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Archiv der Artikel die unter der Kategorie Medien gespeichert wurden.

Anhand konkreter Zahlen: Führende deutsche Online-Redaktionen haben eine miserable Frauenquote

Vielleicht ist es ja einfach so, dass Frauen ungern ihren Klarnamen über die eigenen Artikel setzen – sie benutzen lieber ihr Kürzel. Vielleicht recherchieren sie enorm akribisch, schreiben entsprechend selten und sahnen später die dicken Preise ab. Oder sie schreiben für ganz viele Medien gleichzeitig, streuen ihre Artikel über unzählige Publikationen und tauchen deshalb seltener auf den einzelnen Online-Portalen auf. Vielleicht schreiben sie nur jämmerliche Meldungen, sind in den Redaktionen vornehmlich mit Redigiertätigkeiten oder Kaffee-Kochen beauftragt – eine wenig erquickliche Vorstellung.

Vielleicht muss man aber einfach sagen, dass in führenden deutschen Redaktionen erschreckend wenig auf die Frauenquote geachtet wird. Anhand einer ansatzweise vollständigen Erfassung von Autoren-Nennungen auf vielen deutschen Nachrichtenwebsites kann ich das untermauern.

Wusste ich anfangs noch nicht so recht, was ich mit meinem Journalisten-Aggregator The Newsroom List anfangen sollte, entpuppt sich der fleißige Artikel-Auswerter inzwischen als brauchbares Tool, um generelle Trends und handfeste Zahlen über deutsche Online-JournalistInnen zu ermitteln. Die nächtelange Programmierarbeit hat sich also gelohnt – seit Oktober 2010 sind nun viele Tausend Datensätze zusammengekommen.

Zur Erhebungsmethode

Mein Aggregator arbeitet im Prinzip recht simpel: Er crawlt ausgewählte Nachrichtenangebote und wertet dabei die Autorenzeilen der Artikel aus. Irgendwann soll daraus eine Bachelorarbeit werden. Für die vorliegende Auswertung habe ich nur jene AutorInnen berücksichtigt, deren Profil bereits freigeschaltet, zuvor manuell geprüft wurde. Außerdem fließen nur jene AutorInnen in die Bewertung mit ein, zu denen mindestens fünf Artikel mit Klarnamen-Nennung vorliegen – also berücksichtige ich nur regelmäßige SchreiberInnen, die diese Mindestmarke überschritten haben. Artikel mit reiner Kürzel-Nennung werden ignoriert.

In die Bewertung fließen zudem nach Möglichkeit nur Artikel aus Ressorts ein, die als redaktionell/journalistisch gelten. Ausschließlich auf Werbung oder Drittinhalten basierende Ressorts fließen nicht ein. Der Erhebungszeitraum ist je nach Medium unterschiedlich, da die Portale nach und nach in den Aggregator integriert wurden – er liegt zwischen Mitte Oktober 2010 und dem heutigen Tag, beträgt in der konkreten Auswahl aber mindestens zehn Wochen.

Dies alles als wissenschaftlich belastbar zu bezeichnen, wäre falsch – eine absolut lückenlose Erfassung ist schon rein technisch nicht möglich. Auch die Autorenerkennung ist nicht perfekt, aber dennoch in den allermeisten Fällen völlig zutreffend.

Die Ergebnisse: FAZ.net ist mit 77 Prozent am männlichsten

Bei aller Vorsicht, mit der die Ergebnisse zu genießen sind, das Erschreckende vorab: Unter den zwölf ausgewählten Nachrichtenportalen, darunter überregional, regional sowie primär lokal ausgerichtete, findet sich nirgends eine einigermaßen ausgeglichene Geschlechterquote. Lediglich die Lokalnachrichten von DerWesten.de können eine mäßige Frauenquote von 44 Prozent (422 regelmäßige Autorinnen) ausweisen – dort fließen bislang aber wirklich nur die Artikel aus den Lokalredaktionen ein. Den schlechtesten Frauenanteil insgesamt erreicht das Portal FAZ.net mit nur 23 Prozent weiblichen Autorinnen. Auch Spiegel Online (26 Prozent) und Zeit Online (28 Prozent) haben offensichtlich ein Frauen-Quotenproblem.

