Dieser kurze Vortrag befasst sich mit der so genannten Luftschlacht um England, die 1940 und 1941 stattfand und aus groß angelegten Angriffen der deutschen Luftwaffe gegen Großbritannien bestand. Es werden zunächst die militärischen Pläne der nationalsozialistischen Regierung erläutert. Es folgt eine Beschreibung der Kampfhandlungen sowie den Konsequenzen für das britische Militär und die Zivilbevölkerung.
Die so genannte Luftschlacht um England dauerte im Wesentlichen von August 1940 bis Mai 1941 und stellte die bis dahin größte Abfolge von Luftkriegshandlungen in der Geschichte dar. Sie bestand aus kontinuierlichen Angriffen der deutschen Luftwaffe gegen englische Militär- und Industrieeinrichtungen und die britische Zivilbevölkerung.
Im Juli 1940 befahl Hitler die Bereitstellung großer Teile der Wehrmacht für eine Invasion Großbritanniens (Unternehmen “Seelöwe”), die am 15. August beginnen sollte, was seine Generäle jedoch als zu früh bezeichneten. Hitler befand sich nach dem Sieg über Frankreich auf dem Höhepunkt seiner Macht und wollte die Briten zwingen, mit Deutschland Frieden zu schließen und die europäische Überlegenheit der Deutschen anzuerkennen. Der britische Premier Winston Churchill lehnte jedoch jegliche Verhandlungen mit Hitler ab, woraufhin sich im deutschen Lager Wut und Enttäuschung breit machten.
Auch die praktische Umsetzung der Invasionsvorbereitungen bereitete der Wehrmacht große Schwierigkeiten. Die geforderten Truppen und Transportmittel ließen sich nicht unbemerkt an die französische Küste verlegen und die beginnenden Herbststürme machten später eine Überfahrt unmöglich. Hitler musste einsehen, dass sich die Invasion nicht so reibungslos durchführen ließ, wie er es sich erhofft hatte.
Er beschloss, England durch Luftangriffe in die Knie zu zwingen. Durch heftige Attacken auf Flugplätze und Abwehrstellungen wollte man die Briten innerhalb weniger Wochen friedensbereit bomben und sich die Luftherrschaft über Großbritannien sichern. Hermann Göring (damals Reichsluftfahrtminister und zweitmächtigster Mann im Dritten Reich) behauptete, die deutsche Luftwaffe sei der britischen in nahezu allen Bereichen deutlich überlegen und schätzte die englische Flugabwehr und Flugzeugproduktion völlig falsch ein.
Am 13. August 1940 begannen groß angelegte Luftangriffe auf England unter dem Code-Namen “Adlertag”. In unzähligen Wellen bombardierten deutsche Flugzeuge die Stützpunkte der Royal Air Force (RAF). Die Angriffe konzentrierten sich auf Südengland. Allein an diesem Tag wurden ca. 2400 Maschinen eingesetzt, die von Frankreich aus starteten. An dem Unternehmen der “Luftschlacht” war aber auch die “Luftflotte 5″ beteiligt, die von Norwegen und Dänemark aus Angriffe auf die englische Ostküste flog.
Schon nach kurzer Zeit wurde deutlich, dass man die Royal Air Force, die auf deutsche Luftangriffe bestens vorbereitet war, gänzlich unterschätzt hatte. Entlang der englischen Küste befand sich damals das modernste Frühwarn- und Luftverteidigungssystem der Welt. Dadurch war es dem englischen Militär möglich, die deutschen Kampfverbände schon frühzeitig mit Hilfe von Radarstellungen zu orten. Oft wurden die deutschen Bomber schon von der feindlichen Jagdabwehr in der Luft erwartet, wenn sie England erreichten.
Es stellte sich schnell heraus, dass die langsamen deutschen Jäger den englischen Kampfflugzeugen technisch unterlegen waren. Auch zeigten sich deutliche Ausbildungsmängel der deutschen Piloten – sie waren nur unzureichend auf die Konfrontation mit Kampfflugzeigen eingestellt.
