Mein Schreibstil dürfte euch befremden. Er ist ja jetzt auch fruchtig, frisch, jugendlich. Frische Presse braucht frischen Stil. Hier arbeite ich in der Redaktion eines Periodikums, das eine erstaunliche Tradition hat. Weil mir eine Teilnahme am normalen Programm zu unspektakulär und passiv war, bin ich jetzt Teil eines Team von ambitionierten Ehrenamt-Redakteuren. Darunter Politik- und Publizistik-Studenten. Das ZDF lässt uns alle erdenkllichen Freiräume, sodass sich dieses Medium wirklich unabhängig nennen darf.
Danksagung
Einziges Manko: Die reguläre Unterbringung ist katastrophal. An dieser Stelle möchte ich einem Dortmunder Journalistik-Studentenpärchen danken, das mir auf sehr freundliche Art und Weise Asyl gewährt hat. Ansonsten hätte ich nämlich in einer kalten Turnhalle auf einer millimeterdünnen Isomatte in einem überaus schlecht gefütterten Schlafsack übernachten müssen. Und wieder einmal zeigt sich: Das Dortmunder Journalisten-Netzwerk funktioniert. Freunde in der Not finden sich über den Institutsverteiler. Vielen Dank - ich habe sehr gut auf eurer Couch geschlafen und freue mich schon auf zwei weitere geruhsame Nächte.
P.S.: Meine überaus freundliche Sitznachbarin sowie Redaktionskollegin Susanne möchte an dieser Stelle gegrüßt werden. Gerne komme ich dieser Bitte nach. Liebe Susi, ich grüße dich und danke dir für abwechslungsreiche Kurzkonversationen während der gefürchteten Mittagsdurchhänger!
Nein, ich bin weder gestorben noch ausgewandert - ich schlage mich derzeit nur mit einer Lästigkeit namens Universität herum. Zur Abwechslung gibt’s mal wieder ein Web-Extra: Rob Vegas erzählt uns etwas über seine neuen Aktionen, und er singt zuletzt sogar über die Finanzkrise… Also: Film ab!
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Auch einen kleinen Spaß in luftiger Höhe ließ sich unser selbst ernannter “Showmaster 2.0″ nicht nehmen…
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Und zu guter Letzt trällert uns der kritische Finanzkrisen-Kommentator sogar noch eins. Über die inhaltliche Qualität lässt sich freilich streiten - zumal mich der Autor persönlich auf das Video aufmerksam gemacht hat. Vegas, gehen dir die Zuschauer aus?!
Alle reden von der Finanzkrise. “Die Angst vor der Angst” titelte der Spiegel in der vergangenen Ausgabe, am kommenden Montag prangt dann der SOS-Ruf “Not! Halt! Wer stoppt den freien Fall des freien Marktes?” auf der Titelseite. Die täglichen Negativ-Superlative überbieten sich gegenseitig, und die Deutschen haben ihrem wirtschaftlichen Aufschwung längst das letzte Geleit mitgegeben. Kein Geld mehr bei den Banken, kein Vertrauen bei den Kunden, kein Ende in Sicht? Was bisher geschah, war absehbar - sagt der Gastschreiber und Finanzexperte Jens Parker in seinem ersten Beitrag für meinen Blog, in dem er die Finanzkrise erklärt. Für die weitere Entwicklung prognostiziert er: Alles bleibt anders als es bisher war.
Es war einmal eine Finanzkrise
Es war einmal ein Land. Dieses Land war sehr groß. Dieses Land war sehr reich. Dieses Land hielt nicht viel davon die Wirtschaft zu kontrollieren. Denn wenn die Wirtschaft sich selbst regelt, dann wird schon alles klappen. Außerdem wollten man sich ja auch nicht den Kopf zerbrechen.
Der Gastautor: Jens Parker
Jens Parker ist mit seinen 20 Jahren auf dem besten Weg, ein erfolgreicher Banker zu werden. In der Finanzmetropole Frankfurt macht er ein duales Studium und kennt sich in der Wirtschaft bestens aus. Entgegen allen Erwartungen ist er kein Zahlenfreak und auch keine Investmentheuschrecke, verfügt er doch über Hobbies wie Kabarett, Poetry Slam und Fotografie - das sind aber nur einige seiner Aktivitäten. Jens ist ein fröhlicher Mensch, und er lacht der Globalisierung ins Gesicht: Schließlich hat er bereits eine Kindheit im “maroden Stadtstaat” Bremen überlebt - schlimmer geht’s eh nicht! Und sollte er im Finanzsektor scheitern, wird er halt Rechtsanwalt oder Literaturwissenschaftler. Über seine Texte sagt der Freizeitautor: “Wer Objektivität findet, kann sie behalten. Der Autor distanziert sich von seinem Text und bleibt stehen. Dort ist es schön.”
Kredite machten die Banken reich - und glücklich
In diesem Land kamen Banken auf die Idee, Menschen Kredite zu vergeben für Häuser, die sie sich eigentlich gar nicht leisten konnten. Das war aber gar kein Problem! Denn, wenn etwas schief laufen würde, würde man ja einfach das Haus pfänden und der Kredit wäre getilgt. Dieses Verfahren funktioniert natürlich nur, solange der Hauspreis steigt, da neben der schweren Liquidierung von Häusern auch der Kreditzins wieder aufgefangen werden muss, um das System am Laufen zu halten. Aber dies war der Fall und alles lief wie am Schnürchen. Die Immobilienpreise stiegen derart, dass man den Kreditnehmern sogar mehr Geld gab, als die Immobilien momentan wert war, da sie ja mit der Zeit mehr und mehr Geld wert sein würde. Dieses Land lebte ein paar Jahre lang glücklich und zufrieden. Die Banken verdienten sehr gut an diesem Geschäft. Alle waren glücklich.
Andere wollten auch mitfeiern auf der Häuser-Party
Die Banken verdienten so gut, dass andere Banken in anderen Ländern und auch andere Unternehmen an diesem Wirtschaftsspaß teilhaben wollten. Die Banken aus diesem Land hatten eine super Idee! Sie sammelten ein Teil der ganz vielen Kredite, die Zinseinnahmen versprachen, und boten sie in großen Päckchen gebündelt anderen Unternehmen in fremden Ländern mit allem Drum und Dran zum Kauf an. Da ließen sich viele nicht zwei Mal bitten. Die Banken in dem Land erhielten eine Prämie und mussten sich um nichts mehr kümmern, da sie den Kreditanspruch an andere Unternehmen verkauft hatten. Das war doch für alle ein Clou! Der Clou war so attraktiv, dass nicht nur Unternehmen und private Haushalte investierten, sondern weltweit selbst Staaten in dieses perfekt scheinende System einstiegen. Für ein paar Jahre war fast die ganze Welt sehr glücklich.
Doch dann kam auf einmal die böse Realität!
Sie schlug zu und der Immobilienpreis stagnierte im Land der Kredite, fiel teilweise sogar. Es kam häufiger als gedacht dazu, dass Kredite nicht durch den Verkauf des durch sie finanzierten Hauses im Fall der Fälle getilgt werden konnten. Die Banken mussten reagieren. Um die Ausfälle zu kompensieren erhöhten sie die Zinsen. Das hatte nur einen Haken. Denn jetzt konnten sich noch mehr Bankkunden die Kreditzahlungen nicht mehr leisten. Auf dem sowieso schon schwachen Immobilienmarkt kamen mehr und mehr zum Verkauf stehende Häuser, die durch die schiere Anzahl immer schwerer und nur noch zu schlechten Preisen zu verkaufen waren. Das führte wiederum zu weiteren Zinserhöhungen. Ein Teufelskreis war in Bewegung geraten!
Auf der ganzen Welt mussten die bis jetzt so glücklichen Unternehmen und Banken einsehen, dass sie im Besitz von Kreditforderungen waren, die ab jetzt wohl tatsächlich nur noch einen Prozentsatz ihres nominalen Wertes wert waren. Die Unternehmen mussten riesige Abschreibungen machen und vielen versaute dieses Problem die sonst doch immer so schöne Bilanz. Fest eingeplante Einnahmen fielen aus und brachten so manches Unternehmen in richtig ernste Schwierigkeiten. Das war nicht gut.
Doch die Realität hatte noch lange nicht genug!
Da kein Unternehmen wirklich offen über die Kreditrisiken, welches es besaß, sprechen wollte, begannen alle sehr misstrauisch zu werden. Selbst die Banken unter sich wollten sich nicht mehr recht trauen.
Geld wurde knapp, da keiner mehr Geld verleihen wollte, weil man ja nicht wissen konnte, ob da nicht irgendwo noch ein faules Kreditpaket versteckt war, was die Rückzahlung des Kredites gefährden könnte. Unternehmen, die sich von Natur aus immer kurz refinanziert hatten, mussten plötzlich feststellen, dass sie für die Refinanzierung, also die erneute Ausstattung mit Geld, viel höhere Zinsen zahlen mussten, da ja nur noch wenig Geld zur Verfügung stand.
Das konnten sich aber leider viele Unternehmen und Banken nicht leisten und hatten plötzlich kein Geld mehr. Sie stürzten sich in billige Übernahmen durch andere Unternehmen oder gingen Pleite. Es verschwanden Unternehmen, die vorher so sicher wie der Mond oder die Sonne schienen.
Die Angst erreicht die Haushalte - und damit unsere heilige Konjunktur
Die Unternehmen und Haushalte bekamen Angst. Was war ihr Geld noch wert? Waren ihre Arbeitsplätze noch sicher? Würde das Unternehmen sich wieder refinanzieren können? Allesamt begangen zu sparen und die gesamte Wirtschaft verlor an Fahrt. Die Finanzkrise erreichte langsam aber sicher die Realwirtschaft. Die Länder begriffen, dass die Wirtschaft im Kern bedroht war. Denn neben anderen Wirtschaftssektoren haben die Bankhäuser noch eine andere wichtige Aufgabe, die sie unentbehrlich macht: Sie versorgen die komplette restliche Wirtschaft mit finanziellen Mitteln!
Was galt es zu tun? Da war guter Rat teuer! Die Politiker schnürten deshalb große Geldpakete, die den Unternehmen die faulen Kredite abkaufen und ihnen durch günstige Kredite ihre Refinanzierung sichern sollten. Die Geldpakete waren so groß, dass sie schon fast lächerlich viele Nullen hatten, wie 700000000000 oder 260000000000.
Das sollte das Vertrauen in einen Markt, der so viel Schaden angerichtet hatte, wieder zurückbringen. Und es war noch lange nicht überstanden…
So bleibt sie, die Moral von der Geschicht: Geld hat man noch, oder nicht.
Das war Jens aus Frankfurt - und als wäre es nicht schon satirisch genug, kommt jetzt auch noch eine Finanzbelehrung durch die amerikanische CNBC-Wirtschaftsexpertin Maria Bartiromo, die kürzlich in der Late-Night-Show “Colbert Report” das Kreditsterben erklärt hat:
Rob Vegas musste auf Geheiß seiner Fans eine Häuserwand hinab rennen - und hat die Herausforderung angenommen. Über hundert Fotos von ihren Hausfluren hatten Zuschauer der Mindtime-Show zuvor hochgeladen. Was Rob alias Tom Cruise beim “Houserunning” erlebt, seht ihr im folgenden Clip:
TV-Kritiker Holger Kreymeier teilt das Fernsehprogramm gerne in gut und schlecht ein. Daily Soaps, so befindet er in der Vorschau auf die kommende Folge von “Fernsehkritik.TV“, sind eindeutig schlecht, weil qualitativ billig. Der Gebührenzahler jedoch kommt nicht billig davon, denn auch die Öffentlich-Rechtlichen bringen die täglichen Seifenopern. Ein Aufruf zur Rebellion:
Fernseh-Komödiant Oliver Pocher erhält die diesjährige Trophäe des “Watchdog” - allerdings nicht, weil er besonders gut aufgepasst, sondern weil er sich während einer Fanfeier mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft vorbildlich daneben benommen hat. Mit primitiven Fan-Gesängen habe er die spanischen Europameister verhöhnt, sagt das “netzwerk kritischer fernsehzuschauer” (NKF) in seiner Begründung für die Verleihung des “Preises der beleidigten Zuschauer”. Die fernsehkritische Organisation vergibt den Negativ-Preis seit 1989. Welche Verhöhung gemeinst ist, lässt sich anhand eines Video-Mitschnitts der besagten ZDF-Übertragung vom 30. Juni erkennen - sogar Bundestrainer Joachim Löw äußerte sich später kritisch dazu:
Kein Ausrutscher: Entgleisungen haben bei Pocher Tradition
Es war nicht Pochers erster Ausrutscher. 2005 verklagte eine Zuschauerin den TV-Entertainer, weil er sie während einer Live-Schaltung für die Sendung “Wetten, dass…” beleidigt hatte. Die Frau erstritt 6.000 Euro Schmerzensgeld. Im April dieses Jahres sorgte dann eine öffentliche Schelte Harald Schmidts für Aufsehen. Pocher wurde am Ende der Sendung “Schmidt und Pocher” von Schmidt heftig kritisiert (”kleine, miese Type”), weil er sich einer Gast-Künstlerin gegenüber unhöflich verhalten hatte (ARD, 24. April 2008):
Martin Sonneborn, ehemaliger Chefredakteur der Satire-Zeitschrift Titanic und Leithammel der “Partei“, hat sich auf den Weg gemacht durch die neuen Bundesländer. Was er hier an Kuriositäten, Überraschungen und Banalitäten erlebte, hat er in seinem Doku-Streifen “Heimatkunde” verarbeitet. Einige Leckerbissen hat es vorab bereits im “Spam” von Spiegel Online zu sehen gegeben. Der komplette Film läuft seit vergangenem Donnerstag in den Kinos, ist ein Medien-Liebling - und der Trailer sieht vielversprechend aus.
Was kommt dabei heraus, wenn man einen Katalog von Sexbegriffen mit Umfrage-Ergebnissen und einem Hauch von Porno paart? Richtig: Der ProSieben Sex Report 2008. Der Sender hatte vorab nicht mit großen Worten und Zahlen gegeizt: Man habe “die größte, repräsentative Untersuchung zum Thema Liebe und Sexualität, die es in Deutschland je gab” durchgeführt (siehe Pressemeldung). Heute wird die dritte Folge ausgestrahlt - dabei war es bisher schon langweilig genug.
Die Online-Umfrage der “Sexstudie”: Zweifel sind angebracht
Zweifel an der Repräsentativität der Umfrage sind berechtigt, schließlich fand die gesamte Befragung online und noch dazu anonym statt - doppelt anonym sozusagen. Und wie bereits die erste Folge des Sex-Reports erklärt, wird “nirgendwo mehr geschummelt” als beim Thema Sex. Die freiwilligen Teilnehmer wurden öffentlich und ausschließlich über das Internet angeworben (siehe Pressemeldung) - einschlägige Foren und Blogs verlinkten begeistert auf die Fragebogen-Seiten. Eine seriöse Stichprobenauswahl sieht anders aus. Da mag die Zahl der Teilnehmer noch so astronomisch sein.
Online-Fragebogen: Erreicht man so Repräsentativität? Quelle: ProSieben
Ein interessantes Interview dazu hat die Fernsehzeitschrift TVdirekt mit einem der verantwortlichen Wissenschaftler gemacht. Darin behauptet Dr. Jakob Pastötter tatsächlich, man habe einen “Querschnitt der deutschen Sexualbefindlichkeit” ermittelt. Ich bezweifle, dass eine Umfrage, die ausschließlich auf einem Internet-Fragebogen basiert, dafür als Grundlage dienen kann - denn sexuell aufgeschlossene Menschen werden sich eher an solch einer Befragung beteiligen als Sozialphobiker. Und ältere Menschen besitzen seltener einen Internetanschluss als jüngere, beteiligen sich also auch seltener an solch einer Umfrage. Wie will man unter solchen Bedingungen zur Repräsentativität gekommen sein?
Die Sendung: Lautes Gestöhne zur Begrüßung
Nun zur eigentlichen Sendung. Zu Beginn der ersten Folge gibt es lautes Gestöhne auf die Ohren und nackte Tatsachen auf die Augen. “Au weia”, soll der Zuschauer wohl denken, “jetzt geht’s zur Sache”. Während die Eckdaten der “Sexstudie” vorgestellt werden, läuft im Hintergrund Synthesizer-Musik wie in einem Porno-Film.
Darsteller im Sex Report: Die "durschnittlichen" Leute sind jung und schlank. Quelle: ProSieben
Hundert Probanden werden persönlich rangenommen: Sie müssen explizite Fragen zu ihrem Sexualleben explizit beantworten. Auch hier muss davon ausgegangen werden, dass es sich um besonders aufgeschlossene Menschen handelt - sie stellen also keinen Durchschnitt dar. Auffällig ist auch, wie optisch jung und gestylt die Versuchspersonen sind. Schlanke, fast makellose Körper wandeln über die Mattscheibe (eine Befragte soll sogar eine Pornodarstellerin sein). Entspricht das etwa einem repräsentativem Bild unserer alternden Gesellschaft? Wer von dem Sexleben von Senioren zumindest etwas erahnen möchte, dem sei der Kinofilm “Wolke 9″ empfohlen. Auf ProSieben lernt man nichts über die ältere Generation - das wäre ja auch ganz gegen die Jugendwahn-Tradition der Privatsender.
Aufgeschlossene Menschen plaudern indiskret und ohne Balken
Eine Bürokauffrau plaudert von ihren “Porno-Fantasien” und von der Anzahl ihrer Sexpartner - “hundert? Weiß ich nicht”. Der “Verhörspezialist” nagelt die Befragten mit dem Lügendetektor und stellt nachher richtig fest, man könne nicht immer über alles reden, “weil ich sonst vielleicht mein Gesicht vor der Gesellschaft verliere oder vielleicht auch vor mir selbst”. Da kann man nur hoffen, dass die besagte Bürokauffrau ein Ego aus Beton hat.
Gruppensex-Collage: Diskretion als Verklemmtheit verkauft. Quelle: ProSieben
Apropos Diskretion: Der Sex-Report funktioniert nach dem Motto “Mensch, was sind wir Deutschen doch unverklemmt.” ProSieben behauptet im Vorspann, Sexualität sei öffentlich geworden. Stimmt - denn sexuelle Verrohung wurde jüngst in allen Medien und Varianten umfangreich behandelt (siehe unter anderem Bild und Spiegel TV). Dass jede individuelle Intimität vom Privaten ins Öffentliche wandert, muss aber hoffentlich nicht befürchtet werden.
Oswald Kolle und die verfehlte Sex-Revolution
Um es kurz zu machen: Der ganze Film ist öde. Begriffe wie Analsex, Oralsex oder Gruppensex lassen den aufgeklärten Zuschauer nicht mehr aufhorchen. Auch ein historischer Exkurs, in dem Oswald Kolle ein paar Worte zu den schlimmen, alten Zeiten sagen darf, fördert nichts Neues zutage. Die eigentliche Erkenntnis bleibt sogar gänzlich außen vor. So stellt der Film zwar eine “sexuelle Revolution” seit 1968 fest - und dass die Deutschen immer häufiger Sex haben. Auf der anderen Seite zeigen die Fakten: Ende der 1960er Jahre hatten die Deutschen 130 mal Sex im Jahr, heute 139 mal. Das ist gerade mal eine Steigerung von sieben Prozent - von einer echten Revolution kann also keine Rede sein.
Jugendliche mit Sex-Spielzeug: Schaulaufen der Lust statt Liebes-Ratgeber. Quelle: ProSieben
Eines ist jedoch positiv: Der Film ist genauso widersprüchlich wie die Sexualität selbst. Sexuelle Leistung wird bei ProSieben zur Schau gestellt, gleichzeitig heißt es: “Kein Wunder, dass sich viele Menschen inzwischen sogar bedrängt fühlen von der öffentlichen Leistungsschau sexueller Alleskönner.”
Fazit: ProSieben hat im Vorfeld mächtig die Werbetrommel gerührt. Das Springer-Blatt Welt Kompakt half sogar mit einer Aufmacher-Doppelseite mit und verkaufte das als redaktionell aufbereitete Wissenschaft. In Wirklichkeit liefert der Sex-Report aber keine neuen Erkenntnisse. ProSieben frischt das auf, was aus unzähligen Untersuchungen und aus dem Bravo-Liebeslexikon längst bekannt ist. Der Film gibt Umfrage-Ergebnisse wieder, hat aber keinen Ratgeber-Charakter und bietet deshalb für den aufgeklärten Zuschauer keinen Anreiz. Daran ändern auch die zahlreichen Softporno-Collagen nichts.
Web-Extra: Medienkritiker David Harnasch über den Sex Report 2008
Jürgen Emig, langjähriger Sportchef beim Hessischen Rundfunk (HR), muss ins Gefängnis - wegen Untreue und Bestechlichkeit. Der Journalist hat über Jahre Schmiergelder und finanzielle Mittel, die für den Sender bestimmt waren, für sich eingestrichen. Insgesamt geht es um mehrere hunderttausend Euro, die unter anderem für Schleichwerbung geflossen sind. Und obwohl er in Revision gehen wird, wird sich eine Haftstrafe für Emig wohl nicht mehr vermeiden lassen. Zu detailliert konnten ihm seine Aktivitäten nachgewiesen werden. Erstaunlich ist, dass selbst HR-Intendant Helmut Reitze das frühere Finanzierungssystem des Senders als “das Einfallstor für die korrupten Machenschaften von Emig” bezeichnet (siehe Pressemeldung).