Man kann es nun drehen und wenden, man kann diesen aggregierten Zahlen als unzuverlässig abtun. Allerdings bezweifle ich, dass deutsche Redaktionen in einer wissenschaftlich fundierten Vollerhebung wesentlich besser abschneiden würden. So deckt sich etwa meine ermittelte Quote von Spiegel Online auffällig genau mit einer internen Erhebung der Hamburger Print-Redaktion von Januar 2011 (siehe auch Zapp-Beitrag): Die Redaktion ermittelte 28 Prozent Frauenquote, mein Aggregator spuckt 26 Prozent aus – für die Nachrichten-Website wohlgemerkt.

Zu einem späteren Zeitpunkt, wenn ich die AutorInnen weiterer Online-Portale in der Newsroom List freigeschaltet habe, bietet sich etwa die Untersuchung von Bild.de und taz.de an – ob sich hier wohl besonders krasse Unterschiede finden lassen?

Sollten die jeweiligen Redaktionen an den nun erhobenen Zahlen Zweifel hegen, rufe ich zu Widerspruch auf. Allerdings müsst ihr mir dann schwarz auf weiß darlegen, dass es in eurem Haus in Sachen Frauenquote doch gar nicht so schlecht aussieht. Oder ihr erklärt mir, warum eure Journalistinnen ihre Online-Texte lieber mit Kürzel als mit Klarnamen versehen.

Zum Weiterlesen: Medium Magazin – An der Qualität liegt es nicht (2007)

Das ZDF, Karl Marx und die böse Oma

Den Sounddesignern vom ZDF muss ihr Job großen Spaß machen. Anders kann ich mir nicht erklären, wieso sie für eine Folge der Doku-Reihe „Die Deutschen II“, die derzeit sonntags im ZDF läuft, auf einen Audio-Ausschnitt aus einem YouTube-Video zurückgegriffen haben.

Schauen Sie selbst:

Die Folge lief am 5. Dezember 2010 um 19.30 Uhr und befasste sich mit Karl Marx und seinem Werk „Das Kapital“. Zu einem Schwarzweiß-Film, der das Hinterhof-Treiben in einer Arbeitersiedlung um die Jahrhundertwende zeigt (Minute 36:40, Mediathek-Link), setzten die Sounddesigner unter anderem einen kurzen Ausschnitt aus dem populären YouTube-Video einer wütenden Seniorin (Link) ein.

Aus urheberrechtlicher Sicht dürfte das nicht ganz unproblematisch sein. Auf der anderen Seite beweist es, dass das ZDF ein paar kreative Köpfe mit dem Sounddesign beauftragt hat, die mit sehr viel Liebe fürs Detail vorgehen.

Gekaufte Berichterstattung? Wie “Bild” einer Hamburger Schönheitsklinik einen Gefallen tut

Quelle: Bild.de

Bei manchen Sensationen wird man skeptisch. Da soll sich eine Schweinfurterin für nur 2,57 Euro eine Brust-Operation ersteigert haben, wie Bild am Mittwoch berichtete. Wer aber etwas genauer hinschaut, entdeckt schnell: Es handelt sich möglicherweise um eine reine Werbeaktion des Spinger-Konzerns.

Ob Julia R., die vermeintliche Käuferin des Schnäppchens, tatsächlich existiert, weiß ich nicht. Auch ist nicht klar, ob es jemals zu der bestellten Operation kommen wird. Fest steht: Die Auktion, die über das Versteigerungsportal “hammerdeal.de” angeboten wurde, gab es wirklich – glaubt man zumindest dieser Seite. Seltsam ist, dass die Auktion laut der Internetseite schon am 30. Juni abgelaufen ist. Zeitnahe Berichterstattung sieht anders aus.

Hammerdeal wird in dem fraglichen Bild-Artikel direkt verlinkt, und diese Internet-Links haben einen großen Marketing-Wert. Ebenso wird die “Hamburger Nobel-Klinik” von Bild mit einem Internetverweis beschenkt, und es drängt sich die Frage auf: Wurden diese Links gekauft, in Auftrag gegeben von Hammerdeal und der besagten “Beauty-Klinik an der Alster”?

Der Verdacht, dass es sich hierbei um Werbung und nichts als Werbung handelt, erhärtet sich, wenn man sich den Text der Auktion mal im Detail durchliest. Dort steht:

“Die Brustvergrößerung soll im Rahmen einer medialen Begleitung erfolgen (voraussichtlich durch einen TV Partner, gegebenenfalls auch durch Print-und / oder Onlinemedien). Diese Begleitung beinhaltet u.a. Interviews mit der Auktionsgewinnerin, evtl. Dreh einer Homestory, Aufnahmen in der Klinik (vor, während und nach OP), evt. Interviews mit Freunden und Familienangehörigen.”

Das ist wirklich ein Hammerdeal - allerdings für die Klinik, weniger für die öffentlich Operierte. Quelle: Hammerdeal.de

Die freiwilligen oder unfreiwilligen “Partner” erfüllen ihre Pflicht: Das Springer-Blatt “Hamburger Morgenpost” berichtet, die Billig-OP war gestern bereits Thema in der ProSieben-Sendung “Taff”. Und der Berliner Kurier berichtet brav über die PR-Aktion, als sei es eine Sensation. Sensationell dämlich. Wenn die Operation bereits am 20. August stattfinden soll, werden vermutlich die einschlägigen TV-Boulevardmagazine dabei sein – um die Werbebotschaft kostenlos unters Volk zu bringen.

Eine Kollegin aus der Redaktion wird für die Main-Post versuchen, weitere Hintergründe zu recherchieren: Gibt es die Frau tatsächlich? Einen Anruf ist es wert…

Nebelkerzen statt Transparenz: Wie Bahnchef Grube mit “Fakten” verwirrt

Quelle: ARD/Das Erste.

Seit die Thermometer in ganz Deutschland verrückt spielen, geht es auch bei der Bahn hitzig zu. Viele ICE-Züge mussten bereits, wie es bei der Bahn so schön heißt, einen „außerplanmäßigen Halt“ einlegen. Grund sind Klimaanlagen, die vor den Extremtemperaturen kapitulieren.

Rüdiger Grube, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn, eilt seither von Interview zu Interview und lässt keine Gelegenheit aus, kommunikativ und volksnah die Misere zu erklären. Offensichtliche Probleme werden dabei im besten PR-Sprech zu „Herausforderungen“ (siehe Tagesthemen-Video).

Seine PR-Berater scheinen ihn für die medialen Auftritte exzellent gebrieft zu haben: Die Strategie von Grube besteht offenkundig darin, sein Publikum mit möglichst vielen und möglichst großen Zahlen zu verwirren. Scheinbare Fakten setzt er dermaßen wahllos aneinander, dass der Leser vollkommen den Überblick verliert.

Das lässt sich sehr gut anhand von drei Interviews aus den vergangenen Tagen verdeutlichen:

Schauen wir also mal, wie Grubes Nebelkerzen-Strategie in den besagten Interviews funktioniert:

Erstens: Werfen sie mit großen Zahlen um sich, um das Problem klein zu reden!

Deutschlandfunk
Spiegel
Tagesthemen
Grube: [...] denn natürlich gibt es hier keine Entschuldigung. Ich möchte mich aber bei allen Kunden, die diese schlechten Erfahrungen am letzten Wochenende gemacht haben, da entschuldige ich mich für, denn das ist nicht akzeptabel. Da brauchen wir nicht um den heißen Brei herumzureden. Ich sage immer, der Ausfall eines Zuges ist schon ein Zug zu viel.

[...]

Grube: [...] Wir betreiben 255 ICE-Züge, die unterschiedlich, was die Zeit beziehungsweise das Jahr betrifft, wo sie zugelassen worden sind, im Einsatz sind. Insgesamt haben wir 255 Züge.

Grube: [...] Wir haben täglich 252 ICE-Züge im Einsatz und machen 1400 Fahrten am Tag. Wenn Sie nun sehen, dass am Freitag vorvergangener Woche ein ICE 2, am Samstag 16, am Sonntag 7 und am Montag 8 Züge wegen Problemen mit der Klimaanlage ausgefallen sind, dann ist das zwar ein kleiner Prozentsatz und noch kein Notstand auf der Schiene. Aber trotzdem, Sie haben recht: Jeder ausgefallene Zug ist einer zu viel. Und deshalb kann ich mich nur bei unseren Kunden in aller Form entschuldigen. Grube: [...] Ich möchte aber auch anmerken, dass wir jeden Tag 34000 Zugfahrten machen, wir transportieren jeden Tag über fünf Millionen Menschen. Wir haben 253 ICEs, davon 800 Fahrten jeden Tag, und in den letzten 14 Tagen sind 0,32 Prozent ausgefallen. Das rechtfertigt überhaupt nichts und hier hilft auch keine Statistik, und ich sage immer: Jeder Zug, der ausfällt, ist ein Zug zu viel. [...]

Zweitens: Geben Sie dem Klimawandel die Schuld! Möglichst viele Temperaturen nennen!

Deutschlandfunk
Spiegel
Grube: […] Der ICE 1 beispielsweise aus den Anfängen der 90er-Jahre ist zugelassen bei der Klimaanlage von Minus 20 bis Plus 32 Grad. Der ICE 2, der ’95 in Betrieb gegangen ist mit 44 Fahrzeugen, hat auch bei der Klimatemperatur Plus 32 bis Minus 20 Grad. Das heißt nicht, dass sie nicht darüber auch noch arbeiten, aber das ist die genormte regelkonforme Auslegung. Aber bereits der ICE 3 ist schon auf 35 Grad ausgelegt. Der ICE 3, der im nächsten Jahr kommt, ist schon auf 40 Grad ausgelegt. Und der Zug – darf ich das noch ganz kurz sagen -, den wir dann ab 2014 bestellen, ist bereits auf 45 Grad ausgelegt. Sie sehen: wir haben einen Klimawandel, der sich ganz klar reflektiert auch in den Gesetzen, denn es ist ja nicht so, dass die Deutsche Bahn die Normen für eine Klimaanlage festlegt, sondern …

Meurer: Aber der Klimawandel ist jetzt nicht Schuld gewesen?

Grube: Wir beobachten, wir haben natürlich jetzt auch im Zusammenhang mit der Klimaanlage die Wettersituation analysiert und dabei festgestellt, in 20 Jahren gab es fünf Tage, die wärmer als 37 Grad waren, und davon waren allein drei Tage am letzten Wochenende.

Meurer: Aber es reichen ja wärmer als 32 Grad. Wer ist denn auf die Idee gekommen – das war vor Ihrer Zeit; Sie sind ja erst ein gutes Jahr Bahnchef, Herr Grube – zu sagen, 32 Grad sind genug?

Grube: Und zwar: Die Auslegung einer Klimaanlage ist nicht die Angelegenheit des Betreibers, also der Deutschen Bahn, sondern da gibt es eine internationale Eisenbahnnorm, die so genannte UIC, und auch das Eisenbahnbundesamt, und dort werden die Normen festgelegt, wie eine Klimaanlage für einen Zug, der in Deutschland eingesetzt wird, ausgelegt wird. Das ist nicht in den Händen der Deutschen Bahn.
Ich sage Ihnen ganz offen: Wir reflektieren das ja und auch übrigens die Regelwerke, und nicht umsonst ist ja ein Zug, den man zum Beispiel jetzt in den nächsten Jahren auslegt und auch zulässt, nicht auf 32 oder 35 Grad, sondern auf 45 Grad ausgelegt.

SPIEGEL: Zu welchem Ergebnis ist der Krisenstab gekommen? Es hieß, die Klimaanlage sei zu niedrig dimensioniert.

Grube: Die Baureihe wurde Anfang der neunziger Jahre entwickelt, damals waren die Sommer in Deutschland noch nicht so heiß. Seit 1991 gab es beispielsweise in Berlin an fünf Tagen Temperaturen über 37 Grad – zwei Tage davon waren in der letzten Woche. Laut nationaler und internationaler Eisenbahnnorm mussten die Klimaanlagen in unserer geografischen Lage damals nur bis zu Temperaturen von 32 Grad ausgelegt sein, was aber keineswegs heißt, dass die Anlage bei ein paar Grad mehr gleich zusammen- bricht. Die Kühlleistung nimmt dann ab. Heute würde man sagen, die Klimaanlagen müssten größer dimensioniert sein. Wir werden ab November alle 44 ICE 2 generalüberholen. Und uns dann auch die Kühlsysteme nochmals genau ansehen.