Trotz hoher Verluste (z.B. 56 Maschinen allein am 15. September) gelang es der Luftwaffe nicht, die massive britische Abwehr auszuschalten. Dazu kam noch, dass die englische Flugzeugproduktion mit 470 Jagdmaschinen pro Monat etwa doppelt so hoch lag wie die deutsche – schon nach drei Wochen war die Luftüberlegenheit über Großbritannien zu einer Illusion geworden und es zeichnete sich die erste Niederlage der Deutschen im Zweiten Weltkrieg ab.
Ab Anfang September 1940 verlagerten sich auf Befehl Hitlers die Luftangriffe auf englische Städte. Man wollte nun die Wirtschaft und die Moral der Briten schwächen. Hauptziele der Nachtangriffe waren hauptsächlich Versorgungs- und Rüstungsbetriebe, aber man warf auch bewusst Bomben auf die Zivilbevölkerung ab, um den Verteidigungswillen der Engländer zu brechen und eventuell einen Volksaufstand hervorzurufen. Allein London wurde ab dem 7. September (“Blitz over London”) 57 Nächte lang bombardiert. Die Luftwaffe flog während dieser Zeit mehr als 11000 Einsätze gegen die englische Hauptstadt – unter den unpräzisen Bombenabwürfen hatte vor allem die Zivilbevölkerung zu leiden.
Hitler hatte sich am 4. September ausdrücklich vorgenommen, ganze Städte “auszuradieren”. Viele Städte, die hauptsächlich im Süden Englands lagen, hatten in den Folgemonaten unter heftigen Angriffen zu leiden. Höhepunkt des Bombenkrieges war das zehnstündige Bombardement auf die Stadt Coventry in der Nacht vom 14. auf den 15. November 1940: Das Stadtzentrum von Coventry wurde fast vollständig zerstört. Die Nazipropaganda erfand daraufhin den zynischen Begriff des “Coventrierens” von Städten. Vielen anderen Ortschaften Mittelenglands erging es nicht besser. Über 40000 Zivilisten starben zwischen August 1940 und Mai 1941 bei den Bombenangriffen.
Zugleich dienten die deutschen Luftangriffe den Alliierten als Vorbild für die verheerenden Flächenbombardements auf deutsche Großstädte. Mit dem Angriff auf London am 7. September hatte der uneingeschränkte Luftkrieg begonnen – ab diesem Zeitpunkt nahmen auch die Alliierten keine Rücksichten mehr.
Ab 1941 wurden die Angriffe auf Großbritannien deutlich abgeschwächt, Grund hierfür waren der Balkanfeldzug und der Überfall auf die Sowjetunion – die Luftwaffe wurde nun für diese umfangreichen militärischen Aktionen benötigt und Hitler ließ von England ab. Bei der Luftschlacht verlor die Luftwaffe ca. 2400 Flugzeuge, meistens kam die gesamte Besatzung bei den Abschüssen ums Leben.
Der Plan der Invasion Großbritanniens wurde im Januar 1941 endgültig verworfen.
In den Folgejahren wurden nur noch sehr vereinzelte Großeinsätze gegen britische Städte geflogen. Ab 1943 wurde der Luftkrieg gegen Großbritannien wieder intensiviert, als die deutsche “Vergeltungswaffe” (V1 und V2) zum Einsatz kam, eine unbemannte Fernrakete, die aber eine erhebliche Trefferungenauigkeit aufwies, daher nur gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt werden konnte und seitens der Nazis weit unter den Erwartungen blieb. Von mehr als 10000 abgeschossenen Projektilen erreichten immerhin mindestens 2500 Stück London und Umgebung.
Die “Schlacht um England” war für Deutschland verloren gegangen und stärkte den Durchhaltewillen der Briten. Mit dem Sieg Großbritanniens in der Luft war die Grundlage für eine Allianz gelegt worden, die 1944 mit dem “D-Day” den ersten Schritt zur Befreiung Europas vom Nationalsozialismus tat.
Quellen:





