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Twitter meets newspaper: Die Redaktionen zwitschern sich eins

Heute hat die Welt Kompakt, meine neue Abozeitung, mit der Nachricht aufgemacht (siehe Foto), sie sei im Netzwerk Twitter die beliebteste Redaktion unter den zwitschernden Newsrooms. Sie beruft sich dabei auf ein Medien-Ranking der Website medienlese.com. Zu dieser “Auszeichnung” gratuliert sogar die Mutterredaktion.

Für alle Gestrigen: Ein fleißiger Blogger erklärt euch hier, was Twitter ist. Eigentlich lohnt eine Erklärung aber gar nicht, denn dafür ist bei Twitter kein Platz. Twitter ist kurz, schnell, mobil und in jeder Hinsicht unverbindlich – und daher sehr einfach. Und daher recht populär.

Ja, was zwitschern sie denn?

Obwohl 857 Tweet-Abonnenten sich für mich nicht gerade nach viel anhören – so viele wollen nämlich wissen, was die Redaktion in Berlin denn so alles daherzwitschert. Zum Beispiel gibt es fünf “Tweets” für den gestrigen Donnerstag. Da verrät ein Jemand am frühen Abend, dass man immer noch keinen Aufmacher für die Titelseite hat. Später sagt dieser Jemand, dass man mit einem Wirtschaftsthema aufmachen und dass es eine Doppelseite über Madonna geben wird. Schließlich steht da: “das twitter-vögelchen prangt auf der 1″.

Die Message: Dabei sein ist alles. Der Mehrwehrt: Null

Ich frage mich natürlich: Wo liegt da der Informationswert? Dass Menschen in ihrem Privatleben Twitter benutzen, um das Freundes-Rudel zu organisieren, macht Sinn. Twitter kann sogar für oppositionellen, politischen Widerstand genutzt werden, wie der clevere Twitter-Gründer im Interview erklärt.

Auch kann sich die Redaktion sagen lassen, sie sei modern. Zur Bestärkung dieses Verdachts lassen sich auch der Handy-Code aus der Printausgabe, das redaktionseigene Video-Blog und die MySpace-Seite des Teams hinzuziehen – alles sehr “up-to-date”. Mehr aber leider auch nicht – redaktioneller Mehrwert gleich null.

Die Konkurrenz ist etwas besser im Zwitschern

Wesentlich interessanter finde ich das Twitter-Profil von Titanic, dem absolut weltbesten Satire-Magazin. Denn hier gibt’s nichts zu lesen, sondern es werden nur Weiterleitungen auf aktuellen Content, also echte Informationssubstanz (!), geliefert – Titanic hat nämlich einfach seinen RSS-Feed bei Twitter eingestellt. Das kann man sich mal abonnieren für den Lacher zwischendurch.

Zeit Online, man höre und staune, hat es mit ihrem toten EM-2008-Tweet auf Platz vier des oben genannten Rankings gebracht – das sagt leider auch etwas über die Relevanz der heutigen Titelseiten-Meldung von Welt Kompakt aus: Die ist nämlich nicht vorhanden. Dafür so viel Platz auf der ersten Seite – sinnlos. Die Redaktion scheint gestern tatsächlich Probleme mit dem Aufmacher gehabt zu haben.

5 Kommentare

  1. [...] Zweifel an. Immerhin hat Twitter es geschafft, aus der Nische zu kommen und selbst bei Mainstream-Medien ein Thema zu sein, auch wenn die Zahl der Followers für die Tweets der Redaktionen jeweils so [...]

  2.       |>> Welt kompakt sagt:

    [...] KOMPAKT auf Twitter Updates aus der Redaktion via TwitterWELT KOMPAKT auf MySpace Profil bei MySpaceKritischer Beitrag zu den multimedialen Aktivitäten der WELT KOMPAKT Kategorien: Zeitung (Deutschland) | Axel Springer AG © Diese Definition / dieser Artikel zu [...]

  3. id404 sagt:

    nun, ich sehe die sache etwas anders. das einstellen eines rss-feeds bei twitter ist nicht nur sinnlos, es ist auch nicht im sinne des mediums microblog, wenn man nur die funktion des rss-readers spiegelt. es geht nicht darum, das redaktionelle angebot zu erweitern, wenn eine redaktion sich entscheidet zu twittern. es geht darum, dass den entwicklungen in der medienlandschaft rechnung getragen wird – indem man sich selbst zur schau stellt, indem man interne prozesse teilweise und kontrolliert offenlegt (stichwort: PR) und auf diese weise die follower von der eignenen kompetenz überzeugt, was möglicherweise zu wettbewerbsvorteilen führt. das bedeutet natürlich auch, dass man den redaktions-accounts skeptisch und kritisch gegenüberstehen muss, handelt es sich doch vorrangig um ein pr-tool zur beeinflussung der kundenmeinung, oder, einfacher ausgedrückt – um werbung.

    twitter befindet sich noch im wachstum. man kann kaum davon reden, dass breite populationen mit der materie vertraut sind, geschweige denn dass twitter bereits einen spürbaren effekt auf die gesellschaft hat. dennoch steigt die anzahl der twitternutzer, und viele redaktionen haben sich dazu entschieden, das neue medium zu testen und damit zu experimentieren. es ist spannend diese entwicklung zu beobachten.

    twitter ist vielleicht nur ein hype. vielleicht ist es aber auch das nächste massenmedium, welches sich spürbar auf prozesse der gesellschaftlichen systeme auswirkt.

    wir werden sehen.

  4. Jana sagt:

    Danke.

    Es gab eine Zeit, da wusste ich nicht mal, wie Computer geschrieben wird.
    Sicher ist er eine große Hilfe und aus jeglicher Arbeitswelt nicht mehr rauszudenken…aber muss die ganze Welt wissen, wer was macht??

    Wie langweilig…dann brauchen wir uns alle nicht mehr unterhalten, wenn wir plakativ mit unserem Leben hausieren gehen.

    Werden unsere Kinder einmal mit der Idee groß werden, dass sie sich ständig verpflichtet fühlen müssen, nach außen darzustellen, wer sie sind, was sie tun??

    ich hoffe nicht.

    Ich bin erst 23….aber ich hab jetzt schon genug.

    Lieber mal an den See fahren und in Ruhe ein Glas Rotwein trinken.
    Und dann eine schöne Unterhaltung anfangen….so schön wird twittern nie sein.

  5. Christian Alexander Tietgen sagt:

    Journalisten sollten nicht meinen, sie könnten seriösen Journalismus durch ein paar lieblose Profile in sozialen Netzwerken ersetzen.

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