SPIEGEL: Und was ist mit dem ICE 3?

Grube: Beim neueren ICE 3 reicht der Funktionsbereich schon bis 35 Grad. Die nächste ICx-Generation, über deren Bestellung wir gerade verhandeln, ist sogar für Temperaturen bis 45 Grad ausgelegt.

Drittens: Stellen Sie sich vor die schwitzenden Mitarbeiter – so vermitteln Sie Teamgeist und Geschlossenheit!

Deutschlandfunk
Spiegel
Tagesthemen
Grube: […] aber ich habe es bisher nicht eine Minute bedauert, diese Aufgabe zu übernehmen, und zwar ganz besonders auch deshalb, weil ich hier Mitarbeiter vorgefunden habe, da muss ich sagen, da würden andere Unternehmen sich die Finger nach lecken. Ich bin stolz auf unsere Mitarbeiter und auf die Führungskräfte. Das motiviert mich jeden Tag wieder. Grube: […] Aber eins sei auch klipp und klar gesagt: Gegen Vorverurteilungen verwahre ich mich ebenso wie gegen eine pauschale Verunglimpfung unseres Zugpersonals. Die machen einen sehr guten Job und genießen meine volle Unterstützung. Grube: […] Aber ich kann auch für unsere Mitarbeiter sagen: Die Mitarbeiter haben hier wirklich eine großartige Aufgabe gemanagt. Und wir sind seit sechs Tagen wirklich wieder stabil. Man sieht – natürlich hat auch das Wetter hier geholfen – aber man sieht, wir haben hier die Themen angepackt und wir haben auch den Betrieb insgesamt wesentlich stabilisieren können.

Viertens: Seien Sie menschlich und bereuen Sie – nobody’s perfect!

Deutschlandfunk
Spiegel
Meurer: Noch mal ganz kurz die Frage, Herr Grube: Schließen Sie aus, dass es am Wochenende wieder zu solchen Szenen kommt wie letztes Wochenende?

Grube: Wir geben uns alle Mühe, dass so etwas nicht vorkommt, aber wenn ich Ihnen heute sage, das kann man völlig ausschließen, dann würde ich lügen, das mache ich auch nicht. Das weiß man nie bei diesen extremen Witterungen. Ich kann nur eines sagen – und das ist mir sehr wichtig: Die Bahn ist nach wie vor das sicherste Verkehrsmittel. Vergleichen Sie das mal mit der Straße, wo knapp in einer Woche 100 Tote kommen. Bei der Bahn gab es glücklicherweise keine tödlichen Unfälle.

SPIEGEL: Können Sie denn ausschließen, dass es in diesem Sommer noch mal zu ähnlichen Szenen wie in der vorvergangenen Woche kommen wird?

Grube: Wenn ich sagen würde, es fällt diesen Sommer nie wieder eine Klimaanlage aus, dann würde ich lügen. Aber ich kann Ihnen versichern, dass wir Tag und Nacht arbeiten werden, um die Probleme in den Griff zu kriegen.

Fünftens: Strahlen sie Autorität aus – die Fakten kennen nur Sie!

Deutschlandfunk
Meurer: [...] Herr Grube, die Gewerkschaft der Lokführer sagt, bei den Wartungen wird Geld gespart für den Börsengang. Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses des Deutschen Bundestages, Winfried Hermann, sagt, es wird Geld gespart bei den Wartungen und weniger gewartet. Sie sagen, nein, das stimmt nicht. Wem sollen wir glauben?

Grube: Herr Meurer, ich glaube, ich habe den besten Überblick, was die Zahlen betrifft. [...]