Beängstigend ist nicht nur, mit welcher ungebremsten Gier ein hochbezahlter Journalist sich seine Machtposition zu Nutze gemacht hat - erstmals wird ein ARD-Führungsmann wegen Korruption verurteilt. Beängstigend ist vor allem, wie über Jahre redaktionelle Beiträge skrupellos verkauft oder absichtlich manipuliert wurden. Journalismus ad absurdum.
Schleichwerbung: Wirksame Positionierung für solvente Sponsoren
Hessischer Rundfunk: Für Sport-Beistellungen war Emig zuständig. Quelle: HR-Pressestelle
Denn es geht auch um Schleichwerbung. Emig nahm Geld von Sponsoren an, die sich damit Sendezeit und positive Berichterstattung erkauften. Bei öffentlichen Veranstaltungen ließ Emig Kameras so positionieren, dass Werbetafeln besonders wirksam ins Bild gerückt wurden. Das erschreckende Ausmaß der Emigschen Unverfrorenheit hat der Spiegel ausführlich dokumentiert - und das Magazin stellt richtig fest: Der TV-Zuschauer und Gebührenzahler war letztlich der Verlierer des Systems, denn er musste sich zum Zwecke der illegalen Bereicherung hinters Licht führen lassen (”Es gab nur einen Dummen: den Zuschauer, der seine TV-Gebühren auch und gerade für das Versprechen zahlt, unabhängigen Journalismus zu bekommen.”).
Beistellungen: Öffentlich-rechtliche Expansion und illegale Abzweigungen
Die illegale Methode, Teile von akquirierten Beistellungszahlungen für sich zu behalten, erscheint dagegen vergleichsweise simpel. Schon zu Prozessbeginn machte Emig deutlich, dass er die Hauptschuld beim Sender sieht: Schließlich sei der Hessische Rundfunk jederzeit auf “Beistellungen” angewiesen gewesen (die umstrittene Praxis wurde 2004 eingestellt). Tatsächlich war Emig für die Eintreibungen der Beistellungen zuständig, und der HR dürfte sich über sein Engagement gefreut haben. So konnte der Sender neues Personal einstellen und noch mehr Sport senden - Emig sorgte für öffentlich-rechtliche Expansion. Auch die Sponsoren waren mit der persönlichen Betreuung durch den Sportchef sehr zufrieden: Sie fanden ihre Werbung zielgruppengerecht im Großformat auf der Mattscheibe wieder, eingebunden in nervenaufreibende Großereignisse des Sports.
Intendant Helmut Reitze: "der hr war Opfer, nicht Täter". Quelle: HR-Pressestelle
Korruption: Niemand will etwas gewusst haben
Die Verantwortlichen beim HR konnten oder wollten nichts von Korruption wissen - nach wie vor beteuern sie ihre Unwissenheit. Und Jürgen Emig dachte wohl, er habe durch sein langjähriges Engagement ein Anrecht darauf, dass auch mal für ihn etwas rausspringt. Die FAZ nennt eine Summe von 440.000 Euro.
Trauriges Fazit: Der HR hat von Emigs legalen Aktivitäten über Jahre finanziell erheblich profitiert - die illegalen will niemand erkannt haben. Jetzt macht der Sender Schadensersatzforderungen geltend. Für den größten Schaden gibt es aber keinen Ersatz: Der gesamte öffentlich-rechtliche Apparat hat einen Teil seiner journalistischen Glaubwürdigkeit verloren. Und daran ist nicht nur Emig, sondern auch der Hessische Rundfunk schuld.
Was macht ein Student, der die Waschmaschine nicht bedienen kann und auch nicht die Nerven hat, es zu erlernen? Richtig, er fährt heim zur Mami - die freut sich sowieso, wenn der Sohnemann sich mal notgedrungen blicken lässt. So hatte es auch Rob Vegas vor, als er in seinen roten Mazda stieg und ordentlich aufs Gas drückte. Hier berichtet er von der Autobahn - von Bollerwagen mit Blinker, Raststätten-Sandwiches und Multimedia-Ablenkung in der Baustelle. Film ab für die Mindtime-Show!