zum Widerstand gegen das heimische NS-Regime auf und lieferte Argumentationen gegen die NS-Ideologie. Politische Romane waren die unumgängliche Folge der Parteilichkeit der Exilanten gegen die Nationalsozialisten. Auch wurde von deutschen Autoren im Ausland erwartet, offen Stellung zu beziehen. “Wertungsfreies” oder unabhängiges Schreiben war für die Exilanten aufgrund ihrer prekären Situation ohnehin nicht möglich.

Viele Lyriker verarbeiteten in ihren Gedichten den Kulturschock, den sie im Exilland erlebten. Das befremdliche Gefühl des Abgeschobenseins, der Hilflosigkeit und die Konfrontation mit fremden Kulturen wurden zu zentralen Themen der Exillyrik. Oft gestalten sich die Gedichte als zusammenhangslose Bestandsaufnahmen oder Notierungen.

4.2 Schaffensprobleme

Das Gefühl, aus seiner gewohnten Umgebung unvermittelt durch das Nazi-Regime herausgerissen worden zu sein, hinderte viele Autoren am Schreiben. Auch wandelte sich ihre ehemals hauptberufliche Tätigkeit zu einem Nebenjob, denn wichtiger war es im Ausland zu überleben, und das gelang nur in den seltensten Fällen mit Hilfe der eigenen Schriften. Die Vertreibung mit all ihren Konsequenzen stellte für besonders viele Autorinnen eine derartige Zäsur dar, dass sie angesichts der Versorgungsnöte literarisch “verstummten” und auch nach einer Rückkehr in die fremd gewordenen Heimat nicht wieder mit dem Schreiben begannen. Als für seine Tätigkeit förderlich dürfte niemand das Exil beurteilt haben. Die innerliche Leere, welche die ständige Existenzangst bei vielen hervorrief, wirkte sich auch auf ihre Tätigkeit als Schriftsteller aus.

5. Rolle der Exilliteratur nach 1945

Vielen passionierte Publizisten machte die Erfahrung des Exils derartig zu schaffen, dass sie ihre schriftstellerische Tätigkeit aufgaben. Auch fand die Exilliteratur in Westdeutschland bis in die achtziger Jahre hinein kaum Beachtung.

Andere begannen erst nach 1945, ihre Biografie als Emigrant niederzuschreiben. Auch Lyrik wurde verstärkt zum Mittel der Aufarbeitung.

Handout: Exilliteratur deutscher Autorinnen und Autoren (1933 bis 1945)

Quellen:

  • http://www.uni-essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/Vorlesungen/literaturge/exilliteratur.htm
  • http://www.literaturwelt.com/epochen/exil.html
  • Riegel, Paul und van Rinsum, Wolfgang: Deutsche Literaturgeschichte (Band 10), Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 2000
  • Stephan, Alexander: Die deutsche Exilliteratur 1933 – 1945, Verlag C.H. Beck, München 1979
  • Völker, Klaus (Hrgb.): Brecht-Chronik, Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1997
  • 31 Kommentare

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    2. Menna sagt:

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