Demand Media kommt: Deutsche Verlage suchen Billigproduzenten für Google-Futter

Sie sind kurz, verschlagwortet und passen immer haargenau auf die Suchmaschinen-Anfragen von möglichst vielen Internetnutzern: die Artikel und Videos von Ratgeber-Portalen wie Helpster und WieGehtDas.TV. Wenn es nach dem Willen der Betreiber geht, sollen hier massenhaft werberelevante Klickmonster aus der Taufe gehoben werden – die Nutzer generieren dabei genau das, wonach andere Nutzer suchen. Hauptsache, die großen Firmen fühlen sich neben den Artikeln wohl. Den großen Werbeanteil bekommt freilich der Betreiber, der lediglich die Technik zur Verfügung stellt.

Am Fließband, bitte

Wer soll das ungerecht finden? Man sei keine Manufaktur, sondern eine Inhaltefabrik, betonte jüngst Firmengründer Andre Zalbertus, der seinem deutschen Produktionsunternehmen dann auch diesen Namen gab – “Inhaltefabrik GmbH”. An Erfahrung in Sachen User-Content mangelt es dem Investor nicht. Nun will er mit seinem Portal “WieGehtDas.TV” in Deutschland nachmachen, was die hocheffiziente US-amerikanische Produktionsfirma DemandMedia bereits mit Seiten wie eHow.com erreicht hat: Möglichst viele Klicks und Werbung generieren, und gleichzeitig die Kosten gering halten. Geld verdienen mit Online-Werbung ist bekanntlich kein Zuckerschlecken.

Die Inhalte dürfen also fast nichts kosten. So wunderte es Anfang 2010 nicht, dass eine ganze Reihe von alt-etablierten Medien mal wieder das Ende des kostbaren Manufaktur-Journalismus befürchteten. Schließlich kooperiert DemandMedia in den USA bereits mit journalistischen Online-Diensten. Verlage brauchen gerade in Krisenzeiten klicksicheren Inhalt, und den liefern die Stichwort-Analysten garantiert und ohne lästige Agentur-Abos.

Anzahl der Videos mal Pauschale = Honorar

Wer sind die emsigen Fabrikarbeiter, die den Firmen ein wohliges Umfeld für ihre Werbebanner bereiten? In einem Beitrag von 3sat erklärt ein superfleißiger Highspeed-Video-Journalist, wie er in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Videos dreht und so seinen Lebensunterhalt bestreitet. Kurze Wege, kurze Einsprecher, kurz angebunden und immer auf dem Sprung. Rückfragen sind zu aufwändig, schließlich gibt Google vor, was wichtig ist.

Wer in Deutschland allerdings noch auf den Zug aufspringen möchte, sollte sich beeilen – denn der ist fast schon abgefahren. Die Verlage verfluchten das Modell, um es dann schnell zu imitieren. Die Gruppe Georg von Holtzbrinck etwa, immer wieder für Web-Experimente offen, hat kürzlich ihr eigenes Ratgeber-Klickmonster erschaffen. Und wie viel verdient der Fabrikarbeiter auf Helpster.de? Pro Beitrag gibt es pauschal zehn Euro.

Ratgeber-Portale konkurrieren mit Lokalzeitungen um das geringste Honorar

Zehn Euro klingen nicht nach viel. Aber seien wir nicht so vermessen: Mal angenommen, wir setzen die Hungerlöhne von vielen Printmedien als Maßstab, dann sind zehn Euro durchaus konkurrenzfähig. Wer als freier Mitarbeiter etwa 60 Zeilen Zeitungstext für je 15 Cent vergütet bekommt (keine Seltenheit mehr, siehe Honorarspiegel), verdient damit gerade mal neun Euro in der Redaktion. Wer aber kleine Online-Textchen für das Ratgeber-Portal produziert, kann sich zugleich die Anrufe bei Ämtern, Pressesprechern und weiteren journalistischen Quellen sparen.

Holtzbrinck wäre aber kein echter deutscher Verlag, legte er nicht höchste Maßstäbe an. So reicht allein die Bereitschaft, für eine Pauschale von zehn Euro zu schreiben, bei weitem nicht aus. Wer für Helpster die Suchmaschinen füttern will, muss laut Anmeldeformular folgendes beachten: „wichtig sind Ihr Schreibtalent, perfekte deutsche Rechtschreibkenntnisse, sowie korrekte und hilfreiche Inhalte.“ Auf dass es Google honorieren möge.

re publica 09: Nachrichten spielerisch erfahren – Audio-Interview zum Newsgaming

Julian Kücklich. Foto: Nils Glück

Julian Kücklich. Foto: Nils Glück

Wie sich journalistische Botschaften über Videospiel-Kanäle vervielfältigen lassen, erklärt Julian Kücklich im Audio-Interview. Mit einem großen Team aus Wissenschaftlern erforscht er das Potenzial des “Newsgaming“. Ob diese Form der Nachrichtendistribution eine langfristige Zukunft hat, ist zwar noch nicht ganz ausgelotet. Aber zumindest wird das Konzept unter anderem bereits von der New York Times ausprobiert. Hört euch das Audio-Interview von der re publica 09 in Berlin an.

Audio: Julian Kücklich zum Newsgaming (re publica 2009)

Copyright: 2009 Nils Glück. Alle Rechte vorbehalten.

re publica 2009: Feministinnen bloggen als Mannschaft

Verena, Anna und Kathrin. Foto: Nils Glück

Verena, Anna und Kathrin. Foto: Nils Glück

Katrin, Verena und Anna sind Feministinnen einer neuen Generation: Sie bloggen für ihre Interessen, bieten ihren zahlreichen männlichen Konkurrenten im Internet die Stirn. Im Audio-Interview auf der re publica 2009 erklärt die “Mädchenmannschaft“, was sie antreibt und weshalb die aktivierte Kommentar-Funktion auf ihrem Blog ganz schön nerven kann.

Audio: Die drei Mädels von der Mädchenmannschaft im Interview (re publica 2009)

Copyright: 2009 Nils Glück. Alle Rechte vorbehalten.

re publica 2009: Ein Twitter-Experte erklärt den Journalisten, wie’s geht

Mark Fonseca Rendeiro. Foto: Nils Glück

Mark Fonseca Rendeiro. Foto: Nils Glück

Wenn er sieht, wie dilettantisch scheinbar profilierte Journalisten twittern, kann Mark Fonseca Rendeiro nur müde lächeln. Der freischaffende Medienmacher bloggt und twittert mit System und Strategie. Auf der Blogger-Versammlung “re publica 2009” in Berlin erklärt er am Mikrofon, worauf Journalisten bei Twitter achten sollten – und warum es im Zwitscher-Kanal nicht nur um Marketing von journalistischen Inhalten geht.

Audio: bicyclemark im Interview auf der re publica 2009 (rp09)

Copyright: 2009 Nils Glück. Alle Rechte vorbehalten.

re publica 2009: Anarchie-Boardmaster “moot” im Audio-Interview

Christopher Poole. Foto: Nils Glück

Christopher Poole. Foto: Nils Glück

Christopher Poole hat die Grenze zwischen Teenager und Erwachsenem kaum überschritten, doch er ist für seine Fans so etwas wie ein Gott. “moot” schuf eine eigene Online-Welt, als er 15 war: Eine Welt ohne Regeln und Einschränkungen, ohne Registrierung und Netiquette. Anonymität und Schnelllebigkeit sind die Merkmale seines Bilder-Forums 4chan. Im Audio-Interview zeigt sich moot gewohnt cool und erklärt unter anderem, warum er mit Pornographie auf seiner Website kein Problem hat. (Ja, ich weiß, mein gesprochenes Englisch kam mal flüssiger rüber…)

Audio: Christopher Poole alias moot im Interview (rp09)

Copyright: 2009 Nils Glück. Alle Rechte vorbehalten.

Audio-Interview zur “re publica 09″: Stefan Niggemeier über Blogs, Medienkrise und den “etablierten” Journalismus

Stefan Niggemeier. Foto: Nils Glück

Stefan Niggemeier. Foto: Nils Glück

Ich habe ein Audio-Interview mit dem Journalisten und Blogger Stefan Niggemeier gemacht. Anlässlich der Blogger-Versammlung “re publica 2009″ in Berlin habe ich mich mit ihm über Journalismus und Blogging unterhalten. Hört euch den Podcast an und kommentiert reichlich!

Audio: Stefan Niggemeier auf der re publica 09

Copyright: Nils Glück, 2009. Alle Rechte vorbehalten.